Von Carmen Berg

„Es war schon bewegend“, blickt Gerd Walter auf den Festakt in Potsdam zurück, bei dem Luckaus Stadtbrandmeister von Innenminister Karl-Heinz Schröter mit dem Ehrenzeichen im Brand- und Katastrophenschutz am silbernen Band ausgezeichnet wurde. Er freue sich darüber, es sei aber so gar nicht sein Ding, im Mittelpunkt zu stehen, gibt er zu. „Was ich mache, mache ich doch gern.“

Gerd Walter ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Eine Bindung, die seit 39 Jahren hält. Gerade acht Wochen alt war der Luckauer, Jahrgang 1964, als die Scheune der Familie  niederbrannte. Nur wenige Tage nach diesem Unglück starb sein Vater mit nur  35 Jahren. „Er war bei der Feuerwehr, die Kameraden haben beim Wiederaufbau geholfen.“ Ein verkohlter Balken blieb erhalten.  „Als Mahnung, dass es jeden treffen kann.“ Diese Geschichte sei der Ursprung dafür, dass er selbst zur Feuerwehr wollte, erzählt er.

Mit 16 Jahren sei er mit Freunden in den aktiven Dienst eingetreten. „Als Jungspund habe ich bei den alten Hasen das Laufen gelernt, Luckau hatte schon immer eine gute Ausbildung.“  Gruppenführer wie Franz Tosch, Siegfried Richter und später Hans-Georg Schaper als Ortswehrführer  seien für ihn da gewesen, sagt er. Gerd Walter erinnert sich an Großwaldbrände in Weißwasser, Spremberg, Großräschen in jenen Jahren. „Die Kameradschaft, die ich erlebte, hat mich geprägt“, so Luckaus Stadtbrandmeister.

Mit der Wende habe sich der Einsatzschwerpunkt stark verändert. „Mit den schnellen Autos kamen die Unfälle, und das Tagesgeschäft für die Wehren verlagerte sich immer mehr auf die Straße.“

Die Einsatzzahlen seien steigend. In diesem Jahr wurde die Luckauer Wehr schon knapp 130-mal alarmiert. 2017 mit schweren Stürmen und 2018 mit großen Wald- und Flächenbränden rückten die Kameraden pro Jahr 160- bis 180-mal aus. „Im Schnitt an jedem zweiten Tag“, sagt Gerd Walter. Stets die Einsatzstärke zu sichern, bleibe die Herausforderung. „Nicht alle, die etwa über Wettkämpfe zum aktiven Dienst finden, bleiben bei der Stange, aber es rücken auch Neue nach, die sich für die Technik begeistern und die Gemeinschaft schätzen“, sagt er.

Seit 2008 ist er Stadtbrandmeister. Ihm obliegt es, die Zusammenarbeit der Luckauer Stützpunktwehr mit den Ortswehren zu organisieren, sich um die gemeinsame Aus- und Weiterbildung zu kümmern, er ist Kreisausbilder zum Beispiel für die Atemschutzgeräteträger und außerdem Zugführer der Brandschutzeinheit von Dahme-Spreewald. Aufgaben, die er hervorragend erfülle, wie Landrat Stephan Loge anlässlich der jüngsten Ehrung würdigt.

Feuerwehrdienst sei das gefährlichste unter den Ehrenämtern, sagt Gerd Walter. Den Vorstoß des Landes, das mit finanziellen Anreizen zu würdigen, findet der Mann aus der Praxis nicht rundum geglückt. Die  neu geregelte Prämie für treue Dienste, bei der ein Feuerwehrmann im aktiven Dienst zehn Jahre lang 40 Stunden pro Jahr nachweisen muss, um in den Genuss der 500 Euro Prämie zu kommen, sieht Gerd Walter skeptisch.

„Für manchen auf dem Land, der auswärts arbeitet, sind schon 30 Stunden kaum zu schaffen, und er ist deshalb nicht weniger engagiert“, sagt er. Das schaffe neue Ungerechtigkeiten. Eine gute Sache sei der pauschalisierte Aufwandsersatz von 200 Euro pro Jahr bei 40 Stunden. Das sei zeitnah, wenngleich der Nachweis Aufwand bedeute. „Viele machen doch einfach, ohne alles gleich aufzuschreiben“, sagt Gerd Walter.

Feuerwehrdienst ist eben Herzenssache. Auch in der eigenen Familie. Seine Frau Sylvia ist eine von drei Frauen in der Wehr,  die Einsätze fahren, und  der Sohn führt die Tradition weiter. Wenn alle drei zusammen ausrücken, scherzen die Kameraden schon mal: „Walters machen Familienausflug.“