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| 02:48 Uhr

Wohnen im alten Luckauer Gefängnis

Geschäftsführerin Bärbel Kohlstock zeigt originale Nischen, die vom Flur aus zu den Feuerungsanlagen führten. Auch solche Elemente müssen beim Umbau des Gefängnisses zum Wohnhaus erhalten bleiben.
Geschäftsführerin Bärbel Kohlstock zeigt originale Nischen, die vom Flur aus zu den Feuerungsanlagen führten. Auch solche Elemente müssen beim Umbau des Gefängnisses zum Wohnhaus erhalten bleiben. FOTO: Carmen Berg
Luckau. Im alten Luckauer Gefängnis an der Karl-Liebknecht-Straße haben erneut Bauarbeiten begonnen. Wo einst Frauen im offenen Vollzug und in den oberen Etagen die Gefängnisverwaltung untergebracht waren, entstehen bis Herbst 2015 Wohnungen für 13 Familien. Es ist das letzte Bauprojekt in der einst "verbotenen Stadt". Carmen Berg

Innen klopfen die Handwerker Putz von den Wänden. Schutt liegt in den engen Zellen im Erdgeschoss. Daraus moderne Wohnungen zu machen, wird für die Luckauer Wohnungsbaugesellschaft als Bauherrin eine Herausforderung. Das denkmalgeschützte Haus an der Karl-Liebknecht-Straße ist der älteste Teil des früheren Gefängnisses. Die Folge: "Wir müssen die Wohnungen an vorhandene Wandstärken und Decken anpassen. Das fordern die Denkmalpfleger", erklärt Bärbel Kohlstock, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft.

Im Erdgeschoss werden die Gewölbedecken der früheren Zellen in einer aufwendigen Technologie abgefangen, bevor Zwischenwände herausgenommen und Räume zusammengelegt werden können. Teilweise werden Flure in die Wohnungen integriert, dort entstehen Küchen und Bäder. In den oberen Stockwerken, die für Verwaltungszwecke genutzt wurden, seien die Raumzuschnitte größer und für den Umbau günstiger, so die Chefin.

Wie sie versichert, werden trotz des Spagats zwischen Historie und Moderne später alle neun Zweiraum- und vier Dreiraumwohnungen komfortabel und behaglich sein. Sie würden mit Fußbodenheizungen ausgestattet und mit Erdwärme versorgt. Weitere Annehmlichkeiten seien ein Fahrstuhl sowie Balkone und Terrassen zum Hof mit seinem romantischen Laubengang. Die Erdgeschosswohnungen bekommen separate Zugänge von der Hofseite. Eine Wohnung wird rollstuhlgerecht.

In dieser Woche rüsten Handwerker das Gebäude ein. Es werde mit der Rüstung vollständig überdacht und damit wetterfest. Das sei nötig für die anstehende komplette Erneuerung von Dach und Dachstuhl, erklärt Bärbel Kohlstock. Den Luckauern stellt sie für die zweite Augusthälfte eine spektakuläre Aktion in Aussicht. Vor dem Dachaufbau müsse über die alten Deckengewölbe im Obergeschoss eine komplett neue Betondecke gezogen werden. "Die Elemente wiegen zwischen drei und vier Tonnen und sind teils mehr als sieben Meter lang", sagt die Chefin. Weil für den Antransport der Hof zu eng ist, der Turmdrehkran aber nicht in der Karl-Liebknecht-Straße stehen darf, muss er vom Hof aus jedes Deckenelement übers Dach vom Laster herüberholen.

Die Dacharbeiten sollen der Geschäftsführerin zufolge bis zum Jahresende abgeschlossen sein, parallel dazu werde der Innenausbau vorangetrieben. Ziel sei eine Fertigstellung des Vorhabens bis Ende Oktober 2015, sagt sie. Die Baukosten beziffert sie auf 2,6 Millionen Euro. Davon fließen 1,3 Millionen Euro aus der Städtebauförderung, knapp eine Millionen Euro seien ein Förderdarlehen der Investitionsbank des Landes Brandenburg, den Rest muss die Wohnungsbaugesellschaft selbst aufbringen. Die Forderungen des Denkmalschutzes treiben die Kosten in die Höhe, sagt Bärbel Kohlstock. Allein der Mehraufwand für die Aufarbeitung alter Holz-Innentüren belaufe sich auf rund 50 000 Euro, nennt sie ein Beispiel.