Liquidation hieß das Schreckenswort, das im Herbst 2015 seine Runde in Lübben machte. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass in der Folge einer neuen EU-Rechtssprechung Rückforderungen von rund 2,5 Millionen Euro an die TKS für die vergangenen drei Jahre wirksam werden. Zum 1. Januar 2016 sollte der harte Schnitt gemacht werden. Im November wurde die Liquidation auf Eis, aber nicht ad acta gelegt - vielmehr wurde ein weiteres Gutachten vorgelegt.

Auf dieser Grundlage wird nun die Neustrukturierung vorgenommen, denn es wurde unter anderem festgestellt, dass die TKS viele der ihr übertragenen Aufgaben erfüllt, aber das Kerngeschäft des Tourismusmarketings und der Organisation nicht erfüllt werde. In einem achtseitigen Papier, das nun als Diskussionsgrundlage vorliegt, wird nicht nur der Sachstand dargestellt, es werden auch Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die künftige Arbeit einer Lübbener Tourismus und Marketing Gesellschaft gegeben.

Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hat nun in Vorbereitung auf die zweite Lesung in der Stadtverordnetenversammlung für einen offenen Dialog geworben. Ehe es in diesem Monat in die Ausschüsse ging, gab es Beratungen im Aufsichtsrat, mit der Geschäftsführung, im Gesellschafterkreis mit dem Tourismusverein Lübben als 20-prozentigen Teilhaber, mit den Fraktionsvorsitzenden. "Der Grundsatzbeschluss mit einer umfangreichen Begründung ist kein Lösungspapier", betonte Kolan. Der Dialog müsse zu einer "Lübbener Erklärung" führen. "Lübben ist nicht nur Tourismus - Gesundheit, Wohnort, Familien, Kinder", nannte er als weitere Schwerpunkte. Es gehe darum, welche Aufmerksamkeit dem Tourismus künftig zugewiesen werde.

"Variante drei kommt nicht in-frage", sagte Peter Rogalla (Linke) zu den im Grundsatzbeschluss aufgeführten Alternativen. Das wäre die Fortführung der TKS durch die Stadt und den Tourismusverein. Der Bürgermeister betonte, dass es mit dem Verein einen Dialog gebe und ähnliche Beschlüsse erwartet werden. Sylvia Lehmann bestätigte auf Rundschau-Nachfrage, dass sie in der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend zu den anstehenden Veränderungen der Position des Vereins informiert habe. Es habe keine Diskussion dazu gegeben, es sei das Vertrauen in den Vorstand für die weiteren Verhandlungen ausgesprochen worden. "Wir werden im zweiten Halbjahr in der Mitgliederversammlung dazu Beschlüsse fassen", sagte sie. Es gehe darum, wie der Verein weiter am Entwicklungsprozess beteiligt werde.

Detlef Brose (Stadtfraktion) hob im Bildungsausschuss hervor, dass die Struktur verändert, verkleinert werde, die Stadtbibliothek und das Museum weiterhin zur Stadt gehören - anders organisiert. "Es ist eine Chance, mit anderen neue Wege zu gehen", sagte er. Dazu sollten die Mitarbeiter bereit sein. Der Vorsitzende des TKS-Aufsichtsrats kündigte im Bau- und Finanzausschuss an, dass es demnächst eine Aufsichtsratssitzung gibt.

"Der Grundsatz und der Fahrplan sind klar", sagte Benjamin Kaiser (CDU/Grüne). Tourismusmarketing werde auf rechtmäßige Füße gestellt. Im Zuge der noch folgenden Diskussionen wird auch über einen neuen Namen zu sprechen sein.

Zum Thema:
Mit dem Grundsatzbeschluss zur Neustrukturierung von Gesellschafterkreis, zu Aufgabenzuschnitt und öffentlichen Zuschüssen werden sich die Lübbener Stadtverordneten in zweiter Lesung in der Sitzung am 28. April im Rathaus befassen. Der Beschlussvorschlag, den der Bürgermeister einbringt, ist auf der Homepage www.luebben.de unter Vorlagen zu den Beratungen zu finden.