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Milchviehhaltung
Kuhkomfort auf Weltniveau

Während des Rundganges durch die modernen Stallanlagen erläuterte Milchgut-Geschäftsführer Joachim Klindworth  (r.)  den  Gästen  die zahlreichen  Details der innovativen Rinderhaltung und Milchproduktion.
Während des Rundganges durch die modernen Stallanlagen erläuterte Milchgut-Geschäftsführer Joachim Klindworth  (r.)  den  Gästen  die zahlreichen  Details der innovativen Rinderhaltung und Milchproduktion. FOTO: Birgit Keilbach / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Görlsdorf. Milchgut Görlsdorf GmbH weiht die derzeit größte und modernste Stallanlage mit einem Melkroboter-Karussell ein. Von Birgit Keilbach

„Wir Landwirte schauen täglich auf das Wohl der Tiere. Mit diesem neuen Stall geben wir den Kühen  das Beste, was dem heutigen Stand entspricht“, fasst Geschäftsführer Joachim Klindworth in einen Satz, wofür die Milchgut Görlsdorf GmbH in den vergangenen Jahren rund 2, 2 Millionen Euro investiert hat. Am Samstag bot das Unternehmen zum Verpächtertag rund 300 Gästen Einblick, was zukunftsorientierte Rinderzucht und Milchproduktion bedeuten.

Entstanden sind ein Milchviehstall für 735 Tiere und ein Abkalbestall für 261 Tiere. Daran schließt sich ein Melkhaus an, ausgestattet mit Zukunftstechnologie. An den 56 Plätzen auf dem Melkkarussell legen nicht mehr Menschen den Kühen das Melkgeschirr an. Jeder Platz ist mit einem Melkroboter ausgestattet, der das Euter reinigt, die Kuh melkt und anschließend das Euter pflegt. Gleichzeitig erfasst die Technik alle Daten der Kuh und der Milch, die zum zentralen Computer weitergeleitet werden. Von dort aus überwacht der Herdenmanager das Geschehen auf dem Melkkarussell. „Es ist das größte vollautomatische Melkkarussell in Deutschland. Hier können 250 Tiere pro Stunde gemolken werden“, ordnet Dr. René Rackwitz von der Firma Gea Farm Technologies ein, die das Melksystem geliefert und eingebaut hat. Zwischen zehn und zwölf Minuten dauere ein Melkvorgang.

Das ist jedoch nicht die einzige Innovation. Der neue Milchviehstall sei nach den neuesten Erkenntnissen für besten Kuhkomfort errichtet und ausgestattet, erläutert Christiane Brandes vom InnovationsTeam, das für die Planung und Baubetreuung verantwortlich zeichnet. „Wir haben hier nicht nur viel Komfort für die Kuh, sondern auch für das Personal. Viele Routinearbeiten sind automatisiert.“ Das sei ganz neu und damit stehe in Görlsdorf derzeit die größte und modernste Stallanlage mit Melkroboter weltweit. Selbst in den USA sei sie auf diesen Betrieb angesprochen worden, „dort entsteht gerade erst ein derart ausgestatteter Stall“, sagte die Geschäftsführerin des InnovationsTeams. Ein neues Sozialgebäude am Melkhaus biete den Mitarbeitern gleichfalls zeitgemäßen Komfort, von der durchdachten Umkleide über die Sanitäreinrichtungen bis zum Aufenthaltsraum.

Für die Mitarbeiter bedeutet die Automatisierung deutlich weniger Handarbeit. Die Kühe werden mit einem automatischen System durch den Stall zum Melken gelenkt. Die Fütterung erfolgt über ein ausgeklügeltes und bewährtes Förderband-System, „das wir schon in unseren bestehenden Ställen einsetzen“, sagte Joachim Klindworth. Der Vorteil: Es werde kein Futterwagen benötigt und Platz für die Kühe gewonnen. „Die Laufgänge sind vier Meter breit, so dass die Tiere ohne Stress aneinander vorbei gehen können.“ Auf dem Betonboden sei ein Rautenmuster eingefräst worden, damit die Tiere sicher laufen können und nicht rutschen. Zudem biete der Stall mit seiner Höhe ein großes Luftvolumen, lichtdurchlässige Jalousien können bei Bedarf geschlossen werden, ein hell gedecktes und gedämmtes Dach halte Hitze ab. Großzügige Liegeplätze für die Milchkühe und ebenso großflächige Plätze für tragende Kühe im Abkalbestall sorgten dafür, dass sich die Tiere wohlfühlen.

Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretärin Dr. Carolin Schilde würdigte den Mut der Görlsdorfer, in Zeiten der Milchkrise ein solches Wagnis einzugehen und diese Investition zu stemmen, für die das Land einen 20-prozentigen Zuschuss gab. Die Staatssekretärin  gab am Samstag ein klares Bekenntnis der Landesregierung zur Tierhaltung ab. „Wir wollen landwirtschaftliche Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen, denn neben der Investition ins Tierwohl ist dies auch eine in gute und attraktive Arbeitsplätze“, betonte Carolin Schilde. Auch für den Berufsnachwuchs engagiere sich der Landwirtschaftsbetrieb, in dem aktuell sechs junge Menschen eine Ausbildung erhalten. In Zusammenarbeit mit dem Bauernverband Südbrandenburg schaltete er Anzeigen, wodurch fünf weitere Azubis für andere Betriebe gewonnen werden konnten, hob sie einen weiteren Aspekt des Engagements der Geschäftsführung hervor.

Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) würdigte den unternehmerischen Mut der Görlsdorfer Landwirte. „Es ist ein Signal für die Region und zeigt, in welche Richtung sich Landwirtschaft künftig entwickelt“, unterstrich Bürgermeister Lehmann.