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Kirchen
Wenn in den Dörfern der Region die Kanzel leer bleibt

Die Luckauer Kirchengemeinde hatte Glück. Sie hat mit Pfarrer Martin Meyer einen Nachfolger für Kerstin Strauch gefunden.
Die Luckauer Kirchengemeinde hatte Glück. Sie hat mit Pfarrer Martin Meyer einen Nachfolger für Kerstin Strauch gefunden. FOTO: Foto Zahn
Luckau/Lübben. Regelmäßige Gottesdienste gibt es in den Dorfkirchen zwischen Straupitz, Niewitz und Walddrehna schon länger nicht mehr. Gerade auf dem Land fällt es schwer, Pastoren zu finden. Von Daniel Friedrich

Einen Überblick über die offenen Pfarrstellen in der Region hat Superintendent Thomas Köhler: Fünf vakante, also unbesetzte, Stellen gäbe es derzeit im gesamten evangelischen Kirchenkreis Niederlausitz. Neben Sonnewalde und Finsterwalde-Süd zählen auch Lübben, Golßen und Görlsdorf dazu. „Da ist zurzeit viel Bewegung drin. Während für eine Position ein neuer Pfarrer gewonnen werden kann, wird eine andere plötzlich wieder frei“, sagt Köhler. Gehen Pfarrer, wie jüngst Martin Nikolitsch in Golßen, in den Ruhestand, kann die Stelle rechtzeitig ausgeschrieben werden. Unvorhersehbare Ereignisse, wie der plötzliche Tod von Lübbens Pfarrer Olaf Beier Mitte August, stellen die Gemeinde allerdings vor besondere Herausforderungen. „In der Paul-Gerhardt-Gemeinde Lübben ist nun Dörte Wernick vertretungsweise zuständig. Dort gibt es jeden Sonntag einen Gottesdienst“, berichtet der Superintendent. Auch Hochzeiten und Beerdigungen seien abgesichert. „Aber erst im Sommer, wenn das Pfarrhaus saniert ist, wird die offene Pfarrstelle neu ausgeschrieben“, kündigt Thomas Köhler an.

Jeden Sonntag ein Gottesdienst? Davon kann Carola Graßmann nur träumen. Sie ist die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates von Görlsdorf bei Luckau, Katechetin und Chorleiterin – kurzum: Sie weiß, wo es in ihrer Gemeinde klemmt. „Seit im Januar dieses Jahres das Pfarrehepaar Strauch weggezogen ist, sieht es auf unserem Gottesdienstplan mau aus“, sagt sie. Früher sei Volker Strauch allein für den Pfarrsprengel Görlsdorf zuständig gewesen. Nun habe Pfarrer Frank Gehrmann aus Langengrassau die Vakanzvertretung übernommen. Die Folge: „Er muss jetzt 22 Kirchen betreuen. Das ist utopisch.“

Lektoren würden Notvertretungen übernehmen, die Frauenkreise leite eine Katechetin aus Lübben und die Taize-Andachten lägen nun in ihren Händen, berichtet Carola Graßmann. Von der Verwaltungsarbeit, die ein Pfarrer normalerweise machen müsste, ganz zu schweigen. „Es ist eine logistische Leistung, dass es mit Frank Gehrmann so gut funktioniert, wie es momentan läuft“, schätzt Carola Graßmann ein.

Thomas Köhler bestätigt, dass die Pfarrstelle in Görlsdorf deutschlandweit ausgeschrieben ist. Bisher habe sich noch kein geeigneter Kandidat gefunden, aber: „Wir haben die gute Aussicht, dass in nächster Zeit junge Pfarrer in unseren Kirchenkreis entsendet werden. Das heißt, sie treten ihre erste eigene Pfarrstelle an, nachdem sie ihr Studium und Vikariat beendet haben.“ Mindestens zwei Jahre dauere so ein Entsendungsdienst, wie ihn momentan beispielsweise Pfarrerin Alina Erdem in Krausnick und Umgebung absolviert. Danach müssten sich die Jungpfarrer auf eine freie Stelle bewerben – oder könnten eben dort bleiben, wo sie sind, so Köhler.

Ob junge Menschen als Pfarrer auf dem Land Wurzeln schlagen, hängt auch von der Situation vor Ort ab. Zum Pfarrbereich von Alina Erdem zählen neun Kirchen und noch mehr Dörfer. Seitdem Martin Nikolitsch im Ruhestand ist, ist sie zusätzlich auch für die Golßener Region zuständig – ein Gebiet von nahezu unüberschaubarer Größe.

Zurück nach Görlsdorf: Sie würde gerne mal zu den Theologiestudenten fahren und ihnen sagen, wie schön es hier sei, wo alles familiär zugehe und der Seelsorger noch Seelsorger sein könne, sagt Carola Graßmann. „Hier hat man den Spielplatz und einen weiten Garten vor der Tür. Dazu gibt’s ein großes Pfarrhaus, gute Schulen, Kitas, schöne Kirchen. Und die Gemeinde würde ihren neuen Pfarrer auf Händen tragen“, wirbt sie.