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| 02:47 Uhr

Wetterfrosch für Golßen gesucht

Die täglichen Messdaten von Monique Strauch gehen ein in die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes.
Die täglichen Messdaten von Monique Strauch gehen ein in die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes. FOTO: be
Golßen/Gießmannsdorf. Schirm oder Sonnenbrille? Früher aufstehen zum Schnee schieben? Die Blumenkübel vor Sturm und Hagel retten? Für verlässliche Analysen und Prognosen stützt sich der Deutsche Wetterdienst auf ein Netz von ehrenamtlichen Helfern, die in den Regionen Wetterstationen betreuen und Messungen vornehmen. Für Golßen wird jetzt ein neuer Niederschlags-Beobachter gesucht. Carmen Berg

Die Vorgängerin, die die Messreihe über viele Jahre betreut hat, gibt die Aufgabe aus Altersgründen ab, so Steffi Lange vom Deutschen Wetterdienst.

"Das ist eine spannende Aufgabe", ermuntert Monique Strauch, sich um das Ehrenamt zu bewerben. Die junge Frau betreut die zweite Beobachtungs-Stelle in hiesiger Region in Gießmannsdorf und sprang vor etwa drei Jahren ebenfalls für eine ältere Nachbarin ein, die aufhören wollte. "Nach einem schweren Unfall bin ich zu Hause, habe die nötige Zeit", sagt Monique Strauch. Immer morgens um 6.50 Uhr, im Sommer um 7.50 Uhr, geht sie hinaus in den Garten, wo der Niederschlagsmesser aufgebaut ist. Im Winter mit der Taschenlampe, daran sei sie inzwischen gewöhnt. Genau wie an das frühe Aufstehen an Sonn- und Feiertagen. Zum Glück sei da als quirliger "Wecker" Hund Maiki, der um diese Zeit vor die Tür müsse, schmunzelt sie.

In der der Station sammelt sich der Niederschlag der letzten 24 Stunden. In den Behälter ist eine Kanne eingelassen, die Monique Strauch in einen Messbecher entleert. Bei Starkregen laufe der gesamte Behälter voll, dann müsse der Messvorgang mehrmals ausführt werden, erzählt sie. Auch Niederschlagsmengen nach Schneefall werden von der "Wetterfröschin" registriert. Dafür nimmt sie den Behälter zum Auftauen mit ins Haus. Meist reicht die Fußbodenheizung. "Aber, wenn der Schnee vereist ist wie in diesem Winter, greife ich auch mal zum Föhn, damit es schneller geht", verrät sie einen Trick. Im Garten liegt zudem eine kleine Platte, auf der Monique Strauch mit einem Stab die Schneehöhe registriert. "Die Matte muss täglich geleert werden, denn kein Altschnee darf unter dem neuen liegen und das Ergebnis verfälschen", erklärt sie. Hat sie die Messergebnisse beisammen, werden sie übers Internet an den Deutschen Wetterdienst übermittelt. "Jeder kann das lernen, man muss dafür kein Computergenie sein", so Monique Strauch. Neue Wetterbeobachter werden von den Experten gut verständlich eingewiesen, sagt sie.

Dass sie selbst anders auf das Wetter schaut, seit sie ihr Ehrenamt ausführt, kann sie nicht sagen. "Festgestellt habe ich aber, dass die gefühlte Niederschlagsmenge von der tatsächlichen mitunter überraschend abweicht", erzählt sie. Wo sie an regnerischen Tagen einen vollen Messbecher erwartet habe, waren nur wenige Liter darin. Nur drei bis vier Mal sei bisher die Station randvoll gewesen. "Wir sind eine eher trockene Gegend", sagt sie. Doch auch bei Sonne ruft die Pflicht. "Der Deutsche Wetterdienst wartet auch dann auf meine Tagesmeldung", so Monique Strauch.

Zum Thema:
Interessenten sollten über ein geeignetes Grundstück verfügen. Für eine ungehinderte Beobachtung sollten Hindernisse wie Gebäude oder Bäume doppelt so weit vom Messplatz entfernt sein wie sie hoch sind. Die Daten müssen täglich über eine spezielle Internetseite an den Wetterdienst gemeldet werden, im Urlaub durch einen Vertreter. Die jährliche Aufwandsentschädigung beträgt 635 Euro. Interessierte wenden sich an den Deutschen Wetterdienst,Regionale Messnetzgruppein 14405 Potsdam,Postfach 600552,Telefon 069 8062-5057,Mail: steffi.lange@dwd.de