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Wie Getreidekaffee gemahlen wird

Wie Gerstenkörner auf dem Herd geröstet werden und daraus Mehl für einen Gerstenkaffee gemahlen wird, das demonstrierten Phillip Vanselow, Philip Petschick und Emma Walter (v.l.) auf dem Museumshof in Uckro. Die Besucher durften selbst Gerstenkörner mahlen.
Wie Gerstenkörner auf dem Herd geröstet werden und daraus Mehl für einen Gerstenkaffee gemahlen wird, das demonstrierten Phillip Vanselow, Philip Petschick und Emma Walter (v.l.) auf dem Museumshof in Uckro. Die Besucher durften selbst Gerstenkörner mahlen. FOTO: Keilbach/bkh1
Uckro. Einen Ausflug in das dörfliche Leben vor mehr als hundert Jahren konnten die Besucher des Land- und Erlebnismuseums in Uckro unternehmen. Spannender Höhepunkt war die 13. Museumsmeisterschaft im Eierwalen. Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

Eine Menschentraube hat sich am Ostersonntag am Nachmittag um die Walei auf der Wiese vor dem Museum gebildet. Eltern und Großeltern verfolgen gespannt, wie Oskar, Marlitt, Emil, Emma, Lena und die anderen Kinder ihre drei farbigen Eier im ersten Durchgang hinabrollen lassen. Kommt das Ei unten ohne einen hörbaren Knacks an, kommentieren die Umstehenden das einstimmig mit "Ah!" Stößt das Ei an ein anderes, ist aus vielen Mündern ein etwas enttäuscht klingendes "Oh!" zu hören. Denn nur wer am Ende noch ein Ei ohne Knacks in der Schale besitzt, gewinnt die Meisterschaft.

Das hat Helmut Pundrich, Veranstalter des unterhaltsamen Spektakels, allen zuvor erklärt. Jedes Ei prüft er auf seine Unversehrtheit, bevor er es dem jeweiligen Kind zurückgibt. Ein weiterer Durchgang folgt und wieder scheiden die angeknacksten Eier aus. Dann erhöht Helmut Pundrich schrittweise den Schwierigkeitsgrad auf der Walei. Er legt einen Stein in die Mitte, dann zwei und schließlich drei. Am Ende haben zwei Eier von Emma Walter unbeschadet alle Durchgänge überstanden. Sie gewinnt den Pokal der Museumsmeisterschaft. Die Achtjährige jubelt. Denn sie konnte ihren Erfolg aus dem vergangenen Jahr wiederholen.

"Sie war schon vorher ganz gespannt darauf, wollte unbedingt wieder waleien", erzählt ihr Vater Martin. Jedes Jahr komme die Familie aus Radebeul zum Osterfest nach Uckro. "Früher hat mein Opa hier gewohnt und so treffen wir auch die Verwandtschaft", nennt Martin Walter einen Grund dafür. "Andererseits ist das Erleben hier auch der richtige Rahmen für so einen Feiertag", ergänzt er. Besonders interessant sei für ihn diesmal die historische Ausstellung von Wehles Laden. "Dort habe ich in einer Zeitung aus dem Jahr 1965 gelesen, dass die Amerikaner erstmals in den Weltraum ausgestiegen sind", erzählt Martin Walter.

Peggy Lieske sitzt mit ihrer Tochter Christin am Tisch neben dem alten Kochherd, der auf dem Hof im Freien steht. Dort rösten Philipp Vanselow, Philip Petschick und Emma Walter abwechselnd Gerstenkörner, bis diese eine schöne Farbe haben. Anschließend dürfen auch die Gäste daraus ihr Mehl als Grundlage für den Gerstenkaffee mahlen. "So lernt man die Arbeit schätzen, die die Großeltern früher auf dem Bauernhof geleistet haben", teilt Christin Lieske ihre Erfahrung mit. Im vergangenen Jahr seien sie erstmals zu Ostern im Uckroer Museum gewesen. "Es ist mal etwas anderes als auf den meisten Ostermärkten. Vieles für einen Bauernhof Typisches ist zu sehen und man kann auch manches selbst machen", ergänzt ihre Mutter Peggy.

Die erlebnisreiche Gestaltung gefällt auch Brigitte Kirschner. Sie schüttelt einen kleinen Behälter mit Sahne. "Schüttelbutter soll das werden", sagt die Dahmenserin. Es sei erstaunlich, was sich die Initiatoren des Vereins immer wieder einfallen lassen. "Auch die Dekoration zum Osterfest ist wunderschön, da steckt viel Arbeit drin", ergänzt sie anerkennend. Birgit Hertel ist erstmals mit nach Uckro gekommen. "Ich fand das Altenteil mit seiner originalen Einrichtung sehr interessant und die Sammlung der alten Dinge, die es früher in einem Haushalt gab", fügt die Damenserin an.

Besonders viele Blicke zieht Uhu Bea mit seinen großen, bernsteinfarbenen Augen auf sich. Er darf auch gestreichelt werden. "Für die Kinder ist es wichtig, dass sie auch mal eine Eule von Nahem betrachten und sie anfassen können. Diese direkte Begegnung bleibt ihnen im Gedächtnis", erläutert Falkner Ronny Naumann aus Luckau, warum er seinen Uhu gezielt dafür ausgebildet hat. Und wer nach den vielen Erlebnissen auf dem historischen Bauernhof hungrig geworden ist, kann sich draußen mit frischgebackenen Hefeplinsen stärken oder den Nachmittag im gemütlichen Museumscafé bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen.

Zum Thema:
Das Land- und Erlebnismuseum in Uckro befindet sich auf einem ehemaligen Bauernhof, dessen erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1765 stammt. Er gehörte den Vorfahren von Helmut Pundrich. Gemeinsam mit Ehefrau Burglind und den Mitgliedern des 2002 gegründeten Museumsvereins wurde es aufgebaut und erweitert. Jährlich gestaltet der Verein zum Osterfest und in der Vorweihnachtszeit erlebnisreiche Veranstaltungen. bkh1