ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:09 Uhr

Es brodelt im Idyll
Wirbel um geplantes Autoverbot

Einem Vorschlag der Verwaltung zufolge sollen auf der schmalen KAP-Straße künftig nur noch Landwirtschaftsfahrzeuge und Radler unterwegs sein. Foto: be
Einem Vorschlag der Verwaltung zufolge sollen auf der schmalen KAP-Straße künftig nur noch Landwirtschaftsfahrzeuge und Radler unterwegs sein. Foto: be FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Dahmer Verwaltung will auf Schwebendorfs „Flughafenstraße“ nur noch Trecker und Radler. Von Carmen Berg

Auf der im Jahr 2012 in Asphalt ausgebauten Landwirtschaftsstraße zwischen dem Ortsteil Schwebendorf und der B 102 sollen künftig nur noch Fahrzeuge der Bauern sowie Radler unterwegs sein. Für Autos soll die Trasse gesperrt werden, schlägt die Verwaltung vor. Ein entsprechender Beschluss ist am Donnerstagabend nur deshalb von der Tagesordnung der Dahmer Stadtverordneten genommen worden, weil der Ortsvorsteher von Rosenthal, André Weigt, angemahnt hatte, vor einer Entscheidung die Schwebendorfer Bürger zu hören. Der Ortsbeirat Rosenthal hatte sich gegen die Teileinziehung ausgesprochen.

Die Trasse verbindet die beiden Dörfer. Anrainer nutzen die Asphalttrasse außerdem als Abkürzung zur Bundesstraße 102. Sie sparen damit mehrere Kilometer gegenüber der offiziellen Ortsverbindungsstraße zwischen Schwebendorf und Dahme, einer maroden Betonpiste. Diesen Vorteil hat auch der überörtliche Verkehr aus Richtung Wittenberg, Elbe-Elster sowie in der Gegenrichtung aus Cottbus und dem Spreewald längst erkannt. „Fremde“ Kennzeichen sind in der Überzahl. Darunter sind Laster, die sich nicht an das bereits bestehende Fahrverbot für Brummis halten.

Das Problem: Die Straße ist dafür nicht ausgelegt. Sie wurde im so genannten Bodenordnungsverfahren mit Fördergeld der Europäischen Union als Landwirtschaftsstraße grundhaft saniert. Dafür wurde eine in Teilen bis zu 15 Metern breite Landebahn für Agrarflieger aus DDR-Zeiten auf einen vier Meter schmalen Streifen zurückgebaut. Pkw können sich gefahrlos begegnen, für den Gegenverkehr mit Landmaschinen oder Lastern wird es zu eng.

Zwar gibt es Ausweichtaschen, trotzdem sind der Verwaltung zufolge die Bankette stark beschädigt und mussten bereits saniert werden. Sie will die Straße deshalb nur noch für Trecker und Co. sowie als Fahrradstraße für Touristen offen halten.

Knut Krause, Ortsvorsteher von Schöna-Kolpien, drängte darauf, diese Idee noch einmal gründlich zu überdenken. Auch für die Leute aus seinem Dorf sei die Trasse wichtig. Zudem würden aus seiner Sicht überörtliche Verkehrsströme nicht verhindert, sondern nur verlagert. Womöglich direkt in die Ortslage von Schwebendorf, so lautet eine Befürchtung.

Hintergrund: Die Stadtverordneten gaben bei ihrer Sitzung zugleich grünes Licht für den grundhaften Ausbau der ehemaligen Landwirtschaftsstraßen von Schwebendorf zur Landesstraße 70 (Herzberger Chaussee) sowie zwischen Zagelsdorf und Rosenthal, sofern dafür Fördermittel fließen. „Hier würde später nicht das Gleiche passieren wie bei der Flughafenstraße“, versicherte Christina Denkel. Diese neuen Trassen würden breiter.

Lothar Woitschätzky, CDU-Stadtverordneter aus Schwebendorf, sagte: „Wenn die anderen beiden Straßen neu gemacht werden, und es fehlt das Teilstück mittendrin, dann macht das keinen Sinn. Der ganze Verkehr kommt bei uns an.“ Schon als es vormals um den Ausbau der Flughafenstraße ging, habe sich abgezeichnet: „Die Art und Weise, wie dieser Ausbau gemacht wurde, war Müll.“

Den restlichen Meter, der damals an der Breite für sicheres Begegnen fehlte, hätte die Kommune aus eigener Tasche finanzieren müssen. Sie hatte das Geld nicht und ist auch heute klamm. Auf Knut Krauses Frage nach baulichen Möglichkeiten, die drohende Sperrung zu verhindern, erklärte Christina Denkel: „Die gibt es, zum Beispiel mit weiteren Taschen. Die Kommune muss sich aber entscheiden, ob sie Geld ausgeben kann und will für den überörtlichen Verkehr.“ Amtsdirektor David Kaluzza (parteilos) befürchtete, dass mit verstärktem Aufkommen auf untergeordneten Straßen zu rechnen sein wird, wenn ab dem 1. Juli die Lkw-Maut auf Bundesstraßen greift.

Die Kostenfrage will auch André Weigt nicht von der Hand weisen, sagte aber: „Mir geht es darum, die Bürger in die Diskussion einzubinden.“ Es sei bedauerlich, dass Schwebendorf keinen eigenen Ortsvorsteher mehr habe. Deshalb will der Rosenthaler die Initiative ergreifen und bei den Nachbarn eine Bürgerversammlung zum Thema organisieren. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.