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| 17:27 Uhr

Gebietsreform
Nach der Hochzeit Pionierarbeit

Brandschutz_Dahme_4c
Brandschutz_Dahme_4c FOTO: LR
Dahme. Im größten Amt Brandenburgs in Dahme müssen sich die Feuerwehren neu organisieren. Von Carmen Berg

Mit der Einheirat der Gemeinde Niederer Fläming ist das Amt Dahme zum größten Amt im Land geworden. Eine harte Nuss für die Feuerwehren. Sie müssen sich auf der fast doppelt so großen Fläche neu organisieren. Dabei leisten sie ein stückweit Pionierarbeit in Brandenburg, wie der stellvertretende Amtsbrandmeister Nico Rudolph unlängst vor dem Amtsausschuss erklärt hat.

Im neuen Amt Dahme leben auf 438 Quadratkilometern Fläche rund 9500 Menschen in 48 Orten. In etwa verdoppelt hat sich die Zahl der Feuerwehren. Zu den 15 Ortswehren des alten Amtes Dahme kommen 14 neue hinzu.

Um Rettungskräfte und Technik weiter effektiv zu führen, werden die Wehren in drei Wirkungsbereiche aufgeteilt. In alter Struktur mit nur einem Wirkungsbereich seien die Anfahrtswege zu den Dienstberatungen für die Ortswehrführer zu lang und außerdem konstruktive Diskussionen in so großer Runde kaum möglich, sagte Nico Rudolph. In den kleineren Einheiten könne auf die Probleme einzelner Wehren und Ortsteile besser eingegangen werden. Dahmetals Bürgermeister Manfred Hartfelder (CDU) bemängelte, dass durch die neue Struktur eine zusätzliche Leitungsebene entsteht. Außerdem müssten die Wirkungsbereiche bei der Ausstattung gleichgestellt werden, mit entsprechenden Nachforderungen sei zu rechnen, befürchtete er.

Amtsdirektor David Kaluzza (parteilos) ergriff Partei für die Feuerwehr. In einem so großen Gebiet seien flächendeckende Schadenslagen wie jüngst nach Stürmen ohne klare Zuordnungen nicht handhabbar, verteidigte der Verwaltungschef die Struktur.

Das Funkkonzept musste angepasst und deutlich erweitert werden, wie Nico Rudolph weiter erklärte. Vier verschiedene Funkkreise werden jetzt gebraucht, einer für das tägliche Einsatzgeschehen und drei weitere für die jeweiligen Wirkungsbereiche. Auch das sei in dieser Größenordnung eine Premiere in Brandenburg. „Bei nur einem Funkkreis müssten Feuerwehrleute zehn Minuten warten, um überhaupt sprechen zu können“, machte er die Dringlichkeit deutlich.

Momentan läuft in den Wehren eine Bestandsanalyse an Personal und Ausstattung. Im Ergebnis soll der Gefahrenabwehr-Bedarfsplan für das gesamte Amt angepasst werden. Er stellt fest, welche Kapazitäten vorhanden sind, und wo Handlungsbedarf besteht.

Ein Knackpunkt in allen Ortswehren ist die Absicherung der Einsätze werktags bei Tage. Laut Nico Rudolph haben sich die Einsatzzahlen seit der Wende verdreifacht, stark angestiegen seien technische Hilfeleistungen sowie artfremde Leistungen wie das Beseitigen von Ölspuren. Dazu sagte Amtsdirektor Kaluzza: Es sei „eine Unsitte in Brandenburg“, dafür die Feuerwehren zu rufen. Auf Bundes- und Landesstraßen müssten Ölspuren  Sache des Landesbetriebes sein.

Noch gibt es beim flächendeckenden Brandschutz im neuen Amt einige Lücken, darunter an der Bundesstraße 102. Deshalb wird ein Fahrzeug mit Rettungsgerät für Verkehrsunfälle von Dahme nach Kemlitz umgesetzt. Im Austausch bekommt die Dahmer Wehr ein neues Löschfahrzeug, das für 2019 angekündigt ist.

Insgesamt fünf Fahrzeuge im Amt stammen noch aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Ziel sollte es sein, die Fahrzeuge nach 20 Jahren auszutauschen, sagte der stellvertretende Amtsbrandmeister. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der Autos in Deutschland liegt bei 8,1 Jahren. „Man muss die Realität sehen, was sich das Amt als Träger finanziell leisten kann“, warnte Ihlows Bürgermeister Werner Schröder (parteilos) vor überzogenen Wünschen. Ein größeres Fahrzeug kostet 300 000 Euro und mehr. Manfred Hartfelder rechnete vor: Würden in seiner Gemeinde Dahmetal zugunsten von Feuerwehr-Investitionen die Grundsteuern um 300 Prozent erhöht, brächte das gerade mal 40 000 Euro ein.

Sandra Klimaschewski aus Hohenseefeld ärgerte die Kritik: „Bei den Einsätzen  geht es um Leben und Tod. Wir reden nicht von Luxus.“ Von ihrer alten Heimat in Berlin sei sie gewöhnt an Berufsfeuerwehren. „In unserer Region machen das Ehrenamtliche. Davor kann man nur den Hut ziehen.“