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Zützen wehrt sich gegen rechten Ruf

Der Zützener Ortsbeirat: Christian Schmidt, Ortsvorsteherin Christa Schmidt, die beide nicht verwandt sind, und Gerd Denschel (v. l.).
Der Zützener Ortsbeirat: Christian Schmidt, Ortsvorsteherin Christa Schmidt, die beide nicht verwandt sind, und Gerd Denschel (v. l.). FOTO: be
Zützen. Christa Schmidt ist neue Ortsvorsteherin von Zützen. Der Ortsbeirat hat sich hinter die örtliche Bürgerinitiative gestellt, die sich gegen eine aus ihrer Sicht zu hohe Zuweisung von 100 Flüchtlingen und Asylbewerbern wehrt. Zugleich distanziert sich das Gremium von rechtem Gedankengut. Carmen Berg

Vor der Verantwortung in schwieriger Zeit drücken sich die Mitglieder des Ortsbeirates nicht. Mit dem gestandenen Beiratsmitglied Christa Schmidt und Neuling Christian Schmidt gab es zwei Bewerber um die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen ehrenamtlichen Dorfchefs Hans-Christoph Läbe. Die geheime Abstimmung endete im ersten Wahlgang unentschieden bei einer Enthaltung. Im zweiten Wahlgang bekam Christa Schmidt zwei Stimmen, ihr Mitbewerber eine.

Vertreter des Sprecherkreises der Bürgerinitiative "Pro Zützen - Gemeinsam für ein friedliches Zützen" wollten von allen drei Ortsbeiräten wissen, wie sie zur vom Landkreis geplanten Zuweisung von gut 100 Flüchtlingen im 350-Seelen-Dorf stehen. Sie sollen in einigen Wochen in 26 Wohnungen in vier Blöcken eines privaten Vermieters einziehen. Die Ortsbeiräte teilten die Ansicht der Bürger, die Zahl sei zu hoch, aber ebenso die Befürchtung vor einem rechtsradikalen Ruf, der eine Szene anziehe, die das Dorf nicht haben wolle.

Hintergrund: In sozialen Netzwerken sowie in E-Mails sieht sich die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben mit Vorwürfen konfrontiert, rechtsextremes Gedankengut zu unterstützen. Anlass waren entsprechende Äußerungen aus dem Publikum bei einer Informationsveranstaltung des Landkreises und der Amtsverwaltung zur Asylproblematik in der Vorwoche. Dort war unter anderem die Drohung unwidersprochen geblieben, Namenslisten von Verantwortungsträgern im Internet wie andernorts könnte es auch in Zützen geben.

"Die Zützener kämpfen für Sachen, die ihnen wichtig sind, aber mit den Rechten haben sie nichts am Hut", stellte Ortsbeiratsmitglied Christian Schmidt jetzt klar. Ortsvorsteherin Christa Schmidt räumte ein, anfangs sei bei wöchentlichen Treffen der Einwohner zum Thema "viel Hetze dabei gewesen", was ihr zu Schaffen gemacht habe. Aber inzwischen dominiere die Sachlichkeit. "Wir Zützener müssen die Herausforderung in den Griff bekommen", forderte die Ortsvorsteherin. Beiratsmitglied Gerd Denschel dankte der Bürgerinitiative nach der jüngsten dorfinternen Zusammenkunft am vergangenen Freitag dafür, "dass ihr vernünftig diskutiert und euch vernünftig für die Flüchtlinge einsetzt".

Marie Miethe vom Sprecherkreis erklärte gegenüber der RUNDSCHAU: "Wir reden doch deshalb über Zahlen, weil wir den Flüchtlingen helfen wollen. Wir lehnen sie nicht ab. Aber 100 Menschen und vielleicht noch mehr überfordern uns." Dem Landkreis fehle aus ihrer Sicht ein Konzept für die Integration. Angeregt während der Ortsbeiratssitzung wurden ein öffentlicher Raum in Zützen für Begegnungen, den zugleich die Jugend nutzen könnte, sowie eine Einkaufsmöglichkeit am Ort für Dinge des täglichen Bedarfs.

Michael Bartz kündigte an, die Bürgerinitiative wolle sich in anderen Heimen ein Bild von den Realitäten machen. Sie wolle das ohne die vom Kreis angebotene Begleitung tun, mit dem Kreis aber weiter das Gespräch suchen zu den Fragen, auf die die Zützener noch Antworten erwarten.