Gut kam ein Vortrag über ein Besucherzentrum an, das für Lübben zum Vorbild werden könnte: Das Müritzeum in Waren, eröffnet vor etwas über einem Jahr.
Als Gast begrüßte Moderator Herbert Schirmer dazu dessen Geschäftsführer, den 33-jährigen Thomas Kohler. Der bestritt den informativen Teil der Diskussion. Die Voraussetzungen und Gründe für den Bau des Zentrums in der Mecklenburgischen Seenplatte beschrieb er so, dass man ohne weiteres statt „Waren“ auch „Lübben“ hätte einsetzen können und statt „Umland“ auch „Spreewald-Region“ .

Schönheit reicht nicht
„Sehr viel Landschaft, sehr viel Wasser, aber auch viel Nichts“ , skizzierte Kohler beispielsweise die Gegebenheiten in Teilen Mecklenburgs, um dann zu sagen: „Eine schöne Landschaft allein ist heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr.“ Waren an der Müritz sei „beschaulich, aber nicht der Nabel der Welt“ . Doch damit hatten die Gemeinsamkeiten schon ein Ende. Kohler nannte als Grund für das Müritzeum weiter: „Es gab keine Freizeit-Indoor-Angebote im Umkreis.“ Das trifft auf Lübben so nicht zu, doch das Müritzeum als Alleinstellungsmerkmal der Region fesselte die Zuhörer trotzdem. Mit trutziger Fassade aus verkohltem Lärchenholz scheint es Ufo, Schiff und Muschel zugleich. Im Inneren finden sich 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit Deutschlands größtem Süßwasser aquarium, das die Besucher vor einer sechs mal sechs Meter großen Scheibe bewundern dürfen - laut Mürit zeum die größte Scheibe, die je in Europa hergestellt wurde.
Trotz der Superlative sei die Ausstellung an sich „auf Heimatmuseum-Niveau“ , so Kohler, aber für die Besucher interaktiv aufgepeppt. Spaß und Erleben sollen im Mittelpunkt des Besuches stehen, die Mecklenburger Seenlandschaft wird vorgestellt und ist, zum Beispiel über kleine, ferngesteuerte Boote, spielerisch erfahrbar.
Etwas länger wurden die Gesichter der Diskussionsgäste, als es um die Finanzen ging. 15 Millionen Euro sind alles in allem in das Gebäude geflossen, davon drei von einem privaten Stifter. „Ohne diese drei Millionen würde das Müritzeum nicht stehen“ , sagte Kohler. Und er warnte davor zu glauben, mit 15 Millionen Euro sei das Ende erreicht: Trotz des guten Starts von 140 000 Besuchern im Jahr 2007 und 158 000 Besuchern bis zum 20. August 2008 gebe es keinen Grund, sich zurückzulehnen. „Nach drei Jahren bricht der Strom erfahrungsgemäß ab, und zwar um mehr als 20 Prozent. Dann muss man sich neu erfinden, und dafür muss man Geld zurückgelegt haben.“
Zurück zum „Wasserreich Spree“ , Arbeitstitel für das südlich der Schlossinsel geplante Zentrum, verriet Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU), dass seit Mitte August ein inhaltliches Konzept vorliege. Hervorgegangen sei es aus den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe im ersten Halbjahr. Die Geschichte der Planung reicht indes zurück bis ins Jahr 2002. Unter wechselnden Vorzeichen wurde über eine Erweiterung der Schlossinsel nachgedacht. In Gutachten, Vorstudien und Planungen ist laut Jürgen Höhn von der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH „eine fünf-, fast sechsstellige Summe geflossen“ .
Eine kurze Zusammenfassung des jetzigen inhaltlichen Standes gab Lothar Bretterbauer. „Es soll drei Schwerpunkte geben: Erstens die Darstellung der Natur entlang der Spree, Regionen übergreifend, und des Besonderen rund um den Spreewald.“ Zweitens solle der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Fließlandschaft eine Rolle spielen. Drittens solle dargelegt werden, wie damit im Spreewald in den kommenden Jahrzehnten umgegangen werde.

Entscheidung gefordert
Peter Stephan vom Tourismusverband Spreewald forderte eine schnelle Entscheidung für oder gegen einen solchen Bau in Lübben. „Ich denke, dass wir hier gute Voraussetzungen haben. Bis zum 31. März 2009 muss es Top oder Flop heißen, denn dann ändert sich die Förderkulisse, und wir bekommen vielleicht nur noch Zuschüsse von 40 Prozent.“
Mit einer Kreditaufnahme, erklärte Thomas Kohler, sei alles viel schwieriger. „Wenn wir noch einen Kapitaldienst leisten müssten, bräuchten wir statt 150 000 Besuchern 200 000 im Jahr.“ Wie ehrgeizig schon die 150 000 sind, machte Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) deutlich: „Es gibt deutschlandweit nur 500 Museen, die über 50 000 Gäste im Jahr haben.“ Und im Grunde genommen, so Kohler, ist auch das Erlebniszentrum Müritzeum ein Museum, nur eben sehr modern und erlebnisorientiert gestaltet.
Was den Stand der Dinge für das Wasserreich betrifft, sei ein Wettbewerb um Ausstellung und Betreiberkonzept ausgeschrieben, so Bretterbauer. Bis Ende des Jahres soll ein Konzept stehen, auf dessen Grundlage Fördermittel beantragt werden können.
„Es ist bedauerlich, dass die inhaltlichen Punkte, die jetzt stehen, nicht einzeln vorgestellt wurden“ , kritisierte Stadtverordnete Monika Dinter (CDU). Architekt Andreas Rieger gab aus dem Publikum zu bedenken: „Wenn man die Frage ,Wozu ein Wasserreich Spree?' auf einer Seite präzise beantworten kann, werden wir alle gewinnen.“