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Sturmschäden
Xavier hinterlässt Chaos im Wald

Oberförster Burkhard Nass begutachtet ein Waldstück in Kreblitz. Das Sturmholz soll möglichst bald abtransportiert werden.
Oberförster Burkhard Nass begutachtet ein Waldstück in Kreblitz. Das Sturmholz soll möglichst bald abtransportiert werden. FOTO: Theiler
Luckau. Mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde ist Sturmtief Xavier in der vergangenen Woche durch Deutschland gefegt. Auch die Natur hat schwer unter den Orkanböen gelitten. Jenny Theiler

Kaum eine Waldfläche in Brandenburg blieb verschont. Die Waldbesitzer kämpfen mit den Folgen des Sturms. In Luckau und dem Umland laufen jetzt die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. "Wir haben noch sehr viel zu tun", sagt der Luckauer Oberförster Burkhard Nass bei einem Kontrollgang durch ein Waldstück in Kreblitz. Die Oberförsterei Luckau ist für eine Waldfläche von insgesamt 35 000 Hektar verantwortlich, die zu 70 Prozent auf private Eigentümer aufgeteilt ist. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch sechs Wochen andauern.

Die starken Regengüsse der vergangenen Wochen haben dem Oberförster zufolge zum Schadensausmaß erheblich beigetragen. Das dichte Laub der Baumkronen ist durch das nasse Wetter schwer geworden. So konnten die Stämme im Sturm leichter kippen und durch die aufgeweichten Waldböden sogar entwurzelt werden. "Man kann nicht genau sagen, wo der Sturm am heftigsten gewütet hat", schätzt Burkhard Nass die Situation ein. Überall finden sich umgekippte Eichen, entwurzelte Kiefern und abgerissene Äste. Breite Waldwege sind durch umgestürzte Stämme und Baumkronen versperrt. Die Wurzelwerke von 80 Jahre alten Kiefern ragen aus dem Boden.

Zu Fuß kommt hier niemand mehr durch - nicht einmal der Förster. Glücklicherweise seien die Wurf- und Bruchschäden nicht so großflächig wie vor Jahren beim Sturmtief "Kyrill", vergleicht er. Doch gerade deshalb stehen manche Waldbesitzer beim Beräumen vor einem Problem: "Für Holzunternehmen lohnt sich die Anfahrt nicht, wenn sie nur drei oder vier Stämme von den Waldbesitzern kaufen können", gibt Burkhard Nass zu bedenken. Laut Paragraf 19 des Waldgesetzes sind private Besitzer allerdings verpflichtet, ihr Waldgebiet zu schützen und sauber zu halten. Dazu gehört es, Gefahrenquellen zu beseitigen. Die Waldwege müssen beräumt werden, damit sie für Rettungskräfte und Holztransporter befahrbar bleiben. Bis zur nächsten Waldbrandsaison sollten die Aufräumarbeiten in jedem Waldabschnitt abgeschlossen sein. "Wer seinen Wald nicht sauber hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit", erklärt der Leiter der Oberförsterei.

Ein weiteres Problem sind die zerstörten Kulturzäune. Um den Wald nachhaltig zu stärken, sollen die Kiefermonokulturen in Mischwälder umgewandelt werden. Dafür werden junge Eichen herangezüchtet, die zum Schutz vor Wildtieren eingezäunt sind. "Durch die umgestürzten Bäume sind nun viele Zäune defekt, und das Wild kann ungehindert die jungen Pflanzen anfressen", sagt Burkhard Nass. Für die Erneuerung der Zäune ist ebenfalls der Waldbesitzer zuständig.

Über das Sturmholz darf der Waldeigentümer frei verfügen. Wenn die Schadensfläche zwei Hektar übersteigt, muss die Nutzungsabsicht der Oberförsterei fünf Tage vorher gemeldet werden. "Es ist nicht ratsam, die Aufräumarbeiten ohne Fachkenntnisse allein durchzuführen", erklärt Burkhard Nass. Denn Bäume, die vor allem in Straßennähe nur halb entwurzelt wurden, können trotzdem sehr gefährlich werden. Der Oberförster empfiehlt, sich an den jeweiligen Revierförster zu wenden, der beratend zur Seite stehen wird.