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| 02:41 Uhr

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Die Notfallseelsorger von Teltow-Fläming sind an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit. Weitere engagierte Mitstreiter sind willkommen.
Die Notfallseelsorger von Teltow-Fläming sind an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit. Weitere engagierte Mitstreiter sind willkommen. FOTO: privat
Dahme/Luckenwalde. Ein Unfall reißt den Partner, das Kind mitten aus dem Leben. In dramatischen Situationen, bei denen für Menschen die Welt aus den Fugen gerät, stehen ihnen Notfallseelsorger zur Seite. Dahmes Pfarrer Carsten Rostalsky leitet das Team der Ehrenamtlichen in Teltow-Fläming, in dem weitere Mitstreiter willkommen sind. Carmen Berg

Die Notfallseelsorge ist dem Katastrophenschutz des Landkreises angegliedert. Die Freiwilligen, aktuell elf in Teltow-Fläming, werden über die Rettungsleitstelle alarmiert, wenn in Not- und Krisensituationen qualifizierte seelsorgerische Betreuung gebraucht wird. Mehr als 60 Mal sei das im Jahr 2016 der Fall gewesen, sagt Teamleiter Carsten Rostalsky.

Der jüngste Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin hat einmal mehr ins Blickfeld gerückt, wie von einem Moment zum nächsten für betroffene Menschen nichts mehr ist, wie es war. Laut Carsten Rostalsky leisteten am Breitscheid-Platz mehr als 20 Einsatzkräfte, fast ausschließlich aus Berlin, von 21 Uhr bis fünf Uhr morgens etwa 50 Verletzten und Angehörigen Beistand. "Auch wir waren in Bereitschaft, wurden jedoch nicht alarmiert", so Dahmes Pfarrer. Großeinsätze mit vielen Toten und Verletzten habe sein Team bislang nur in Übungen bewältigen müssen, so vor einigen Monaten am neuen Großflughafen.

Die Anlässe, bei denen die Notfallseelsorger gerufen werden, können unterschiedlich sein, erklärt er. Muss die Polizei Todesnachrichten überbringen, kümmern sie sich in den ersten Stunden um Hinterbliebene, die sonst niemanden haben. Sie stehen auch Opfern von Gewalt zur Seite, sind für verzweifelte Angehörige da, wenn der Notarzt eine Reanimation abbrechen muss. Genau so stehen sie Feuerwehrleuten oder Polizisten zur Seite, wenn Schwerverletzte oder tödlich Verunglückte womöglich die eigenen Kameraden sind.

Die Notfallseelsorge und Krisenintervention gibt es in Teltow-Fläming seit 15 Jahren. Carsten Rostalsky hatte sich schon in seiner früheren Kirchengemeinde dafür engagiert und bot seine Hilfe an, als er 2008 in den Landkreis umzog und Pfarrer in Dahme wurde. "Ich wurde mit offenen Armen empfangen", erinnert er sich.

Bereit an 365 Tagen

In der Einheit gibt es an 365 Tagen im Jahr einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, jeweils von 18 Uhr bis 18 Uhr. Eine Herausforderung für das kleine Team von elf Mitstreitern in einem Gebiet, das von Dahme im Süden bis Mahlow am Berliner Stadtrand reicht. Wo das möglich sei, würden deshalb auch Helfer, die gerade keine Bereitschaft haben, bei Notfällen in ihrer Nähe eingesetzt, sagt Carsten Rostalsky.

Selbst nach jahrelanger Erfahrung gebe es Situationen, die besonders an die Nieren gehen. "Vor allem, wenn Kinder oder Jugendliche ums Leben gekommen sind", so Dahmes Pfarrer. Psychische Stabilität, Verlässlichkeit, Teamfähigkeit und Abgrenzungsvermögen seien Voraussetzungen, um den schwierigen Freiwilligendienst zu bewältigen, erklärt er. Zudem dürfen Notfallseelsorger keine Plaudertasche sein, denn es gilt die Verschwiegenheitspflicht, fügt er an.

Dem Seelsorge-Team gehören Pfarrer, Bestatter, Beschäftigte im Gesundheitswesen, ein Polizist, ein Gärtner sowie Verwaltungsangestellte an. Erfahrungen im medizinischen oder seelsorgerischen Bereich seien von Vorteil, aber nicht Bedingung. Nicht gebraucht würden Sensationslustige, stellt Carsten Rostalsky klar.

Finden sich Interessierte, entscheidet die Gruppe nach Vorgesprächen über eine mögliche Eignung. In einer mehrtätigen Ausbildung, zentral in den jeweiligen Bundesländern, wird dann in realitätsnahen Praxistests geprüft, ob die Bewerber der Aufgabe gewachsen sind. Weiterbildungen seien auch nach der Aufnahme ständig angesagt, so der Teamleiter.

Halt in der Gruppe

In sechswöchigem Turnus trifft sich das Team, tauscht sich aus, wertet Fälle aus. Bei jedem zweiten Mal sei eine Supervisorin dabei, sozusagen "eine Seelsorgerin für die Seelsorger", erzählt er. Halt und neue Kraft holt sich die Gruppe bei geselligen Veranstaltungen, ob Adventsfeier oder einmal im Jahr eine Mehrtagesfahrt in eine schöne Gegend Brandenburgs.

"Bei all der Dramatik, die uns oft begleitet, ist es wichtig, gemeinsam auch Positives zu erleben", so Carsten Rostalsky.

Zum Thema:
Ansprechpartner für Interessierte, die in der Notfallseelsorge von Teltow-Fläming mitarbeiten und sich näher informieren möchten, ist der Teamleiter, Pfarrer Carsten Rostalsky, in Dahme. Er ist erreichbar unter Telefon 035451 476 oder per Mail unter c.rostalsky@web.de