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| 18:10 Uhr

Neue Perspektiven
Wie weiter mit der Trauerhalle?

Die Trauerhalle Waltersdorf (Gemeinde Heideblick) soll vorerst nicht abgerissen werden. Die Kosten einer möglichen Sanierung sollen nun konkret erörtert werden.
Die Trauerhalle Waltersdorf (Gemeinde Heideblick) soll vorerst nicht abgerissen werden. Die Kosten einer möglichen Sanierung sollen nun konkret erörtert werden. FOTO: LR / Anja Brautschek
Abriss des Waltersdorfer Gebäudes ist gestoppt. Kirche wird derzeit für Trauerfeiern genutzt. Von Anja Brautschek

Der Putz blättert vom Sockel der Waltersdorfer Trauerhalle. An den Seitenwänden zeichnet sich ein deutlicher Riss ab. Für die Bauordnungsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald war der Zustand des Gebäudes Grund zum Handeln.

Nach einem gemeinsamen Besichtigungstermin mit einem Mitarbeiter der Verwaltung wurde eine Nutzungssperre verhängt. Bis auf Weiteres darf die Trauerhalle nicht mehr genutzt werden. Grund sind laut einem Anschreiben Setzungsrisse sowie die Neigung des Giebels in Richtung Straße. Die Gemeinde vermutet die Ursachen in einem zu schwachen Fundament. Doch wie können Verstorbene dennoch würdevoll in Waltersdorf beerdigt werden? Lösungsmöglichkeiten wurden am Montagabend gemeinsam mit Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann und den Einwohnern diskutiert.

Der geplante Abriss der Trauerhalle wurde vorerst gestoppt. Der Ortsbeirat hat sich in der vergangenen Gemeindevertretung-Sitzung für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Und auch für Beerdigungen ist zunächst eine Lösung gefunden. Bis auf Weiteres finden die Trauerfeiern in der Waltersdorfer Kirche statt. Für viele der anwesenden Waltersdorfer ist dies ein guter Kompromiss. „Die Kirche hat ein niveauvolles Ambiente. Außerdem gibt es dort mehr Platz für Trauergäste“, sagt eine Einwohnerin und findet damit vielfache Zustimmung. Doch viele Waltersdorfer fürchten ein Umschwenken, sie haben Angst, plötzlich ganz ohne Trauerhalle dazustehen. Aus diesem Grund fordern sie eine dauer­hafte Lösung.

„Wir wollen auch künftig gewährleisten, dass die Menschen in würdevoller Art und Weise beerdigt werden können“, sagt Bürgermeister Frank Deutschmann. Er habe mehrfach das Gespräch mit Pfarrer Frank Gehrmann gesucht und auch mit dem Bischof gesprochen. Eine Zusage, die Kirche dauerhaft für Beerdigungen nutzen zu können, gibt es bislang nicht. „Doch ich werde mich weiter bemühen, eine Einigung mit der Kirche zu finden“, verspricht er.

Die Situation ist allerdings vielschichtig. Kirchliche Gebäude sind als Kirchen geweiht. Seit Jahrhunderten werden die Räume zu besonderen christlichen Anlässen und Veranstaltungen genutzt. Weltliche Beerdigungen sieht das Recht laut Pfarrer Frank Gehrmann eigentlich nicht vor. Kirche und Gemeinde haben jedoch eine vorübergehende Einigung gefunden. Gegen eine geringe Nutzungsgebühr können bis Ende 2020 Trauerfeiern in der Kirche stattfinden. „Ich freue mich, wenn eine Lösung für die Trauerhalle gefunden wird“, sagt er.

Auch viele weitere Waltersdorfer betonen: „Wir haben eine schöne Trauerhalle, diese sollten wir auch nutzen.“ So sieht es auch Friedrich-Wilhelm Jännichen. Er hat vor rund 50 Jahren an dem Bau der Trauerhalle mitgewirkt und langjährige Erfahrung im Sanierungsbereich. Nach seiner Ansicht hält sich der Verfall in Grenzen. „Ich habe mir die Trauerhalle noch einmal angeschaut und nachgemessen. Der Giebel zur Straße hat sich nicht bewegt“, erklärt er. Durch fehlende Regenrinnen weiche der Boden auf. Das kann zu Verschiebungen im Erdreich führen. Mit Anker und Versteifungen können die Probleme ohne großen Sanierungsaufwand beseitigt werden, ist er überzeugt. „Mir blutet das Herz, wenn die Trauerhalle abgerissen wird“, sagt er. Aus diesem Grund hat er sich dazu bereit erklärt, gemeinsam mit einem Architekten ein Gutachten samt Kostenschätzung einer möglichen Sanierung zu erstellen. Bis Mitte Januar soll es dem Bürgermeister vorgelegt werden. Nach Prüfung durch einen unabhängigen Bausachverständigen soll dann über das weitere Vorgehen entschieden werden. Denn der finanzielle Aufwand für Neubau oder Sanierung ist nicht unerheblich für die Gemeinde, die Mittel sind begrenzt.

Wenn alle Informationen eingeholt sind, wird es zur weiteren Perspektive der Trauerhalle eine erneute Einwohnerversammlung geben, verspricht Ortsvorsteher Detlef Reinicke.