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| 15:46 Uhr

Bürger beklagen
Wildwest beim Parken in Luckau

Dieses Schild vor den ausgewiesenen Parkplätzen an der Kirche irritiert und soll verändert werden.
Dieses Schild vor den ausgewiesenen Parkplätzen an der Kirche irritiert und soll verändert werden. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Rücksichtslosigkeit nimmt zu. Zahl der erwischten Sünder stieg im Vorjahr um ein Drittel.

 Beim Parken in der Altstadt gibt es offenbar nichts, das es nicht gibt. Da klemmt ein Fahrer seinen Kleinwagen auf dem Kirchplatz in eine Niesche der Kirchenmauern oder stellt das Auto mal eben mitten auf dem Töpfermarkt vor dem Töpferbrunnen ab. „Just vor Fun“, nur zum Spaß,  haben die Macher eine Facebook-Seite überschrieben, die solche „kreativen Lösungen“ zeigt.

Älteren und Gehbehinderten aber vergeht das Lachen, die auf die Rücksicht anderer angewiesen sind. So erzählt Mario Büttner, an der Rathausstraße gegenüber dem Gymnasium seien Bordsteinabsenkungen oft zugeparkt. Für den Rollstuhlfahrer bedeutet das einen Umweg bis zum Manteuffelplatz, wenn er ins Zentrum will. Vor dem Hauptausschuss hat Mario Büttner, der im Behindertenbeirat aktiv ist, weitere Dauerbrenner aufgezählt. Zugeparkte Behindertenstellplätze in der Kollwitz-Straße am Krankenhaus gehören ebenso dazu wie Pkw auf den Gehwegen an der Hauptstraße und der Langen Straße. Mit dem Unmut steht er nicht allein. Auf dem Beschwerdeportal Maerker.de ist Falschparken eines der am häufigsten angesprochenen Themen.

Thomas Schäfer, Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes, räumt ein: „Problemschwerpunkt ist die gesamte Altstadt zwischen Hauptstraße, Lange Straße, Markt und Kirchplatz.“ An der Hauptstraße seien wegen der Falschparker schon die ersten neu verlegten Gehwegplatten gebrochen, sagt er.

Die amtlich registrierten Verstöße steigen rapide. Rund 1500 Parkvergehen hat das Ordnungsamt 2017 aufgenommen und damit ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Gegenüber 2014  habe sich die Zahl sogar fast verdoppelt, sagt Thomas Schäfer.

Kontrollen erfolgen derzeit durch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Dafür seien sie auch außerhalb ihrer normalen Dienstzeit abends und an Wochenenden unterwegs. Halte der Negativtrend an, sei über die Einstellung zusätzlicher Kontrolleure nachzudenken, so der Amtsleiter.

Dem Rathaus gehe es nicht darum, die Stadtkasse aufzubessern. „Park- und Halteverbote haben einen Sinn“, erklärt Thomas Schäfer und nennt die Schulen, wo sich Kinder durch die parkenden Autos auf die Fahrbahn schlängeln müssten. Falschparker rigoros abzuschleppen, wie Mario Büttner es anregt,  sei rechtlich aber nur möglich, wenn vom Fahrzeug eine Verkehrsgefährdung ausgehe oder Retter behindert werden, beispielsweise durch zugeparkte Feuerwehrausfahrten, sagt er.

Die Leute würden immer dreister, stellt Thomas Schäfer fest. Er berichtet von einem Luckauer, der innerhalb von vier Monaten elf Mal an der gleichen Stelle im absoluten Halteverbot erwischt wurde. 85 Prozent der Ertappten seien Einheimische, sagt er. Jeder Fünfte zahle sein Knöllchen nicht. Kann er keinen plausiblen Grund dafür geltend machen, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. „Zum Verwarngeld kommen dann pauschal 28,50 Euro für die Verfahrensführung hinzu“, so der Amtsleiter.

Richtig teuer können Beleidigungen und Übergriffe gegen Kontrolleure werden, die dem Ordnungsamt zufolge ebenfalls zunehmen. In einem Fall war versucht worden, einem Mitarbeiter, der Verstöße dokumentierte,  die Kamera aus der Hand zu schlagen. Verbale Beleidugungen können mit 500 bis 1000 Euro zubuche schlagen, ein „Mittelfinger“ koste 900 Euro. Übrigens, mehr Frauen als Männer diskutieren mit den Konrolleuren, und zwar quer durch alle Altersgruppen, so Thomas Schäfer.