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| 16:09 Uhr

Winter im Frühling
Ziege und Co. trotzen der Eiszeit

Wenn Christiane Kolisch mit der Bürste kommt, wissen die Esel, es gibt Streicheleinheiten. Die lieben sie bei jedem Wetter.
Wenn Christiane Kolisch mit der Bürste kommt, wissen die Esel, es gibt Streicheleinheiten. Die lieben sie bei jedem Wetter. FOTO: Carmen Berg / LR
Dahme. Im Dahmer Tierpark dickes Stroh und Kalorienbomben gegen die Kälte. Erste Tierkinder.

Ein böiger Wind pfeift durch den Tierpark und lässt die minus zehn Grad noch kälter erscheinen. Als Tierpflegerin Christiane Kolisch mit einem Eimer „Leckerli“ ins Ziegengehege kommt, springen ihr vier Tierkinder entgegen. Anfang Februar hat  „Ömchen“ im stattlichen Ziegenalter von 17 Jahren Drillinge geboren  - Spielgefährten für einen kleinen Bock, der einen Tag später die Rasselbande verstärkte. Der Nachwuchs erblickte vor dem späten Wintereinbruch das Licht der Welt. Jetzt seien die Jungen kräftig genug, um der Kälte zu trotzen, sagt die Tierpflegerin.

Kleine und große Vierbeiner bekommen gegen die Kälte dicke Einstreu und mehrmals täglich warmes Wasser. Die Futterrationen fallen größer als üblich aus. Christiane Kolisch und Kollege Bernd Liepack verteilen reichlich Heu sowie Kartoffeln, Möhren, Äpfel als zusätzliche Kalorienspender. Gefüttert werde im Stall, sagt die Pflegerin. Doch zum „Verdauungsspaziergang“ zieht es die meisten Vierbeiner ins Freie.

Fast alle Tierarten im Park sind einheimisch. Wie die Ziegen kommen Kamerunschafe, Damwild und die drei Eseldamen  mit der Eiszeit gut zurecht. Nur die Nasenbären kuscheln sich im Warmen in einer gemütlichen Schlafbox, auch die exotischen Vögel bleiben in ihren vier Wänden. Würde zu den Minusgraden Schnee fallen, wäre die Situation schwieriger, so die Tierpflegerin. „Bei Nässe können sich auch Tiere erkälten, sie brauchen dann noch öfter frisches Stroh.“ Doch das Team sei auf alle möglichen Wetterlagen eingestellt. „Ausreichend Streugut steht bereit, falls es glatt werden sollte“, sagt sie.

Seit 31 Jahren kümmert sich Christiane Kolisch um die Dahmer Tierparktiere. „Ich liebe meine Arbeit wie am ersten Tag“, erzählt sie. Jedes Tier habe seinen eigenen Charakter, seine Persönlichkeit. Da sei das schwarze Schaf, das zum Frühstück aus der Hand gefüttert werden will oder die Ziegen „Ömchen“ und „Erna“, die mit Blicken Streicheleinheiten fordern. Scheint die Sonne, sieht man viele Tiere draußen an den schützenden Gehegemauern stehen. „Sie sehnen sich nach Wärme und Licht wie wir Menschen“, so die Pflegerin.

Davon können sich Besucher ein Bild machen. „Unsere Stammgäste kommen bei jedem Wetter“, sagt sie. Die Verbundenheit der Dahmenser mit ihrem Tierpark sei groß. Mit mehreren Tausend Euro Spenden im Jahr unterstützen sie die Futterkosten sowie Instandsetzungen. Manches aber, was gut gemeint sei, helfe den Tieren nicht, ergänzt die Mitarbeiterin. Auf neuen Schildern werden Besucher gebeten, die Tiere nicht zu füttern. Beispielsweise sei den Nasenbären Stolle verabreicht worden oder der leberkranken Eselstute Blumenkohl. „Falsche Kost kann bei Tieren zu Durchfällen und Koliken führen“, erklärt die Tierparkfrau. Futterspenden seien willkommen, sollten aber bei den Mitarbeitern abgegeben werden.

Trotz steifer Brise zieht es die Ziegen in die Sonne. Auch der Nachwuchs mischt beim Ausflug gern mit.
Trotz steifer Brise zieht es die Ziegen in die Sonne. Auch der Nachwuchs mischt beim Ausflug gern mit. FOTO: Carmen Berg / LR