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Wichtig sind ihm die Menschen

Martin Meyer sagt von seiner neuen Wirkungsstätte: "Die Nikolaikirche ist ein Schmuckstück."
Martin Meyer sagt von seiner neuen Wirkungsstätte: "Die Nikolaikirche ist ein Schmuckstück." FOTO: be
Luckau. Pfarrer Martin Meyer beginnt am heutigen Freitag seinen Dienst in der Kirchengemeinde von St. Nikolai. Carmen Berg

Ein knappes Dreivierteljahr war die Stelle vakant. Martin Meyers erster Eindruck von Luckau: "Es ist eine liebevolle Gemeinde." Die Ankunft des 39-Jährigen dieser Tage verlief turbulent. Weil das Umzugsunternehmen die Möbel nicht rechtzeitig heranbekam, verbrachten der Seelsorger und seine Frau Henriette mit den Kindern Kinder Emil (6), Clara (4) und Moritz (1) die erste Macht im Wohnmobil im Pfarrgarten. "Menschen aus der Gemeinde kamen mit einem Picknickkorb vorbei, boten uns Obdach bei sich zu Hause an und brachten uns am nächsten Tag mitten im Umzugsstress einen Apfelauflauf. Das war toll und hat uns berührt", erzählt Martin Meyer.

Pfarrer sein, das bedeute für ihn die Nähe zu den Menschen, sagt er. Aufgewachsen in einer christlichen Familie in einem Dorf bei Dresden, kam er über die kirchliche Jugendarbeit zum Theologiestudium. Ob in der Heimatgemeinde oder später während seines Vikariats in einer Stadtgemeinde in Berlin "hatte ich in den Pfarrern echte Vorbilder, die sich um die Menschen gekümmert haben", blickt er zurück.

Nach dem Vikariat werden junge Theologen in der Regel zunächst für knapp drei Jahre in eine Pfarrstelle entsendet. Martin Meyer bewarb sich erfolgreich um eine Stelle in der deutschen Gemeinde von Brasov (Kronstadt) im rumänischen Siebenbürgen. An der deutschen Schule dort unterrichtete er Religion, an den Nachmittagen kümmerte er sich um die Kinder- und Jugendarbeit. "Jede Woche kamen 200 deutsche und rumänische Kinder zusammen", sagt er. Neu für ihn sei die enge Verflechtung der kirchlichen Arbeit mit allen anderen Lebensbereichen gewesen. So habe er erstmals eine Andacht bei einem Handarbeitsbasar gehalten, schmunzelt er. Auch habe er sich als junger Mann erst daran gewöhnen müssen, als "Vater Meyer" angesprochen zu werden. "In Brasov lebt noch das traditionelle Pfarrerbild. Aber gerade die jüngeren Leute haben dann schnell akzeptiert, dass ich mit ihnen gemeinsam Gemeindearbeit machen möchte", sagt Martin Meyer. Nach der Entsendungszeit kehrte die Familie wieder nach Deutschland zurück, doch viele Freundschaften bleiben.

Ein neues Modell, die Gesamtgemeinde, wurde in der Ostprignitz praktiziert, wo der Pfarrer seine nächste Wirkungsstätte fand. Weil die Gemeinden schrumpfen, wurden 19 Dörfer zum Groß-Sprengel mit einem gemeinsamen Haushalt und Gemeinde-Kirchenrat zusammengelegt. Drei Pfarrer teilten sich die Betreuung nach dem Rotationsprinzip. "Menschlich ist das schwierig, man kann keine Bindungen aufbauen. Seelsorge aber hat viel mit Vertrauen zu tun", begründet er, warum die Familie sich erneut zum Umziehen entschied.

Bevor er sich um die vakante Luckauer Stelle bewarb, hatte er auf einer Fahrt nach Dresden in der Stadt einen Zwischenstopp gemacht. Obwohl es ein kalter, verregneter Tag gewesen sei, gefiel ihm, was er sah. "Alles macht einen gepflegten Eindruck. Man merkt, dass Luckau eine funktionierende Stadtgemeinschaft ist", sagt Martin Meyer. Die Nikolaikirche sei ein Schmuckstück, und es sei eine große Aufgabe, sie zu erhalten.

Seine ersten Tage im Amt wird er nutzen, um seine Gemeinde und den Kirchenkreis näher kennen zu lernen. Zudem stehen an diesem Wochenende noch die Einschulung des ältesten Sohnes und die Verabschiedung in der Ostprignitz an. Erster großer Höhepunkt wird dann der Reformationstag mit der Rückkehr der restaurierten Pastorenbilder in die Nikolaikirche sein. "Ich finde es schön, dass sich in Luckau Kirche, Stadt und Bürger gemeinsam für das Erbe verantwortlich fühlen", sagt er. Diese gute Partnerschaft wolle er weiter pflegen. Wenngleich mit Volker und Kerstin Strauch sowie dem Golßener Pfarrer Martin Nikolitsch drei Hauptakteure ausgeschieden sind, wird es zudem am Reformationstag auch wieder ein Lutherspiel geben. Er freue sich sehr darauf, denn er habe in der Vergangenheit selbst Theaterstücke mit vielen Mitwirkenden inszeniert, sagt Martin Meyer. Sehr gespannt sei der auch auf die Christmette, ein besonderes Ereignis in Luckau, das nach mittelalterlichem Ritus am Morgen des ersten Weihnachtstages in der Nikolaikirche begangen wird.