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| 18:03 Uhr

Liebesleben der Insekten
Zirpen, klopfen, stridulieren für die Angebetete

Feldgrillen-Männchen „singen“ für ihre Angebetete. Sie tragen die schrillen Töne rund 50 Meter weit.
Feldgrillen-Männchen „singen“ für ihre Angebetete. Sie tragen die schrillen Töne rund 50 Meter weit. FOTO: Marek Swadzba
Luckau. Heimische Insekten zeigen spannende Paarungsverhalten. Auch Hochzeitsgeschenke und Musik sind dabei.

Das zunehmende Insektensterben ist derzeit viel diskutiert. Bienen, Hummeln, Libellen oder andere Käfer werden in der Region immer seltener. Dr. Hannes Petrischak, Biologe bei der Heinz Sielmann Stiftung, erklärt: „Insekten stehen unter einem enormen Anpassungsdruck.“ Klimawandel, Umweltgifte und Verlust der Lebensräume machen es nötig, dass sie sich an Veränderungen anpassen, um zu überleben. „Ein Anlass, sich einmal genauer anzuschauen, wie sich Insekten vermehren. Die Natur hält eine interessante Auswahl an Balzritualen bereit“, so Petrischak weiter.

Die Begleitmusik warmer Sommertage ist das Zirpen der Feldgrille (Gryllus campestris). Die männlichen Grillen versuchen, die Weibchen mit ihrer Musik anzulocken. „Der Fachbegriff dafür ist Stridulation“, weiß Petrischak. Eine Ader auf den harten Deckflügeln ist zur sogenannten Schrillader umgeformt. Auf dem anderen Flügel gibt es ganz dünne Rippen. Bewegt die Grille beide Flügel gegeneinander, entsteht das typische Zirpen. 

Insekten, die nicht mit so einem ausgeklügelten Instrumentarium ausgestattet sind, locken den Partner auf andere Weise an. Die Männchen der Steinfliegen schwärmen beispielsweise auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen umher. Wenn sie sich niederlassen, beginnen sie mit dem Hinterleib zu trommeln, wobei die unterschiedlichen Arten unterschiedliche Frequenzen und Rhythmen benutzen. „Das Weibchen antwortet dem Männchen mit einem Trommelwirbel“, so Petrischak. „Allerdings hören die Tiere die Töne nicht, sondern sie nehmen die Erschütterungen über empfindliche Sinneszellen wahr.“

Wer in einem alten Haus wohnt, wundert sich nachts vielleicht über ein mitunter unheimliches Klopfen. „So verständigen sich Männchen und Weibchen der Klopfkäfer, besser bekannt als Holzwürmer“, erklärt der Biologe. Um sich zu finden und zu paaren, schicken die Käfer die Morsezeichen durch das weit verzweigte Gangsystem im Holz. „Die Methode erscheint etwas rabiat. Der Käfer hebt den Körper und schlägt mit der Stirn auf den Boden und das etwa sechs Mal pro Sekunde.“

Aber auch bei den Insekten gibt es Kavaliere der alten Schule. Mit Geschenken soll die Auserwählte von der bevorstehenden Vereinigung überzeugt werden. Tanzfliegen-Männchen der Art Empis aerobatica verpacken ein Beutetier kunstvoll in einen Seidenballon, den sie dem Weibchen anbieten. Aber Vorsicht: Andere Tanzfliegen-Arten spinnen ungenießbares wie Samenkörner oder Holzstückchen ein, manche lassen den Ballon gleich ganz leer. 

Die Weibchen der Gemeinen Skorpionsfliege (Panorpa communis) lassen sich allerdings nicht täuschen. Auch wenn sich Männchen und Weibchen zum Fortpflanzungsakt bereits verbunden haben, übergibt die männliche Skorpionsfliege bis zu sieben Speicheltropfen. „Die Eiweißkügelchen sind sehr nahrhaft und wirken sich positiv auf den Erfolg der Paarung aus“, erläutert Petrischak.

Der Rückgang der Insektenzahlen hängt also keinesfalls mit mangelnder Fantasie beim Werben und Paaren zusammen. Hannes Petrischak erklärt: „Der Verlust der Insektenvielfalt und -Biomasse ist vielmehr auf eine immer intensivere Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen, sowie auf die Flächenversiegelung und das Aufräumen der Landschaft.“ Für Männchen und Weibchen wird es demnach immer schwieriger, sich für den Liebesakt überhaupt zusammen zu finden. Ist dies dennoch gelungen, finden die Larven später meist zu wenig Nahrung. „Jeder kann etwas für eine vielfältigere Landschaft tun. Hausbesitzer und Unternehmen können mit einer naturnahen Gestaltung ihres Gartens oder Firmengeländes anfangen. Beim Einkaufen sollte man öfter zu regionalen Produkten aus biologischer Landwirtschaft greifen. Nur so können wir diesen, auch für uns Menschen bedrohlichen Trend aufhalten“, zeigt der Insektenexperte auf.

(abh)