Mit diesem Vorhaben hat Geschäftsführer Norbert Zittlau nicht nur seine Mitstreiter in der Gemeindevertretung überrascht, sondern auch die 30 anwesenden Bürger während der Sitzung des Gremiums.

Beschluss vertagt
Die Gemeindevertretung wollte eigentlich über die Aufnahme Pitschen-Pickels in den Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) Luckau entscheiden. Doch dieser Beschluss wurde auf Antrag von Dietmar Becker auf die nächste Sitzung vertagt. "Wir sind von der Idee der Agrargenossenschaft kalt erwischt worden", begründete er und räumte den Einwohnern des Dorfes Bedenkzeit ein. Bürger des Ortsteils hatten gefordert, die Trinkwasserversorgung wie bisher in Eigenregie weiter zu übernehmen und eine Genossenschaft zu gründen (die RUNDSCHAU berichtete).
"In den nächsten 14 Tagen werden wir die neue Situation beraten", kündigte Ortsbürgermeister Bernd Rohtig an. "Ohne Agrargenossenschaft wird es schwer, das Wasserwerk kostengünstig zu betreiben", sagte er. Wie Zittlau erklärte, nehme sein Betrieb jährlich 4000 Kubikmeter und damit etwa ein Drittel der gesamten Wassermenge ab. "Wir versorgen uns künftig selbst und werden nicht Mitglied einer möglichen Genossenschaft", so der Geschäftsführer.
Der Rückzug des Landwirts habe Manfred Kühne "schockiert und meine Entscheidung nicht leichter gemacht", so das Mitglied der Gemeindevertretung. Der Pitschen-Pickeler Heinz Lieke bezweifelt, "dass der TAZV ohne den Hauptabnehmer Agrargenossenschaft überhaupt noch Interesse an uns hat". Das Vorhaben des landwirtschaftlichen Betriebes sei aber eine neue Verhandlungsbasis für den Ortsteil.
Pitschen-Pickel ist nicht Mitglied im TAZV und hat sein Wasserwerk seit dem Jahr 1968 selbst betrieben. Durch die Gemeindegebietsreform ist seit 2001 die Gemeinde Heideblick als Betreiber eingetreten. Sie hatte laut öffentlich-rechtlichem Vertrag fünf Jahre Zeit, den Betrieb neu zu regeln.
"Das war ein Sonderstatus", erklärte Bürgermeister Bodo Lott (parteilos). "Ich halte nicht länger meinen Kopf dafür hin, dass wir seit Jahren gegen Gesetze verstoßen." Das überzeugte Klemens Müller nicht. "Unser Wasserwerk hat sich bisher selbst getragen", sagte der Einwohner, "warum machen wir nicht so weiter?"
Laut Frank Deutschmann ist die gesetzliche Frist zur Neuregelung der Versorgung schon Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen. "Wir müssen jetzt zwingend die Frage klären, ob es künftig unterschiedliche Regelungen in unserer Gemeinde gibt", so der Kämmerer. Für die etwa 4000 Heideblicker betreibe schließlich der TAZV die Wasserversorgung. Er räumte allerdings ein, dass auch eine Genossenschaft durchaus den Betrieb übernehmen könne.
Heinz Lieke erwartet von der Gemeindevertretung eine "vernünftigere Lösung als den TAZV. Bisher war es kein Fehler, dass wir nicht Mitglied im Verband sind." Er sagte: "Das Maß ist voll, die Bürger dürfen finanziell nicht weiter belastet werden." Bisher zahlen die Pitschen-Pickeler laut Bernd Rohtig einen günstigeren Preis als Abnehmer, die ihr Wasser vom TAZV beziehen.

Andere Konditionen
Bürgermeister Bodo Lott kann sich einen Sonderpreis für Pitschen-Pickel vorstellen. "Ihr Wasser müsste durch den Verband nicht aufbereitet werden", begründete der Bürgermeister. Über die Aufnahme des Ortsteils in den TAZV soll nun während der nächsten Gemeindevertretersitzung entschieden werden.