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Debatte
Wie viel Online braucht die Stadt?

Wie wichtig ist die Internetpräsenz von Kommunen? Darüber gehen in den  Verwaltungen der Region die Meinungen auseinander.
Wie wichtig ist die Internetpräsenz von Kommunen? Darüber gehen in den Verwaltungen der Region die Meinungen auseinander. FOTO: Stockwerk-Fotodesign / Stockwerk-Fotodesign - stock.ado
Golßen/Luckau. In Golßen sehen Kritiker Luft nach oben. Luckau und Heideblick nutzen Netz für Bürgernähe. Von Carmen Berg

Die Stadt Golßen will mit ihrer Internetpräsenz vorerst alles beim Alten lassen. Darauf haben sich die Stadtverordneten unlängst verständigt. Sie erteilen damit Bürgern eine Absage, die mehr Transparenz durch Online-Veröffentlichungen von Beschlussvorlagen sowie der Sitzungsprotokolle angeregt hatten.

Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD) verweist auf die Internetseite des Amtes Unterspreewald. „Dort ist zu finden, was veröffentlicht werden muss. Sollte es ab der neuen Wahlperiode auf Amtsebene Änderungen geben, wird sich die Stadt nicht verschließen“, sagt er und zieht den Vergleich zum Amt Dahme, wo sich die Amtsverwaltung um die Netzpräsenz kümmert.

Die Nachbarn in Dahme, Luckau und Heideblick nutzen ein Ratsinformationssystem, in dem Beschlussvorlagen samt ergänzenden Informationen  vorab per Mouseklick eingesehen werden können. Für den Unterspreewald, so auch für die Stadt Golßen,  gibt es ein solches System nicht. Lediglich Tagesordnungen stehen im Netz. „Wie soll sich da der Bürger im Vorfeld über anstehende Entscheidungen informieren?“, bemängelte Einwohnerin Andrea Schulz.

Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) sagt, seine Gemeinde habe das Ratsinformationssystem installiert, um interne Verwaltungsabläufe effektiver zu machen. „Was der Bürger davon sieht, ist ein Nebenprodukt ohne großen Aufwand.“ Darüber hinaus informieren die Fachabteilungen auf der Homepage der Gemeinde quasi in Echtzeit über all das, was die Leute gerade bewegt, von der Baustelle bis zum Stromausfall.  „So kommen wir mit verlässlichen Fakten aus erster Hand dem Buschfunk zuvor“, sagt Frank Deutschmann. Als im Vorjahr im gesamten Ort Beesdau die Straßen saniert wurden, habe ein Bürger die Homepage ständig mit aktuellen Bildern versorgt. Eine ähnliche Kooperation kann sich der Bürgermeister für weitere Ortsteile gut vorstellen.

„Was machbar ist, machen wir“, so seine Devise. Doch er sieht Grenzen. So habe sich seine Gemeinde ebenso wie das Amt Unterspreewald gegen die Veröffentlichung von Sitzungsprokolollen entschieden. Der Grund: Durch Verknappung könnten Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen und Persönlichkeitsrechte verletzt werden.“ Anders sei das bei vollständigen Videoaufzeichnungen. „Aber manch einer würde sich dann nicht mehr trauen, seine Meinung zu sagen, weil er damit auf Jahre im Netz steht“, befürchtet Frank Deutschmann.

  In sozialen Netzwerken ist Heideblick ebenso wie Golßen nicht unterwegs. Hier teilt Frank Deutschmann die Skepsis seines Bürgermeisterkollegen Hartmut Laubisch, der bekennt, kein Freund von facebook und Co. zu sein und mit einer Flut wenig sinnführender Neuigkeiten „bis hin zum Potenzmittel“ argumentiert. „Den facebook-Auftritt  müsste jemand koordinieren. Das wäre ein Aufwand, den wir als kleine Verwaltung nicht stemmen“, so sieht es Frank Deutschmann.

Thomas Schäfer, Luckauer Bürgeramtsleiter und Hauptadministrator im Rathaus, ist hingegen Verfechter einer breiten Netz-Präsenz, die neben einer gut aufgestellten Homepage auch soziale Netzwerke umfasst. Für ihn gehöre in heutiger Zeit eine tag-, mitunter sogar minutenaktuelle Information  zur Bürgernähe, die sich die Verwaltung als Dienstleister auf die Fahnen schreibt. „Dabei wollen wir alle Generationen, auch die jungen Leute, erreichen“, erklärt der Amtsleiter die Luckauer Aktivitäten auf facebook. Außerdem will die Stadt auf diese Weise ihre touristischen Potenziale noch wirksamer vermarkten Deshalb erscheinen die Texte mehrsprachig. Um die englische Übersetzung kümmert sich Thomas Schäfer selbst. Das Konzept geht auf.  „Wir haben Reaktionen aus aller Welt, von Australien bis Polen“, sagt er. Unlängst habe die Stadt mit Unterstützung des Niederlausitz-Museums einem User aus Israel helfen können, der auf der Suche nach Luckauer Vorfahren war. Nur äußerst selten vergreifen sich Posts im Ton. „Die große Mehrheit schreibt sachlich, auch wenn es um Kritik geht“, so seine Erfahrung.

In Golßen sprach sich Enrico Wendt (SPD) in der Online-Debatte dafür aus, die Zurückhaltung zu überdenken. „Wir sollten uns nicht verschließen, sondern etwas entwickeln, das funktioniert“,