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| 18:55 Uhr

Lehrstellen-Situation in Luckau
Azubisuche mit Hindernissen

 Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich in der Region sehr verschieden. Während einige Unternehmen bereits alle Plätze vergeben konnten, hoffen andere auf Kurzentschlossene.
Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich in der Region sehr verschieden. Während einige Unternehmen bereits alle Plätze vergeben konnten, hoffen andere auf Kurzentschlossene. FOTO: dpa / Martin Schutt
Luckau. Etwa 400 Lehrstellen sind im Landkreis Dahme-Spreewald noch unbesetzt. Von Anja Brautschek

Der Nachwuchs in der Region ist knapp. Wenige Wochen vor dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres sind im Landkreis Dahme-Spreewald noch immer zahlreiche Lehrstellen unbesetzt.

Von den ursprünglich 823 betrieblichen Ausbildungsstellen, die der Agentur für Arbeit aus dem Landkreis Dahme-Spreewald gemeldet wurden, sind derzeit fast die Hälfte unbesetzt. 391 Lehrstellen (Stand: Juli 2019) sind noch offen.

Fokus auf Nachwuchs aus der Region

Auch bei der Unternehmensgruppe Iden mit einer Niederlassung in Golßen bleiben Lehrstellen bislang  unbesetzt. Von sechs offenen Lehrstellen in den Bereichen Fachlagerist, Kaufmann für Groß- und Außenhandel sowie Kaufmann für E-Commerce sind erst drei Ausbildungsverträge unterzeichnet. „Es ist schwierig, Auszubildende zu finden. Es werden deutlich weniger Bewerber“, erklärt Diana Hödtke, Leiterin für Qualitäts- und Prozessmanagement bei Iden. Über Schulen, Ausbildungsmessen, die Industrie- und Handelskammer Cottbus sowie die Agentur für Arbeit machen sie auf die Angebote aufmerksam. Dabei konzentriert sich das Unternehmen besonders auf regionale Bewerber. „Wir wollen die Leute hier unterstützen und hoffen, dass sie auch nach der Ausbildung in der Region bleiben“, sagt sie.

Auffällig sei, dass Bewerber deutlich später als vor einigen Jahren ihre Anfragen absenden. Der Großteil der Bewerbungen erreiche das Unternehmen erst zur Jahresmitte hin, berichtet Diana Hödtke. „Die Spätentschlossenheit bedeutet aber nicht, dass die Bewerbungen eine schlechtere Qualität haben“, stellt sie fest. Überzeugt ein Kurzentschlossener mit Engagement und Leistung, so könnten auch für dieses Ausbildungsjahr noch weitere Bewerber eingestellt werden.

Erstmals bildet das Unternehmen, das insgesamt fünf Niederlassungen in ganz Deutschland hat, in diesem Jahr auch Kaufmänner im E-Commerce aus und stellt sich damit weiter für die Zukunft auf. Denn im Bereich Schreibwaren, Spielwaren und Saison sei der Online-Handel nicht mehr wegzudenken.

Kaufmännische Berufe und Handwerksberufe schwer zu besetzen

Allerdings sind insbesondere kaufmännische Berufe und Handwerksberufe in der Region schwer zu besetzen. Statistisch gesehen gibt es 0,98 Ausbildungsstellen pro Bewerber. Vor allem im Einzelhandel und bei Kaufleuten für Büromanagement werden Nachwuchskräfte gesucht, gefolgt von Fachkräften für Lagerlogistik. „Die Bewerber haben eine viel größere Auswahl an Angeboten und können sich die Ausbildung aussuchen. Die große Auswahl überfordert teilweise auch Bewerber, sodass es länger braucht, eine verbindliche Einscheidung zu treffen“, erklärt Anja Schilde, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Cottbus, die Herausforderungen des heutigen Ausbildungsmarktes.

Soziale Netzwerke als Anlaufstation für Unternehmen

Unternehmen probieren aus diesem Grund immer wieder andere Möglichkeiten, um Absolventen und Ausbildungssuchende auf Angebote und Stellen aufmerksam zu machen. So nutzen die BHG Handelszentren in Luckau unter anderem auch Social-Media-Kanäle, um mit Jugendlichen in Kontakt zu treten. „ Es ist uns wichtig, dass sowohl Schüler als auch Eltern angesprochen werden. Deshalb nutzen wir eine Vielzahl an Kanälen“, erklärt Madleine Schwill von der BHG. Über Praktika haben Bewerber die Möglichkeit, einen Einblick in das künftige Aufgabengebiet zu erhalten. „Die Vorstellungen über den Beruf sind meist anders. So haben beide Seiten die Chance, sich besser kennenzulernen“, erklärt sie. In diesem Jahr werden drei neue Azubis eine Lehre bei der BHG anfangen. Insgesamt sei aus ihrer Sicht aber ein Wandel bei den Bewerbern zu merken. „Der Trend geht mittlerweile eher dahin, dass junge Leute wieder verstärkt hier bleiben wollen“, stellt sie fest.

Um den Zusammenhalt der Auszubildenden weiter zu fördern, will das Unternehmen in diesem Jahr erstmals ein gemeinsames Seminar „Azubi fit“ organisieren. Die Nachwuchskräfte sollen dabei zu Themen wie Gesundheit oder Prüfungsvorbereitung geschult werden.

Auch die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) versucht mit Aktionen, angehende Berufskraftfahrer zu finden. Auf Messen haben Interessierte beispielsweise die Möglichkeit, sich selbst hinter das Lenkrad zu setzen. Doch die Resonanz sei bislang gering, die Suche nach geeigneten Bewerbern zunehmend schwieriger.