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| 19:15 Uhr

79 unbesetzte Ausbildungsstellen
Firmen ringen um Nachwuchs

In Luckau gibt es derzeit noch viele offene Lehrstellen – mehr als Berwerber.
In Luckau gibt es derzeit noch viele offene Lehrstellen – mehr als Berwerber. FOTO: fotoliadogotalfoto105 / fotolia
Luckau. Die Suche nach passenden Azubis wird schwerer. Firmen gehen aktiv auf Nachwuchs zu. Von Anja Brautschek

Für Oberschüler und Gymnasiasten werden die kommenden Wochen eine aufregende und auch anstrengende Zeit. Die wichtigen Abschlussprüfungen stehen bevor. Und damit fällt gleichzeitig auch der Startschuss für einen neuen Lebensabschnitt. Was kommt nach der Schule? Die richtige Wahl zu treffen ist nicht leicht: Studium, Ausbildung oder ein freiwilliges Jahr sind nur einige Möglichkeiten.

Dabei lohnt der Blick nicht nur in die weite Ferne. Auch Unternehmen aus der Region suchen händeringend nach Nachwuchs. Derzeit sind allein in Luckau 71 Ausbildungsstellen unbesetzt, informiert die Agentur für Arbeit. Im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald werden noch 572 Azubis gesucht. Die Suche nach geeigneten Bewerbern wird dabei immer schwieriger. „Es gibt zu wenig Bewerber mit den passenden Berufswünschen. Außerdem ist die Neigung bei Schülern und Eltern, eine weiterführende Schule zu besuchen, hoch“, erklärt Anja Schilde, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Cottbus, eine Problematik. Immer häufiger werden nach ihrer Auffassung Abitur oder Fachhochschulreife angestrebt. Damit sinke das Potenzial für eine Ausbildungsaufnahme nach der zehnten Klasse. Die Suche wird schwieriger.

Viele Unternehmen aus Luckau und Umgebung versuchen daher, den Kontakt zu Schülern schon frühzeitig aufzubauen. Die Golßener Fleisch- und Wurstwaren GmbH sind auf Ausbildungsmessen und online aktiv, um Kontakt zur Zielgruppe aufzubauen. Die Resonanz sei bislang jedoch eher gering, sagt Ingo Fromm, zuständig für die Produktentwicklung und Ausbildung im Unternehmen. Dabei bietet das Unternehmen ein breites Spektrum an Lehrstellen an. In sechs Berufen wird ausgebildet. „Das ist ein Trend, der sich schleichend abzeichnet. Vor etwa vier Jahren hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon alle Stellen besetzt“, beschreibt er die Situation.

„Das Interesse an Lehrstellen ist kaum noch vorhanden“, bestätigt auch Ingo Haberland, Geschäftsführer im Autohaus Tosch. Mit Blick auf die Zukunft sucht er vor allem in der Region. Geeignete Azubis als Mechatroniker, Büro- und Automobilkaufleute finde das Unternehmen fast nur über Mund-zu-Mund-Propaganda. „Dabei gibt es in den Berufen so viele Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt er.

Doch Interessen von Arbeitgeber und Bewerber klaffen auseinander. Vor allem in der Dienstleistungsbranche, im Handwerk und in der Landwirtschaft werden angehende Fachkräfte dringend gesucht. Auf 51 offene Ausbildungsstellen für den Kaufmann im Einzelhandel entfallen im Landkreis bislang nur 32 Bewerber. „Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Zugangsvoraussetzungen oder geringe Verdienstmöglichkeiten nach der Ausbildung spielen dabei eine Rolle“, sagt Anja Schilde.

Die BHG Handelszentren GmbH setzen aus diesem Grund auf eine flexible Ausbildung. „In der Regel arbeiten die Azubis an einem festen Ort. Aber wenn sie Interesse zeigen, können Sie auch in andere Märkte der BHG oder in die Verwaltung hineinschnuppern“, erklärt Maja Jentsch, Marketing-Mitarbeiterin bei der BHG. In den Märkten werden in erster Linie Kaufmänner im Einzelhandel und Floristen gesucht. Die Bewerber kommen dafür in erster Linie aus der näheren Umgebung. „Bislang können wir uns noch nicht beklagen. Aber wir arbeiten auch sehr eng mit Schulen zusammen“, sagt Maja Jentsch. Der große Betrieb mit mehreren Standorten locke zudem Bewerber an.

Doch davon gibt es im Vergleich zur Lehrstellensituation in Luckau derzeit nicht genug. 57 Bewerber sind aktuell auf der Suche nach einer Ausbildung. Im gesamten Landkreis sind es 477. Und nicht immer passen auch die Anforderungen des Berufs. „Die Azubisuche ist nicht sonderlich schwer, nur haben Bewerber immer schlechtere Zensuren“, sagt er. Als Gerüstbauer sind jedoch vor allem Mathe- und Physikkenntnisse gefragt. Auszubildende findet er über die Jöbbörse, Handwerkskammer oder Mund-zu-Mund-Propaganda. Trotz Schwierigkeiten sei für ihn Ausbildung selbstverständlich. „Ohne Ausbildung gibt es keine Fachkräfte, und ohne Fachkräfte keine Qualität.“