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In Luckau
Wenn das Leben in Gefahr ist

Chefarzt Jens Graßmel im Schockraum. Hier ist alles vorbereitet, wenn der Schwerverletzte eintrifft.
Chefarzt Jens Graßmel im Schockraum. Hier ist alles vorbereitet, wenn der Schwerverletzte eintrifft. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Traumazentrum des Luckauer Krankenhauses versorgt Schwerverletzte nach Unfällen.

Ein Auto kracht frontal gegen einen Baum. Ein Arbeiter stürzt vom Baugerüst. Situationen, in denen das Leben am seidenen Faden hängt, wünscht sich niemand. Doch kommt es zu schweren Unfällen, sorgt ein Netzwerk von Traumazentren in Südbrandenburg dafür, dass Betroffene bis in den ländlichen Raum hinein die bestmögliche Versorgung nach standardisierten Qualitätsmaßstäben erhalten. In diesem Verbund unter Cottbuser Federführung als überregionales Zentrum hat das Evangelische Krankenhaus Luckau seinen festen Platz. Unlängst hat das Haus seine Zertifizierung als lokales Traumazentrum erfolgreich verteidigt. „Das macht uns schon stolz“, sagt der Leiter des Zentrums, Dipl.-Med. Jens Graßmel, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Unfallchirurgie.

Die Anforderungen für die Zertifizierung sind hoch und gerade für kleinere Häuser eine harte Nuss. Ein entsprechender Standard an Medizintechnik muss dabei ebenso nachgewiesen wie die Einhaltung der Datenerfassung und der Behandlungsalgorhythmen sowie das spezialisierte Fachpersonal. „Es gelten klare Leitlinien, beginnend am Unfallort“, sagt der Chefarzt.

Wird der Notarzt zu einem Schwerverletzten gerufen, meldet er noch am Unfallort den Pateinten im Krankenhaus an. „Dann muss alles sehr schnell gehen“, so Jens Graßmel. Das Schockraum-Team wird benachrichtigt, wozu ein Facharzt für Unfallchirurgie als leitender Behandler, ein weiterer Chirurg sowie ein Facharzt für Anästhesie gehören. Gleichzeitig werden die Diagnostik und das Labor informiert. Trifft der Krankentransport ein, ist der Computertomograf angefahren, der Ultraschall ist vorbereitet, das Team steht bereit.

Die Versorgung von Schwerstverletzten muss rund um die Uhr gewährleistet sein. Dafür seien drei Unfallchirurgen nötig, einer habe zunächst gefehlt, spricht der Chefarzt eine Hürde an, die gemeistert wurde. Oberarzt Dr. Marcel Badack konnte für Luckau gewonnen werden, ein erfahrener Unfallchirurg, der im Spreewald zu Hause ist.

Zwischen 20 und 25 Traumapatienten werden pro Jahr in Luckau erfasst. Etwa jeder fünfte wird laut Vorgaben sofort an ein übergeordnetes Zentrum weitergeleitet, so bei Verletzungen innerer Brustkorborgane oder Verletzungen der Wirbelsäule, erklärt der Chefarzt.

Die Rezertifizierung sei Motivation, aber kein Ruhekissen, unterstreicht er. Regelmäßige Weiterbildungen und Qualifizierungen stehen an. Gerade seien zwei neue Ärzte für den Lebensrettungskurs angemeldet, einen Traumakurs nach europäischem Standard. Ebenso gehören zwei Mal im Jahr Schockraum-Trainings im eigenen Haus sowie thematische Schulungen innerhalb des Traumanetzwerkes dazu. Nach dem Anschlag im vergangenen Dezember am Berliner Breitscheid-Platz waren 2017 Anforderungen nach Terroranschlägen das zentrale Thema. Luckau müsse sich auf so etwas vorbereiten. „Kommt es in Cottbus oder in Randberlin zu Massenunfälen, wird unsere Hilfe gebraucht“, erklärt Jens Graßmel. Nach dem Unglück mit einem polnischen Reisebus auf der A 13 waren auch im Evangelischen Krankenhaus Opfer behandelt worden.

Das Team freue sich mit, wenn es für einen Patienten, der dem Tode nahe war, wieder aufwärts geht. „Manchen kennen wir persönlich und auch die Familien. Das ist das Schöne am Arztsein auf dem Land. Man hat den engen Draht, bekommt viel zurück“, sagt Jens Graßmel.