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| 02:45 Uhr

Wille: Eigenständigkeit verteidigen

Die Young Voices Brandenburg sorgten mit ihrem Konzert für einen Glanzpunkt des Abends. Die Stücke, darunter auch eigene Kompositionen, standen unter dem Oberthema "Heimat".
Die Young Voices Brandenburg sorgten mit ihrem Konzert für einen Glanzpunkt des Abends. Die Stücke, darunter auch eigene Kompositionen, standen unter dem Oberthema "Heimat". FOTO: Schirling
Niewitz. Mit rund 160 Gästen hat der Landkreis Dahme-Spreewald am Freitagabend das neue Jahr gefeiert. Die Terroranschläge von 2016 und die Unsicherheiten der Kreisreform warfen lange Schatten auf den Empfang. Licht gab es auch: Mit den Briesener Bleienten wurde ein ausgefallenes ehrenamtliches Projekt gewürdigt. Ingvil Schirling

Von den Verantwortlichen für die Kreisgebietsreform in der Landesregierung war zwar keiner da. Doch Landrat Stephan Loge (SPD) nutzte die Gelegenheit, um einen Schwerpunkt seiner Rede auf die Wirtschaftskraft des Kreises zu legen. Dass dieser keine Not hat zu fusionieren, konnte man durchaus als Aussage verstehen. Nur fünf Prozent Arbeitslose, eine Pro-Kopf-Verschuldung von ganzen 31 Euro, ein touristischer Besucherrekord von 1,3 Millionen Übernachtungen, Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro in Straßen, Brücken, Radwege und Schulen, Baugenehmigungen, die unterm Strich eine um 120 Millionen Euro höhere genehmigte Rohbausumme ausmachen, ein Landkreis, der ohne Zuweisungen aus Potsdam finanziell auskommt - die Liste ist beeindruckend und sollte es auch sein. Loge verknüpfte sie mit einer interessanten Information, die einen Hoffnungsschimmer in Bezug auf die äußerst kritisch betrachtete Fusion mit Teltow-Fläming bringen könnte. Es sei mit der Landesregierung vereinbart, dass Dahme-Spreewald eine eigene, amtliche Prognose für die Bevölkerungsentwicklung bis 2030 vorlegen werde. "Für mich ist es völlig sicher, dass wir auf 180 000 Einwohner kommen werden", sagte Stephan Loge. Die Landesregierung geht derzeit von etwas mehr als 160 000 Einwohnern bis 2030 aus und fordert auf dieser Basis die Fusion mit Teltow-Fläming. Doch diese Zahl wird stark angezweifelt und gilt als veraltet.

Ob die Landesregierung allerdings von ihrer Fusions-Forderung absieht, wenn sich die Zahl von 180 000 Einwohnern bis 2030 amtlich bestätigt, ist bisher nicht zugesagt. Bis jetzt ist es lediglich eine Hoffnung. Im Dezember positionierte sich der Kreistag mit einem Votum dafür, dass der Landkreis eigenständig bleibt.

Ähnlich wie der Kreistagsvorsitzende Martin Wille (SPD) wünschte sich auch Loge ein friedvolles neues Jahr. Nicht nur weltweit, sondern auch in Dahme-Spreewald. "Es ist mein Wunsch für 2017, dass wir humaner miteinander umgehen und mehr miteinander kommunizieren. Lassen Sie uns mehr reden", rief er den Gästen zu, darunter viele Kreistagsabgeordnete. "Kritik ist wichtig, sollte aber nicht verletzend oder herabwürdigend sein."

Martin Wille erinnerte daran, wie er vergangenes Jahr auf "ein besseres 2016" gehofft hatte. Diese Hoffnung sei schon nach dem ersten Terroranschlag dahin gewesen. "Namen von wundervollen Städten wie Nizza oder Istanbul stehen jetzt stellvertretend für Trauer und Leid", konstatierte er. Mit dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz sei der Terror nun in der Hauptstadt angekommen. Unter den Opfern ist mit einer Frau aus Eichwalde eine Dahme-Spreewälderin.

Zurückkommend auf das Leben im Landkreis selbst sagte Wille: "Auf die positive Entwicklung und auch die sozialen Leistungen können und sollten wir stolz sein und mit Vehemenz unsere Eigenständigkeit verteidigen." In Anspielung an die Neujahrsansprache von Bundespräsident Joachim Gauck schloss der Kreistagsvorsitzende: "Dieser Landkreis verdient unser Vertrauen."

Nach so viel Sorge brachte eine Würdigung Heiterkeit und Charme in den großen Saal des Spreewald-Parkhotels Niewitz. Eine Gruppe von Einwohnern des kleinen Dorfes Briesen bei Staakow hatte im Sommer das beliebte Schwimmbad des Ortes gerettet. Die teils älteren Frauen und Männer hatten sich zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen, um die Sicherheit im gut besuchten Becken gewährleisten zu können. Stellvertretend für die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen und Engagements würdigten Loge und Wille die Gruppe mit Urkunden, Blumen und - Handtüchern. Natürlich in Dahme-Spreewald-typischem Blau und Gelb.