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| 11:48 Uhr

Wehrhafte Kirchen zum Schutz der Bürger

Luckau. 30 Freunden des Luckauer Heimatvereines und Gäste der Stadt haben kürzlich Peter Schmidt aus Neuruppin auf einer geschichtlichen Reise durch die Kirchengeschichte im märkischen und Ruppiner Land begleitet. Im Saal des Luckauer Rathauses lenkte der Dozent dabei den Blick auf die Einmaligkeit der ländlichen Kirchen. Gudrun Driesen

Kirche gibt einem Ort Gesicht "Ein Dorf ohne Kirche war ein Ort ohne Gesicht und Schutz", erklärte Schmidt. Sie sei das einzige feste und wehrhafte Gebäude des Dorfes, Mittelpunkt der Gemeinde und des dörflichen Lebens gewesen. Kirchen wurden nicht nur für Gottesdienste genutzt, sondern hatte verschiedene Funktionen. Das machte Dr. Peter Schmidt an Hand vieler Beispiele deutlich. "Wurde im 12. und 13. Jahrhundert ein Siedlung gegründet, entstand erst einmal ein provisorisches Gotteshaus", erklärte der Fachmann. Zur Kirche gehörte auch Kirchenland, das mit Getreide bestellt wurde. Aus dem Verkaufserlös finanzierte sich der spätere Bau der Gebäude und deren Erhalt. Das dauerte ungefähr 40 Jahre, so Schmidt. Danach konnten Fachleute daran gehen, den im steinreichen Norden Deutschlands durch die Eiszeit reichlich vorhandenen Granit als Kirchenbaumaterial zu verwenden. Die Feldsteinkirchen spiegelten ihre Zeit wider und hätten durch ihre massive Bauweise die Wirren der Jahrhunderte überstanden, so Schmidt weiter. Er öffnete den Blick der Zuhörer für die Einzelheiten und die bauliche Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte, als Feldstein durch Backstein abgelöst worden war. Zuerst dort, wo Klöster in der Nähe waren, denen sich eine Ziegelfabrik anschloss. Als weiteren Aspekt der Baukunst rückte Schmidt die Kirchtürme ins Blickfeld. Im Norden stünden sie in der Regel auf der Ostseite, sagte er. Weltliche Dinge hielten später zunehmend Einzug in das Gotteshaus. An den Ausstattungen, Anbauten oder Grabgestaltungen zeigten sich die zeitlichen Einflüsse der herrschenden und finanziell besser gestellten Schichten. Kriege, Notzeiten und kirchliche Umbrüche, wie die Reformation, seien den Steinen heute noch anzusehen, fuhr Peter Schmidt fort. Bis ins 19. Jahrhundert führte sein Ausflug die Zuhörer. Gebannt hatten die Gäste sich von dem interessanten Vortrag und den eindrucksvollen Bildern fesseln lassen. „Jetzt sehen wir bei unseren Kirchen auch genauer hin“, versicherten einige Besucher im anschließenden Gespräch mit Schmidt. Interessantes Spezialgebiet Peter Schmidt ist Leiter des Bilderbogenzentrums in Neuruppin und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema „Märkische Landkirchen als Quelle der Geistes- und Sozialgeschichte“. Mit seiner Vorlesungsreihe referierte Schmidt auch an der Humboldt Universität Berlin. Die Verbindung zwischen Neuruppin und Luckau war bei gemeinsamen Projekten der Arbeitsgruppe „Historische Stadtkerne“ in Brandenburg geknüpft worden.