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Händler am Ort
Hier kauft Luckau gern ein

Marcel Merker kommt mit einer Kundin ins Gespräch.
Marcel Merker kommt mit einer Kundin ins Gespräch. FOTO: Jenny Theiler / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Luckau. Der Luckauer Einzelhandel lässt sich von großen Shoppingcentern nicht unterkriegen. Jenny Theiler

Die große, bunte Einkaufslandschaft ist in ständigem Wandel und scheint sich den Bedürfnissen der Kundschaft immer mehr anzupassen. Riesige Angebote zu günstigen Preisen und das alles möglichst an einem Ort – das wünschen sich vor allem Kunden, die zum Einkaufen wenig Zeit haben. Wachsender Onlinehandel und mächtige Einkaufspassagen sind die Folgen und setzen vor allem kleineren Privatunternehmen in Kleinstädten stark zu.

Auch der Luckauer Einzelhandel kennt dieses Problem. Dabei lässt der Branchenmix in der Luckauer Hauptstraße kaum einen Einkaufswunsch offen. Bekleidungsgeschäfte, Juweliere, Optiker, Schreibwaren-, Blumen- und Tabakläden teilen sich in der beschaulichen Straße auf und bedienen schon seit Jahrzehnten die Kunden aus Luckau und Umgebung.

Die Einzelhändler leben überwiegend von einheimischen Stammkunden – die Laufkundschaft fehlt. Der Tourismus ist in Luckau nicht so stark ausgeprägt wie in Lübben oder Lübbenau. Außerdem arbeiten viele Luckauer außerhalb des Spreewalds in den umliegenden, Metropolen wie Berlin, Dresden und Cottbus. Deswegen haben die meisten Einheimischen in der Woche kaum Zeit für einen entspannten Schaufensterbummel in der Heimat. „Vor ungefähr zehn Jahren war das noch anders, aber die Leute gehen dort einkaufen, wo sie auch arbeiten“, erklärt Melitta Werner. Die Optikermeisterin weiß, dass man sich als Einzelunternehmen von den großen Ketten abheben muss und bietet die gefragten Reparaturleistungen an, die von bekannten Optikerketten nicht mehr angeboten werden.

„Es ist schon oft sehr ruhig in der Stadt“, weiß Ramona Teich-Hamerich, Inhaberin von „Monis Blumenstübchen“. Viele Kunden würden spezielle Fachgeschäfte kaum noch besuchen, sondern stattdessen den Discounter oder die Supermarktkette vorziehen, die mit einem breiteren Produktangebot locken, berichtet die Blumenhändlerin. Dabei können gerade bekannte Geschäfte als Zugpferde für die kleineren Unternehmen funktionieren. So schätzen es die Gewerbetreibenden in der historischen Altstadt ein.

Große Einzelhandelsketten gibt es in der Luckauer Innenstadt nicht mehr. Bis vor ein paar Jahren war noch das Bekleidungsgeschäft „Family“ in der Hauptstraße ansässig. Damals seien noch viele Familien, vor allem am Wochenende, mit ihren Kindern vorbei gekommen, erinnern sich die Einzelhändler. 2014 ist das Modegeschäft in die entfernter gelegene Karl-Marx-Straße gezogen. „Wir wollten uns vergrößern. Die alte Verkaufsfläche war mit dem anwachsenden Sortiment einfach nicht mehr zu bedienen“, erklärt Gebietsleiterin Beate Fuhrmann. Der neue, größere Standort kommt bei der Kundschaft viel besser an. Die Luckauer loben außerdem den großen Parkplatz und die benachbarten Geschäfte Edeka und Rossmann.

Die Einzelhändler in der Hauptstraße können auch weiterhin auf ihre Stammkunden vertrauen. „Ich kann mich nicht beklagen“, erzählt Buchhändlerin Elke Richter und schließt sich damit ihren Kollegen in der Luckauer Hauptstraße an. „Es kommen auch junge Leute vorbei, die mittlerweile wieder viel bewusster einkaufen und auf den Onlinehandel verzichten“, so die Buchhändlerin.

Dass viele Kunden die heimischen Unternehmen bevorzugen, kann auch Kommunikationselektroniker Marcel Merker bestätigen. Der Inhaber des Computergeschäftes hat sich Anfang des Jahres beruflich umorientiert. Auf Nachfrage der ehemaligen Stammkunden hat er seinen Laden Anfang der Woche wiedereröffnet. „Ich habe das Gefühl, dass Einkaufen wieder persönlicher wird und die Menschen ganz bewusst nach Geschäften suchen, in denen sie auch mal mit dem Verkäufer plaudern dürfen. In Luckau ist das ganz besonders spürbar“, erzählt Marcel Merker.

Das bestätigt das Treiben in der Einkaufsstraße. Viele Kunden plaudern mit den Ladenbesitzern angeregt über das Wetter oder den bevorstehenden Urlaub. So auch Monika Wolf, die schon seit vielen Jahren in „Monis Blumenstübchen“ einkauft. Die Kundin aus Egsdorf gibt zu, hin und wieder auch mal auf große Shoppingcenter zurückzugreifen. „Alles andere hole ich aber immer in der Innenstadt. Wovon sollen die Händler denn sonst leben?“, fragt sich die Stammkundin.

Den Standort in der Hauptstraße möchten die Gewerbetreibenden nicht verlassen. Es sei schließlich wichtig, dass die Innenstadt belebt bleibe. Darin sind sich die Händler der Hauptstraße einig.