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Landgut-Brennerei
Mutterkühe, Weizenkorn und Likör

Brennmeister Günter Krause erläutert den Teilnehmern der Rundschau-Sommertour die einzelnen Schritte der Alkoholherstellung und zeigt, wie der Bukowina vor der Abfüllung in die Flaschen gefiltert wird.
Brennmeister Günter Krause erläutert den Teilnehmern der Rundschau-Sommertour die einzelnen Schritte der Alkoholherstellung und zeigt, wie der Bukowina vor der Abfüllung in die Flaschen gefiltert wird. FOTO: Keilbach/bkh1
Sellendorf. Die Landgut-Brennerei Sellendorf hat zwei Standbeine: Landwirtschaft und Brennereibetrieb. Sieben Mitarbeiter bewältigen die Aufgaben. Birgit Keilbach / bkh1

Derzeit liege der Fokus etwas stärker auf der Landwirtschaft, erläutert Geschäftsführerin Annette Diebow. Beide sind miteinander verzahnt. Aus Getreide wird Alkohol gebrannt, die dabei entstehende Schlempe für die Fütterung der Mutterkuhherde verwendet. 80 Tiere zählt sie. 400 Hektar Land gehören zum Betrieb. Angebaut werden Gerste, Roggen, Triticale, Weizen, Lupinen, Raps und Hafer; seit 2014 auch Lein. Die Sellendorfer beteiligen sich am Projekt "Spreewälder Leinöl". "Wir sind stolz, dabei zu sein. Es ist nicht so einfach. Lein kann nur alle sieben Jahre auf der gleichen Fläche angebaut werden", erläutert Annette Diebow. In Straupitz werde daraus Leinöl gepresst.

Beim Alkohol setzt die Brennerei auf die vielfältige Palette der Eigenprodukte. Einige glänzten schon als Preisträger auf der Grünen Woche. Seit das Branntweinmonopol 2013 aufgehoben wurde, könne die kleine Brennerei bei der Vermarktung des Rohalkohols zu einem Preis von 47 Cent je Liter nicht mithalten. "Wir brauchen wenigstens 90 Cent, um kostendeckend zu arbeiten. Deshalb konzentrieren wir uns auf veredelte Spirituosen und Liköre."

Voraussetzung ist Rohalkohol aus eigener Produktion. Wie dieser entsteht, erklärt Brennmeister und Destillateur Günter Krause. . Das Getreide werde gereinigt, gewogen, zu Feinschrot vermahlen und schließlich im Maischbottich mit Malz und Wasser vermischt und erhitzt. "Enzyme wandeln die Stärke in Zucker", erklärt der Brennmeister. Danach werde die Maische mit Hefe versetzt und komme in Gärtanks. 74 Stunden lang erfolge die alkoholische Gärung. Danach werde alles in den Brennturm geführt, wo der Alkohol über 32 Stufenböden verdampfe. Heißer Dampf halte die Temperatur der Stufenböden. "Bei 74 Grad Celsius wird Alkohol gasförmig. Weil der Brennturm wie ein Schornstein funktioniert, saugt dieser den Alkohol nach oben." Über eine Kupferschlange werde dieser abgekühlt. Der destillierte Alkohol wird über ein Messgerät in den großen, zollsicher verschlossenen Tank geleitet.

Etwa 14 Brenntage brauche es im Winter, um den Eigenbedarf zu erzeugen. "Den Rohsprit lassen wir in Wittenberg reinigen und verwenden dann das Feindestillat für unsere Likörherstellung", sagt Annette Diebow. Am stärksten nachgefragt seien Weizenkorn, Sellendorfer Kräuterschnaps und Bukowina. Als neues Produkt stellten die Sellendorfer auf der "Grünen Woche" einen Eierlikör vor, den sie in Kooperation mit der Landkost Ei GmbH Bestensee herstellen. "Wir beziehen von dort das Eigelb", sagt Annette Diebow. Ein Jahr sei am Rezept getüftelt worden.

Wachsen muss laut Annette Diebow in der Region das Bewusstsein für regionale Produkte. "Beim Ottma in Dahme wurde zum Beispiel auf den Bierwagen unser ganzes Sortiment in den kleinen Pullys verkauft." Das würde sie sich auch für andere Veranstaltungen wünschen. In verschiedenen Märkten seien die Sellendorfer schon gelistet, auch kleinere Geschäfte und Gaststätten hätten die Produkte im Angebot. "Das könnte noch besser laufen." Als Nische haben die Sellendorfer Anfertigungen für Firmenfeiern, Jubiläen Hochzeiten entdeckt, beispielsweise kleine Fläschchen mit dem Namen auf dem Etikett als originelle Tischkärtchen. "Da sind wir sehr flexibel sein", so Annette Diebow.

"Was die Handvoll Leute hier auf die Beine stellt, um alles zu meistern, und wie viel Herzblut der Brennmeister in die Produkte steckt, da habe ich höchsten Respekt", resümierte Elvera Choitz aus Schenkendorf. Jürgen Huget kennt die Sellendorfer schon, "das war heute interessant, die Abläufe kennenzulernen", sagte der Lübbenauer. Heiko Diehsner aus Walddrehna sieht es als wichtig an, "dass die Einheimischen ihre Produkte auch in der Region verkaufen können. Das muss noch mehr bewusst gemacht werden, auch in den großen Märkten."