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| 16:06 Uhr

In der Diskussion
Wie viel Theater braucht Luckau?

Im verwaisten Saal des Capitol könnte es wieder Theater geben. Doch das finanzielle Risiko für die Stadt ist hoch. rg
Im verwaisten Saal des Capitol könnte es wieder Theater geben. Doch das finanzielle Risiko für die Stadt ist hoch. rg FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Der Fachausschuss sieht eine Kooperation mit der Neuen Bühne Senftenberg kritisch: Zu teuer und nicht nötig, weil Luckau mit der Theaterloge ein eigenes Ensemble hat. Von Carmen Berg

Dabei klingt die Idee gut. Durch eine Kooperation mit dem Zweckverband „Neue Bühne - Niederlausitzer Theaterstädtebund Senftenberg“ könnte eine beliebte Tradition in der Gartenstadt neu aufleben. In den 1970er und 1980er Jahren gab es regelmäßige Gastspiele des Senftenberger Theaters im Kinosaal des Capitol. Nach der Wende blieben mit dem Kino auch die Theaterabende auf der Strecke und gerieten in Vergessenheit.

Mitte des Jahres nahm Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) Kontakt zur Neuen Bühne Senftenberg auf. Es ging darum, die Möglichkeit  zu prüfen, wieder verstärkt Theaterstücke nach Luckau zu holen. Nach einigen Treffen und Besichtigungen kristallisierten sich dem Rathaus zufolge das Capitol für größere Stücke sowie für kleinere Stücke die Räume der Theaterloge heraus, die von Anfang an einbezogen gewesen sei.

Zwei Aufführungen wurden für 2019 in Aussicht gestellt: „Heute Abend: Lola Blau“, ein bissiges wie nachdenkliches Musical über das Showbusiness und die Nazidiktatur im Capitol am 30. März sowie der kabarettistisch-komödiantische Monolog, „Allein in der Sauna“ am 4. Mai in der Theaterloge.

Der Knackpunkt: Um in den Theatergenuss zu kommen, müsste die Stadt mit dem Zweckverband Neue Bühne eine Kooperationsvereinbarung mit einer Mindestlaufzeit von zwei Spielzeiten abschließen. Den  Vertragsentwurf hat der für Kultur zuständige Amtsleiter Thomas Schäfer am Dienstagabend im Fachausschuss für Gewerbe, Tourismus und Stadtmarketing vorgestellt. Zunächst nicht als Beschluss-, sondern als Info-Vorlage, denn er sieht, nachdem die Konditionen schwarz auf weiß vorliegen, für die Stadt „ein großes Zuschussgeschäft“. Wie er sagt, habe Luckau mit der Theaterloge ein eigenes Ensemble. „Wenn wir Fremdes einkaufen, müssen wir sehen, ob wir das wollen.“

So sind pro Aufführung für die Neue Bühne feste Garantiegagen und darüber hinaus Gewinnbeteiligungen vorgesehen. Läuft es gut, würde auch die Stadt profitieren, werden aber wenig Karten verkauft, zahlt sie drauf. Zudem wäre die Kommune für die Werbung, Eintrittskarten, Flyer, Plakate zuständig, müsste eine Kilometerpauschale und gegebenenfalls bei größeren Aufführungen Übernachtungskosten für Techniker und Darsteller finanzieren. Laut Thomas Schäfer könnten pro Spielzeit Kosten zwischen 5000 und 7000 Euro zusammenkommen, die in den Haushalt einzuplanen seien. Seine Intuition sei es, stattdessen die Theaterloge zu stärken und sie bekannter zu machen.

Ausschuss-Vorsitzender Lothar Treder-Schmidt teilt die Konkurrenzbefürchtung nicht. Er verweist auf Untersuchungen, wonach dort, „wo es staatliches Theater gibt, auch die Alternativkultur blüht. Wer Freude am Theater hat, bekommt Appetit auf mehr“. Entscheidend sei die Qualität. Wohl aber bewegen ihn die Kosten. Ein hochwertiges Gastspiel der Brandenburger Wander-
oper beispielsweise scheitere daran, dass im Stadtsäckel kein Geld vorhanden sei, obwohl  es um viel kleinere Summen gehe, vergleicht Treder-Schmidt.

Jutta Dzielak ist wichtig, dass der Theaterloge kein Nachteil entsteht. „Zum Ensemble gehören viele Kinder und Jugendliche, die Tolles auf die Beine stellen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt sie. Eine Theaterkooperation sei ein „propperes Angebot für Städte, die keine Theaterloge haben“.

Für Mario Hennig hat die Idee, wieder Theater ins Capitol zu holen, „ein lachendes und ein weinendes Auge“. Viele Luckauer würden sich gern an den Theaterring erinnern, räumt er ein. Doch sieht auch er für die Theaterloge zusätzliche Konkurrenz und sagt außerdem: „Luckau hat schon mehrere Zuschussgeschäfte. Bevor wir neue aufmachen, fehlt mir ein klares Konzept, wohin wir kulturell-touristisch wollen.“

Eine Empfehlung, wie mit dem Vertragsentwurf zu verfahren ist, gibt der Fachausschuss nicht. Er folgt der Meinung von Hans Lamich: „Das ist ein Thema, das in der Stadtverordnetenversammlung noch gründlich weiter beraten werden muss.“