ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:00 Uhr

Dorfgeschichte
600 kleine Eichen sollen sprießen

 Insgesamt 600 Eicheln haben die Zieckauer unlängst in Blumentöpfe gesetzt. Daraus sollen bis zum großen Jubiläumsfest im kommenden Jahr kleine Eichenbäume sprießen.
Insgesamt 600 Eicheln haben die Zieckauer unlängst in Blumentöpfe gesetzt. Daraus sollen bis zum großen Jubiläumsfest im kommenden Jahr kleine Eichenbäume sprießen. FOTO: Birgit Keilbach
Zieckau. „Alt wie ein Baum“ gehört zu den Projekten für die 600-Jahr-Feier von Zieckau. Von Birgit Keilbach

Viele fleißige Hände haben auf dem Grundstück von Axel Linke Erde in Blumentöpfe gefüllt und Eicheln hineingesteckt. 600 Stück stehen nun sorgfältig aufgereiht im Halbschatten. Bis zum Jubiläumsfest im August 2020 sollen daraus junge Bäumchen sprießen.

„Die Eichenalleen rund um Zieckau sind etwas Besonderes. Darauf wollen wir mit der Pflanzaktion aufmerksam machen“, sagt Manuela Guth. Seit Jahren würden die Zieckauer darum ringen, den Alleecharakter zu erhalten und die Fehlstellen aufzufüllen. Im Zuge von Ausgleichspflanzungen seien bisher nur einige junge Eichen entlang der Landstraße nach Gießmannsdorf gesetzt worden. Vor allem die am Ende der Dorfstraße in Richtung Kümmritz führende Eichenallee hat deutliche Lücken. Das sei schade, denn viele Zieckauer nutzten diesen Spazierweg gern.

Angelegt wurden die Eichenalleen Zieckaus vor rund 200 Jahren. Zuvor hatten die Truppen Napoleons im Zuge der Schlacht um Luckau 1813 nahe der Ortschaft ihr Feldlager aufgeschlagen, plünderten Gehöfte sowie die Umgebung aus. „Die Obstbäume, der gesamte Wald und alles Stroh wurden zum Baracken-, Stallungen- und Palisadenbau verbraucht und dann noch für große Feuerpyramiden zum Geburtstag des Kaisers in Luckau“, blickt Lothar Treder-Schmidt in die Geschichte. Er arbeitet derzeit die historischen Quellen zu einer Chronik über Zieckau auf.

Demnach wird am 29. März 1420 „Zycau“ in einem Register der böhmischen Kanzlei zu Prag erwähnt, da die Niederlausitz damals zum Königreich Böhmen gehörte. Vermerkt ist darin, dass der Landvogt Hans von Polentz den Luckauer Eberhard mit zwei Hufen in Zieckau belehnte. „Allerdings sagt die Ersterwähnung eines Ortes nicht wirklich etwas über das wahre Alter einer Siedlung aus“, sagt Lothar Treder-Schmidt. Spätestens zur Zeit der Völkerwanderung im 7. Jahrhundert wurde Zieckau ein slawischer Siedlungsort. Die Spuren sind heute noch gut im Gutspark erkennbar. Dort erhebt sich ein Borchelt. Es sind die überwachsenen Reste eines wendischen Burgwalls mit einer Vorburgsiedlung. „Mit dem Zuzug deutscher Siedler verschob sich der Siedlungsraum nach Osten. Am Standort des heutigen Gutshauses entstand eine frühdeutsche Wehranlage“, erläutert der Chronist.

Seit Jahresbeginn tagt monatlich ein zehnköpfiges Festkomitee unter Federführung von Tino Wolff. Verschiedene Projekte werden angeschoben. So soll zum Beispiel das frühere Nachtwächterhäuschen „wiederbelebt“ werden. „Auf einem Foto ist zu sehen, dass es an der Kreuzung in Richtung Caule stand“, sagt Manuela Guth. Auch die Freiwillige Feuerwehr hat schon konkrete Pläne. Drei Feuerwehrgerätehäuser gibt es im Dorf, eins wird aktuell genutzt, das zweite ist verkauft. „Das erste steht noch in der Dorfstraße. Wir wollen dort alte Technik und Uniformen zeigen. Und einen B 1000 als historisches Fahrzeug bekommen wir von der Dubener Wehr“, nennt Ortswehrführer Axel Linke einige Punkte. Für die Kinder soll es Spiele geben, auch die Jugendfeuerwehr Zieckau-Gießmannsdorf werde sich einbringen.

Die Termine für die Feierlichkeiten stehen bereits. Den Auftakt soll es anlässlich der Ersterwähnung im März 2020 geben. Am 15. und 16. August folgt dann das Festwochenende. „Samstag machen wir eine Veranstaltung im Hahngarten mit Kaffee, Kuchen, Unterhaltung und Spielen“, zählt Axel Linke auf. Am Sonntag wollen die Zieckauer ihre Hoftore öffnen. „Wir werden Historisches, Gegenwärtiges, Spannendes und Spektakuläres präsentieren“, kündigt Manuela Guth an. Dafür werde in Scheunen und auf Böden schon gekramt, um so manches inzwischen vergessene Stück wieder ans Tageslicht zu holen.

„Wir suchen noch alte Fotos vom Ort, Bekleidung, Trachten, Dinge aus Urgroßmutters Zeiten, die wir zum Jubiläum auf den Höfen ausstellen können. Auch wer heute nicht mehr in Zieckau wohnt, kann vielleicht etwas beisteuern“, bittet Manuela Guth um Unterstützung.

Darüber hinaus freuen sich die Organisatoren über Menschen aus der Region, die mit der Darstellung alter Handwerkskunst das Fest entlang der Dorfstraße bereichern möchten. Melden können sich Interessierte bei Manuela Guth unter Telefon 035453 5955.

 Insgesamt 600 Eicheln haben die Zieckauer unlängst in Blumentöpfe gesetzt. Daraus sollen bis zum großen Jubiläumsfest im kommenden Jahr kleine Eichenbäume sprießen.
Insgesamt 600 Eicheln haben die Zieckauer unlängst in Blumentöpfe gesetzt. Daraus sollen bis zum großen Jubiläumsfest im kommenden Jahr kleine Eichenbäume sprießen. FOTO: Birgit Keilbach