ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:53 Uhr

Zitterpartie um Kunstgussmuseum in Lauchhammer

Mit der Poterie werden im Kunstgussmuseum bald auch wieder die Ursprünge des Eisengusses in Lauchhammer zu sehen sein. Museumsleiterin Dr. Susanne Kähler richtet einen Raum in der Dauerausstellung ein.
Mit der Poterie werden im Kunstgussmuseum bald auch wieder die Ursprünge des Eisengusses in Lauchhammer zu sehen sein. Museumsleiterin Dr. Susanne Kähler richtet einen Raum in der Dauerausstellung ein. FOTO: Steffen Rasche
Lauchhammer. Das Kunstgussmuseum in Lauchhammer steht auf tönernen Füßen. Seit Jahren plagt die kulturhistorisch einmalige Schau im Süden Brandenburgs Geldnot. Als Partner der Landesausstellung "Wo Sachsen Preußen küsst" will die Einrichtung das Fundament sicherer machen. Heidrun Seidel

Lauchhammer. 2014 ist gesichert. Gerhard Nies atmet erleichtert auf. Das Geld, um das Kunstgussmuseum in diesem Jahr betreiben zu können, ist auf den letzten Pfiff zusammengekommen. Sein Ehrenamt als Beiratsvorsitzender der Stiftung Kunstgussmuseum und 1. Vorsitzender des Freundeskreises hat dem ehemaligen Takraf-Chef im Ruhestand gerade im letzten Jahr viel Unruhe eingebracht. "Ab Sommer sah es richtig böse aus", gesteht er. "Wir standen vor der Schließung."

Der Stiftung ist das Geld ausgegangen. Auch die über Spenden und Freundeskreis akquirierten Finanzen haben nicht gereicht, um alle Verbindlichkeiten bezahlen zu können. Schließlich sind allein 35 000 Euro für Betriebskosten aufzubringen. "Da ist noch kein Personal bezahlt", weiß auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Andreas Tietz. So kann die Museumsleiterin Dr. Susanne Kähler nur zwei Tage in der Woche finanziert werden - und auch sonst ist das Personal ausgesprochen knapp. Seine Finanzierung wird fast überwiegend über die (unplanbare) Förderung von Projekten bestritten. "Ohne Enthusiasmus und Ehrenamt ginge hier gar nichts", gesteht Tietz. "Wir brauchen Nachhaltigkeit in der Finanzierung, auch um Planungssicherheit zu haben", sagen Tietz und Nies gleichermaßen.

Stiftung, Museumsleitung, Beirats- und Freundeskreismitglieder sind deshalb in letzten Monaten Klinken putzen gegangen. Das hat zwar das laufende Jahr abzusichern helfen, doch von Nachhaltigkeit ist noch längst keine Spur.

Für den Landkreis ist das "Museum mit seiner einmaligen Sammlung an Exponaten in Kombination mit wechselnden interessanten Ausstellungen" zwar "von großer Bedeutung", doch Geld aus dem Kreissäckel gibt es nicht. Immerhin hat er für eine hilfreiche Spende durch die Sparkasse gesorgt. Auch die 10 000 Euro der Stadt Lauchhammer sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und das Land hält sich ausgesprochen bedeckt.

"Von der Hand in den Mund zu leben, erschwert sowohl die Ausstellungs- wie auch die dringend notwendige wissenschaftliche Arbeit", bedauert Susanne Kähler. Trotzdem werden die Lauchhammeraner Partner der Brandenburgischen Landesausstellung. Mit "Was Sachsen recht ist, ist Preußen billig", wollen sie auf die Industriegeschichte und das Eisenwerk in Lauchhammer als eine sächsische Industriegründung aufmerksam machen. Und auf sich selbst. Dabei sollen nicht nur hoffentlich viele Museumsbesucher angelockt, sondern auch Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen, die sich ihrer Wurzeln bewusst werden, geknüpft werden.

Zum Thema:
Das Kunstgussmuseum Lauchhammer ist im Februar 1993 eröffnet worden. Die Sammlung des Museums besteht aus Eisen- und Bronzegüssen von Skulpturen und kunstgewerblichen Gegenständen. Es spiegelt die Entwicklung der Eisengießerei seit 1725 unter der Gründerin des Hammerwerkes, Freifrau von Löwendal, über die Grafen Einsiedel bis in die Gegenwart wider und zeigt das Zusammenspiel von Kunst und Technik in der Geschichte.