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| 18:40 Uhr

Für mehr Artenvielfalt in der Region
Es summt leiser in Luckau

 Walter Schmidt kümmt sich in seinem Kleingarten auch um die kleinsten Tiere. Eine Wassertränke bietet Erfrischung für Insekten.
Walter Schmidt kümmt sich in seinem Kleingarten auch um die kleinsten Tiere. Eine Wassertränke bietet Erfrischung für Insekten. FOTO: LR / Herny Berner
Luckau. Gartenbesitzer merken einen Rückgang der Insekten. Der trockene Sommer wird für die Tiere zusätzlich zum  Problem. Wassertränken bieten Abhilfe. Von Henry Berner

Die Sonne scheint über der Gartenstadt. In den Gärten blühen Schmetterlingsflieder, Sonnenblume, Rittersporn und Rosen. Doch das kräftige Summen der Insekten wird trotz der Farbenpracht leiser. Für Biene, Hummel und Co wird in diesem Jahr besonders die Trockenheit zur Herausforderung.

Während Menschen sich bei warmen Temperaturen zu helfen wissen, sind Insekten auf Unterstützung angewiesen. Hilfe bekommen sie unter anderem im Kleingartenverein „Zur Erholung“ in Luckau. Der Dienstälteste der Sparte, Walter Schmidt, muss wie viele andere Kleingärtner mit dem Wasser haushalten. Seit 1962 pflegt er seinen Garten. An einen Zustand, bei dem Wasser so knapp wie derzeit ist, kann er sich nicht erinnern. Doch trotz des Engpasses denkt er stets auch an die heimische Tierwelt. „Die Vogeltränke lasse ich nicht austrocknen“, erklärt Walter Schmidt.

Einst hinterließen viele Nacktschnecken ihre Schleimspur in seinem Garten. Auch vor Schmetterlingen wimmelte es förmlich. Doch der 80-Jährige bemerkt: Das Summen und Brummen wird weniger. Auch eine Görlsdorferin entdeckt merklich weniger Tiere als sonst an ihrem Kirschbaum. Zudem findet sie viele tote Hummeln am Straßenrand. Damit auch Insekten mit allem notwendigen versorgt werden können, achten die beiden Hobby-Gärtner auf eine Vielfalt im Garten. Mit Blumentopfuntersetzern, in denen Steine zum Landen sind, sorgt die Görlsdorferin zudem für ausreichend Wasserplätze für Insekten. Denn die sind in diesem Jahr aufgrund der Witterung knapp.

Eine insektenfreundliche Wasserstelle zeichnet sich laut Nabu Brandenburg durch sichere Landeplätze aus. Mit Steinen, Murmeln oder Moos, die in einer mit Wasser gefüllten Schale platziert werden, können die Insekten gefahrlos an das Wasser gelangen. Kleine Äste erleichtern zusätzlich das Herausklettern.

Manuela Brecht, Naturschutzreferentin vom Nabu aus Potsdam, weist auf den Unterschied zwischen Vogel- und Insektentränke hin: Eine Vogeltränke ist für Vögel auch zum Baden da und für die Nichtschwimmer-Insekten somit viel zu tief. „Eine Insektentränke sollte deshalb wesentlich flacher sein“, erklärt sie. Einen Zentimeter sei eine angebrachte Tiefe. Gefahr bestehe laut der Expertin auch bei Regentonnen und Swimming-Pools. Für die Insekten sind das Todesfallen. Sie rät daher, diese tagsüber abzudecken.

Der wohl bekannteste Grünbereich in der Stadt ist der Laga-Park. Angelika Malarczuk von der Landesgartenschau Luckau 2000 gGmbH berichtet, dass auch sie deutlich weniger Schmetterlinge an den Blüten wahrnimmt. Seit zwei Jahren wird deshalb an einigen Stellen im Park nicht mehr gemäht. „Stellen am Weiher und die Apfelstreuwiese werden nicht gemäht, sofern Veranstaltungen das zulassen“, erklärt sie. So können sich Wildblumen, Wildkräuter oder Gräser ausbreiten und bieten Bienen und Hummeln eine wichtige Nahrungsquelle.

Am Fuße des Schlossberges schwört Christa Eckert auf blühende Oasen. In ihrem 1000 Quadratmeter großen Garten setzt sie besonders auf alte Sorten wie Vergissmeinnicht, Phlox oder Rosen. „Viel blühendes“ macht Insektentreiben bei der Luckauerin daher erlebbar, wenn auch weniger als in den vergangenen Jahren. Auch in Kirsten Grützners grünem Refugium am Noppernweg fühlen sich Insekten wohl. Besonders Wespen haben bei ihr ein Zuhause gefunden. Gleich mehrere Nester finden sich auf ihren Grundstück. Die unbeliebten Tiere stören sie nicht. Im Gegenteil. Wespen vertilgen Schädlinge im Garten und können noch dazu Pflanzenpollen verteilen. Das fehlende Wasser beunruhigt die Luckauerin weniger, liegt ihr Garten direkt an der Berste. Wasser für die nützlichen, kleinen Tiere gibt es deshalb zur Genüge.

Genug Wasser für sich und die Tier- und Pflanzenwelt gibt es auch bei Gabriel Gräber. Er hat seinen Garten im Kleingartenverein „Sonnenschein“ im Luckauer Nordosten. Gleich zwei kleine Teiche sorgen für Erholung und nützen zugleich auch der Umwelt. Ein Frosch ist bereits „Stammgast“ bei ihm. „Die Blätter der Seerosen bieten außerdem ideale Landungsmöglichkeiten für Insekten“, erklärt er.

Mit kleine Details wie diesen können Gartenbesitzer den kleinen Nutztieren über die Sommermonate helfen. So kann es auch in Zukunft weiter summen in Luckau.