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| 14:12 Uhr

Ortsbeiratssitzung
Was wird aus dem Feuerwehrhaus in Sagritz?

Von Andreas Staindl

Ein Abriss des alten Feuerwehrgerätehauses in Sagritz (Golßen/Unterspreewald) scheint vom Tisch. Die Stadt Golßen will das historische Objekt sanieren. 10 000 Euro sollen dafür in den Haushalt 2019 eingestellt werden – „für die Planung der Sanierung oder als Eigenanteil, wenn Fördermittel fließen“, wie Hartmut Laubisch (SPD) während der Ortsbeiratssitzung kürzlich in Zützen sagte. Der Bürgermeister weist allerdings darauf hin, dass der Haushalt dieses Jahres derzeit „eine Wunschliste und noch nicht beschlossen ist“.

Doch das leerstehende und ungenutzte Feuerwehrhaus ist längst zum Streitfall geworden. Seit einigen Jahren schon wird über die Zukunft des Gebäudes diskutiert. Abreißen, sanieren, verkaufen? Eine Entscheidung gab es lange nicht. Bewegung kam erst rein, als der Verein Zukunft Heimat das Haus für den symbolischen Wert von einem Euro kaufen und für die Dorfgemeinschaft nutzen wollte. Das aber hatten die Stadtverordneten vor inzwischen fast zwei Jahren abgelehnt (die RUNDSCHAU berichtete). Reinhard Knöfel (Die Linke) bezeichnete den Verein damals als „fremdenfeindlich“. Hartmut Laubisch hatte eine Zusammenarbeit aus dem gleichen Grund abgelehnt. Seitdem verfällt das Objekt.

„Wir wollen das Projekt nicht unter den Teppich kehren, sondern das Haus sanieren“, sagte Gerd Pietrzok (SPD) jetzt, der den Bauausschuss der Golßener Stadtverordnetenversammlung leitet. „Allerdings ist Gefahr in Verzug, das Feuerwehrhaus einsturzgefährdet. Tragende Bauteile und Wände sind gerissen, das Dach marode. Das Haus dürfte gar nicht mehr betreten werden.“

Einwohner Herbert Schwarz sieht das anders: „Das Gebäude ist nicht so schlecht, wie es gemacht wird. Es stürzt nicht plötzlich ein.“ Christa Pfannenschmidt schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Risse im Mauerwerk sind schon viele Jahre alt. Ich kenne das Haus gar nicht anders.“ Sie will das Objekt erhalten, „weil wir sonst keinen Raum haben, wo wir Dinge unterstellen können, die wir zum Feiern im Dorf nutzen“. Die Sagritzerin verweist etwa auf die mobile Kegelbahn, die Kessel für das jährliche Eisbeinessen, Bänke und anderes. „Ein Lagerraum muss doch auch in unserem kleinen Ort möglich sein.“

Durchaus denkbar, „doch wir brauchen ein Nutzungskonzept, das möglichst viele Einwohner mittragen“, sagt der Stadtverordnete Christian Schmidt (SPD), der auch im Ortsbeirat sitzt. „Die Sagritzer müssen jetzt in die Pötte kommen, um das Projekt in den nächsten Haushalt zu bekommen. Es wäre schade, wenn das Gebäude bis auf das Fundament abgerissen würde.“ Das will auch das Ortsbeiratsmitglied Gerd Dänschel nicht: „Ich bin dafür, das Haus zu erhalten und es so wie bisher zu nutzen.“

Doch wie genau, das ist entscheidend für die Zukunft des Objekts. Soll es etwa als Fest-und Versammlungsraum genutzt werden, sind Sanitäreinrichtungen nötig, wie Hartmut Laubisch sagt. Für Herbert Schwarz ist das „eine bösartige Forderung. Wenn das Haus erhalten werden soll, reicht es doch, die maroden Stellen auszubessern.“ Christa Pfannenschmidt versteht ohnehin nicht, wozu Toiletten im alten Feuerwehrhaus nötig sind: „Wir wohnen doch alle in der Nähe. Wer aufs Klo muss, geht nach Hause. Wir bieten auch Gästen diese Möglichkeit an.“ Für Christian Schmidt sind „Dixi-Klos ebenfalls eine Lösung. Eine feste Toilette zu installieren, ist Quatsch.“

So einfach ist es dann doch nicht wie der Bürgermeister sagt: „Wir müssen uns schon an geltende Gesetze und Vorschriften halten. Wenn wir das nicht tun, können wir das von den Bürgern auch nicht verlangen.“ Ob Sanitäreinrichtungen tatsächlich notwendig sind, hängt ihm zufolge von der Nutzung des Hauses ab. Für einen Lagerraum oder einen offenen Rastpunkt für Touristen etwa wäre demnach keine Toilette nötig, für einen Versammlungsraum dagegen schon.

Das alte Feuerwehrhaus in Sagritz ist eines der ältesten der Region, der historische Schlauchturm inklusive Storchennest für Hartmut Laubisch „das Erhaltenswerteste des gesamten Gebäudes. Auch Touristen interessieren sich dafür.“ Gerd Pietrzok hofft jetzt, dass „die Sagritzer eigene Ideen für die künftige Nutzung des Feuerwehrhauses entwickeln“. Sie könnten dabei in den Erfahrungsaustausch mit dem benachbarten Gersdorf treten, wo die Einwohner vor einer ähnlichen Herausforderung stehen, sagt Christian Schmidt.