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| 16:08 Uhr

Luckau
Wenn der Doktor über den Bildschirm kommt

Horst Brodatzki will die Digitalisierung bei der reiferen Generation noch stärker zum Thema machen.
Horst Brodatzki will die Digitalisierung bei der reiferen Generation noch stärker zum Thema machen. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Projekt mit der BTU Cottbus-Senftenberg weckt bei Luckauer Senioren Neugier aufs Digitale. Von Carmen Berg

Ein Projekt mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg hat bei Luckauer Senioren Neugier aufs Digitale geweckt. So das Fazit von Horst Brodatzki, Vorsitzender des Seniorenbeirates, nach zwei Gruppendiskussionen von Wissenschaftlern des Instituts für Gesundheit der BTU am Mittwoch mit Männern und Frauen im reiferen Alter aus der Gartenstadt. Dabei wollten die Macher des Projektes anhand praktischer Beispiele von den Teilnehmern wissen, wo sie sich im Gesundheitswesen digitale Lösungen vorstellen können und nutzen würden. Also in einem Bereich, der die reiferen Jahrgänge besonders betrifft.

Ziel sei es, Meinungen älterer Menschen zu sammeln und für Entscheidungen zur Neu- und Weiterentwicklung digitaler Lösungen in Gesundheit und Pflege bereit zu stellen, so Mirko Paul, akademischer Mitarbeiter im Institut für Gesundheit.

„Die Atmosphäre war gut, wir haben offen angesprochen, was auf den Nägeln brennt“, so Horst Brodatzki. „Wo die Wege zum Arzt weiter werden und es auf dem Land immer weniger Mediziner gibt, kommt man an modernen Technologien nicht vorbei“, darin habe Einigkeit bestanden, sagt der Chef des Seniorenbeirates. Wenn das jüngste Blutbild oder EKG auf der Gesundheitskarte gespeichert würden, könnten Doppeluntersuchungen in kurzen Abständen verhindert werden, nennt er ein Beispiel. Bei leichten Krankheitssymptomen hielten Teilnehmer es auch für denkbar, den Doktor per Skype zu konsultieren, nicht aber bei schwerwiegenderen Belangen. Tablet und Co. könnten das vertrauensvolle Gespräch mit dem Arzt nicht ersetzen, so der Tenor.

Der Datenschutz sei in der Diskussion ebenso Thema gewesen wie die Sorge, zum Einstieg in die Digitalisierung gezwungen zu sein. So befürchteten Teilnehmer, vom gesellschaftlichen Leben abgehängt zu werden, wenn sie Computer und Smartphone nicht beherrschen. „Im Hinterkopf haben viele dabei die Erfahrungen mit Banken, wo fast alles nur noch online oder über Automaten läuft, was vormals am Schalter möglich war“, sagt Horst Brodatzki.

Der Luckauer Seniorenbeirat sieht das BTU-Projekt als Grundlage, am Thema Digitalität im reiferen Alter dranzubleiben, kündigt er an. Angeregt worden sei eine Veranstaltung mit der BTU zur Auswertung der Diskussionsrunden. Dazu sollen dem Vorschlag des Beirates zufolge neben interessierten Senioren auch Ärzte sowie Vertreter von Wohlfahrtsverbänden und privaten Anbietern eingeladen werden, die in der Pflege aktiv sind. Gesucht werde außerdem noch nach Möglichkeiten, wie es gelingen kann, Senioren den Umgang mit Tablet und Co. so beizubringen, dass sie sich nicht überfordert fühlen, sondern Lust bekommen, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, sagt Horst Brodatzki. Er selbst hat ein Smartphone und auch schon öfter geskypt. „Es ist schon sagenhaft, was heutzutage so alles geht“, sagt er.