Im Zuge der Löschmaßnahmen Wasser auch auf umliegende Grundstücke gelangt, der Anwohner fürchtete offenbar um Schäden an seinem Haus. „Wären Schäden entstanden, wäre die Feuerwehr natürlich dafür aufgekommen“, sagt Amtswehrführer Karsten Schmidt. In den Reihen der Feuerwehr aber auch online bei Facebook gab es viel Unverständnis und Diskussionen über den Vorfall. Jetzt hatte er auch ein juristisches Nachspiel: „Wir haben der Person eine Woche Zeit gegeben, sich bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zu entschuldigen. Als das nicht geschehen ist, wurde Anzeige erstattet“, erklärt Schmidt. „Die Bürger sollen merken, dass ein derartiges Verhalten Konsequenzen hat.“

Das Amtsgericht Luckenwalde hat nun einen Strafbefehl gegen den ausfällig gewordenen Mittsechziger erlassen, den der Beklagte auch akzeptiert hat. Er müsse nun 20 Tagessätze zu je 20 Euro, also insgesamt 400 Euro, bezahlen, teilte Amtsdirektor David Kaluza beim jüngsten Amtsausschuss in Dahme mit. Die Geldstrafe bemisst sich an der Höhe des Einkommens.

„Es ist wichtig gewesen, Anzeige zu erstatten“, sagte Kaluza. Amtswehrführer Karsten Schmidt erhofft sich von dem Urteil auch eine abschreckende Wirkung. Zwar sei der Vorfall in seinem Ausmaß eine Ausnahme gewesen, „Beleidigungen kommen aber öfter vor, insbesondere bei Verkehrsunfällen, wenn die Beteiligten emotional aufgewühlt sind.“ Er wünscht sich, dass die Bürger ihren Ärger nicht an den Feuerwehrleuten auslassen, wenn diese ihre Arbeit tun: „Auch wir sind bloß Bürger der Stadt. Die Kameraden und Kameradinnen machen das alles freiwillig.“

Auch Frank Radke, Amtsbrandmeister im Unterspreewald, kann solch ein Verhalten von Passanten oder Betroffenen nicht nachvollziehen. Sprüche und Beschimpfungen seien für ihn mittlerweile an der Tagesordnung. Bislang jedoch waren rechtliche Konsequenzen noch nicht notwendig. „Doch es nimmt merklich zu. Wenn es so weitergeht, dann wird es bestimmt bald dazu kommen“, sagt er. Er hat Verständnis dafür, dass Menschen gestresst und gereizt sind, wenn sie beispielsweise nach einem Unfall lange im Stau stehen müssen. „Aber man kann auch anders reagieren. Wir unternehmen immerhin alles, um Schlimmeres zu verhindern.“

 Ein Fall blieb ihm aus diesem Jahr besonders im Gedächtnis. Dabei blieb es nicht nur bei verbalen Angriffen. Als sich Feuerwehrkameraden des Amtes Unterspreewald nach einem Unfall auf der Autobahn ihren Weg durch die Rettungsgasse gebahnt haben, wurden sie von Lkw-Fahrern beschimpft und mit Wasserflaschen beworfen. Polizisten haben sich laut Radke anschließend weiter mit dem Vorfall beschäftigt. Ob es zu einer Anzeige kam, weiß er nicht. „Ich bin total fassungslos über so ein Verhalten“, sagt er. Er betont jedoch, dass solche Übergriffe die absolute Ausnahme sind. Es war die einzige derartige Situation in diesem Jahr im Amt Unterspreewald.

„Positives Feedback überwiegt eindeutig“, sagt er. Bei Brandeinsätzen oder Hilfeleistungen zeigen viele ihre Dankbarkeit gegenüber den Feuerwehrkameraden. Oftmals werden sie bei längeren Einsätzen sogar mit Getränken oder Snacks versorgt. „Diese Freundlichkeit dominiert. Mir sind nur wenige Fälle von Beleidigungen bekannt“, stimmt auch Luckaus Stadtbrandmeister Gerd Walter zu. Vor allem bei gewaltsamen Wohnungsöffnungen oder Straßensperrungen kann es passieren, dass sich manch einer im Ton vergreift.

 Mit sachlichen Argumenten und Erklärungen zur Situation versuchen die Luckauer Kameraden, die Situation zu beschwichtigen. Das gelinge häufig. „Ansonsten hat die Feuerwehr auch die Möglichkeit, Platzverweise auszusprechen“, erklärt Gerd Walter. Anzeigen mussten Luckauer Kameraden ebenfalls noch nicht aufgeben. „So derbe Beleidigungen sind hier nicht an der Tagesordnung.“