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| 14:15 Uhr

Podiumsdiskussion als Plattform
Wie Politiker um Bauern buhlen

 Teilnehmer des  Verbandstags des Bauernverbandes Südbrandenburg hörten in Luckau viele Themen aus dem aktuellen Wahlkampf.
Teilnehmer des  Verbandstags des Bauernverbandes Südbrandenburg hörten in Luckau viele Themen aus dem aktuellen Wahlkampf. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Bei der Tagung des Bauenverbandes werben Abgeordnete für ihre Programme. Von Andreas Staindl

  Eine Podiumsdiskussion kann durchaus bereichernd sein. Wenn sie aber vor Wahlen stattfindet und mit Vertretern von Parteien besetzt ist, ist Vorsicht geboten. Die Teilnehmer des Verbandstags des Bauernverbands Südbrandenburg kürzlich in Luckau werden sehr gut zugehört haben, was ihnen die Podiumsteilnehmer zu sagen hatten. Mitglieder des Agrarausschusses des Brandenburger Landtags waren ebenso vertreten wie  Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD), der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff , und der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken. Der Ausschussvorsitzende Sven Schröder von der AfD war allerdings nicht eingeladen.

Dafür nutzten andere Landtagsabgeordnete die Möglichkeit, für sich und ihre Partei zu werben. Anke Schwarzenberg (Die Linke) stärkte den Bauern den Rücken: „Wir sind dagegen, Lebensmittel zu verschleudern. Sie dürfen nicht unter Wert verkauft werden. Die Erzeuger müssen auch von ihrer Arbeit leben können.“ Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg, hatte während seines Vorstandsberichts zuvor deutlich gemacht: „Nahrungsmittel müssen weg vom Billigdruck.“ Ihm zufolge wissen viele Menschen „zu wenig über die heutige Landwirtschaft und können deshalb nur unzureichend nachvollziehen, welche ökonomischen Auswirkungen mehr Tier- und Umweltschutz auf die Produktion haben“.

Benjamin Raschke (Bündnis 90/Grüne) will „mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen. Wir haben schließlich viele Aufgaben wie Klimaschutz, Umweltschutz und vieles mehr zu lösen. So wie jetzt können wir nicht weiterwirtschaften.“ Er verwies etwa darauf, dass in zahlreichen Proben der Unkrautvernichter Glyphosat im Grund- und im Oberflächenwasser in Brandenburg nachgewiesen wurde: „Wir brauchen ein Pestizid-Ausstiegsprogramm.“

Die Große Koalition in Berlin will mit einer Ackerbaustrategie reagieren. Das Gezerre um Glyphosat & Co. zeigt Thomas Goebel zufolge, wie dringend eine solche Strategie gebraucht wird: „Aber bitte mit Augenmaß und klaren Zielen.“

Diskutiert wurde auch über die Dürrehilfe des Landes. Benjamin Raschke hat eine klare Position: „Es ist nicht zu vermitteln, dass wir dauerhaft Geld wegen des Klimawandels ausgeben.“ Für Jörg Vogelsänger dagegen ist „Dürrehilfe Solidarität der öffentlichen Hand“. Wie Thomas Goebel sagt, hat die Dürre und Hitze im vergangenen Jahr „zu erheblichen Ertragseinbußen“ der Bauern geführt.

Landwirte müssen sich aber auch mit Investoren auseinandersetzen, die es auf maximalen Profit abgesehen haben. „Eine vernünftige Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft wäre das schärfste Schwert gegen Heuschrecken“, sagt Andreas Gliese (CDU). Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall. „Jeder zehnte Schweinemäster in Deutschland überlegt, die Brocken hinzuschmeißen“, sagt Bernhard Krüsken und nennt die Gründe: „Zu viel Bürokratie und Regulierung.“

Henrik Wendorff schlägt in die gleiche Kerbe: „Wer nach Regionalität ruft, muss regionale Produktion auch zulassen.“ Die Bauern müssten in die Lage versetzt werden, auch produzieren zu dürfen und zu können. „Forderungen etwa nach Fleisch von Tieren, die am besten vorher aber nicht geschlachtet werden, sind nicht hilfreich.“ Jörg Vogelsänger hat nichts gegen mehr Tierhaltung in Brandenburg: „Wenn es sich rechnerisch darstellen lässt, dann gerne.“

Thematisiert wurde zudem der Wolf. Anke Schwarzenberg sieht „keinen Nutzen“, ihn in das Jagdgesetz aufzunehmen. Für Jörg Vogelsänger macht das ohnehin keinen Sinn, „weil der Schutzstatus von Wölfen viel zu hoch ist. Das, was rechtlich möglich ist, schöpfen wir in Brandenburg schon aus.“ Benjamin Raschke würde einen Wolf dann abschießen, wenn er „zweimal über den Zaun gehüpft ist. Das ist dann nämlich ein Problemwolf.“

Thomas Goebel fordert „langfristige Leitplanken der Politik, die nicht an Legislaturperioden und bestimmte Parteien geknüpft sind. Zu süß ist die Verlockung, auf Basis populistischer Forderungen und auf dem Rücken der Bauern kurzfristige Wahl­erfolge einzufahren.“

 Teilnehmer des  Verbandstags des Bauernverbandes Südbrandenburg hörten in Luckau viele Themen aus dem aktuellen Wahlkampf.
Teilnehmer des  Verbandstags des Bauernverbandes Südbrandenburg hörten in Luckau viele Themen aus dem aktuellen Wahlkampf. FOTO: Andreas Staindl