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Bahnausbau: Drahnsdorfer ausgegrenzt?

Der Bahnhof in Drahnsdorf bietet eine schnelle Verbindung nach Berlin.
Der Bahnhof in Drahnsdorf bietet eine schnelle Verbindung nach Berlin. FOTO: Birgit Keilbach
Drahnsdorf. Berufspendler profitieren nicht von schnelleren Zügen. RUNDSCHAU-Forum „Vor Ort“ am 30. November. Von Carmen Berg

 Mit gut 600 Einwohnern, verteilt auf vier Orte, ist Drahnsdorf im Amt Unterspreewald eine kleine Gemeinde. Doch eine mit Anschluss an die „große Welt“. Der Drahnsdorfer Bahnhof liegt an der Strecke Berlin-Dresden. Als er vor drei Jahren für eine Schließung im Gespräch war, rief das die Einwohner auf den Plan. Angeführt von einer Bürgerinitiative machten sie sich mit Erfolg für den Erhalt stark. Im Zuge des Streckenausbaus der Dresdner Bahn auf Tempo 200 wurde der Haltepunkt saniert. „Ein gutes Signal“ sieht darin Unterspreewalds Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU). „Schließlich wird die Bahn nicht Geld in einen Standort stecken, der keine Zukunft hat.“

Die Drahnsdorfer sehen den Streckenausbau mit gemischten Gefühlen. Andrea Weigt, Sprecherin der Bürgerinitiative, sagt: „Es ist positiv, dass der Bahnhof gerettet ist. Aber in der Landesplanung zum Ausbau des Nahverkehrs fühlen wir uns vergessen.“ Für Drahnsdorfer Berlin-Pendler bringe die schnellere Strecke keinerlei Verbesserungen.

Einwohnerin Grit Lau, selbst Pendlerin, legt den Finger auf die Wunde. Der Regionalzug hält in Drahnsdorf nur im Zwei-Stunden-Takt. Der schnellere Zug dazwischen fährt ohne Halt durch. „So ist es unmöglich, pünktlich in Berlin zu sein“, beklagt sie. Die Drahnsdorferin fährt stattdessen mit dem Auto nach Brand und besteigt  dort den RE 2 Cottbus-Berlin. „Wir sind jeden Morgen mehrere, denen das so geht“, erzählt sie. Doch der RE 2 sei völlig überfüllt. „Es ist absurd, sich andernorts in rappelvolle Züge drängeln zu müssen, wenn man einen Bahnhof direkt vor der Nase hat“, bringt  Andrea Weigt Unverständnis zum Ausdruck. Die Bürger-
initiative setzt sich dafür ein, dass zu den Stoßzeiten morgens und zum Feierabend der Zug in Drahnsdorf stündlich hält. Das würde den stark frequentierten RE 2 entlasten. Ab Baruth halten auch die schnelleren Züge an jeder Station, sagt Andrea Weigt. „Dort könnte zugunsten entfernter Gebiete nachjustiert werden, denn im Speckgürtel bestehen Ausweichmöglichkeiten beispielsweise auf die S-Bahn“, schlägt sie vor. Die Bürgerinitiative sieht im Bahnanschluss einen wesentlichen Standortfaktor für den strukturschwachen Raum. Grit Lau ist mit ihrer Familie von der Hauptstadt in den Unterspreewald gezogen. „Für Drahnsdorf haben wir uns entschieden, weil es einen Bahnhof gibt.“ Wären die Fahrzeiten günstiger, würden angesichts rasant steigender Mieten und Grundstückspreise in Berlin und dem Speckgürtel mehr junge Familien folgen, ist sie überzeugt.

Amtsdirektor Kleine teilt den Wunsch nach besserer Erreichbarkeit für die Region. Wie er sagt, machen sich die Gemeinden Luckau und  Heideblick sowie das Amt Unterspreewald gemeinsam dafür stark. Neben Drahnsdorf an der Strecke liegen die Haltepunkte Walddrehna, Uckro und Golßen. „Wir brauchen eine Lösung, die möglichst vielen Bürgern hilft. Wenn wir für einen der vier Bahnhöfe eine bessere Taktung erreichen können, wäre das ein realistisches Ziel“, so der Verwaltungschef.

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Edith Grundey denkt beim Bahnausbau vor allem an Geldsorgen ihrer Gemeinde. „Wir können uns nichts mehr leisten wegen der Bahn“, sagt sie. Im Drahnsdorfer Ergebnishaushalt klafft laut Unterspreewalds Kämmerin Sieglinde Standfuß ein Loch von 94 600 Euro.  Zudem schleppt die Gemeinde als Rucksack aus Vorjahren offene Umlageforderungen des Luckauer Trink- und Abwasserwzeckverbandes mit. „Wir sind praktisch pleite“, sagt die Bürgermeisterin. Für den Drahnsdorfer Anteil von 217 000 Euro an der  neuen Bahnbrücke im Ortsteil Falkenhain springt der Ausgleichsfonds des Landes ein.  „Aber unter knallharten Auflagen“, sagt Edith Grundey. So müsse die Gemeinde die Friedhofsgebühren in Falkenhain drastisch erhöhen, sonst drohe Rückzahlung der Hilfen. Die Brücken ersetzen die alten Übergänge, die für das höhere Tempo nicht mehr zulässig sind. „Einen Gehweg auf der Brücke, wie ihn sich die Bürger wünschen, können wir uns nicht leisten, die 100 000 Euro hat die Gemeinde nicht“, bedauert sie.

Auch andere dringende Wünsche kann die klamme Kommune sich aus eigener Kraft nicht erfüllen. Die Drahnsdorfer Kita, die rege nachgefragt sei, müsse in absehbarer Zeit ihr Domizil in der ehemaligen Schule räumen, die nach Verkauf neu genutzt werden soll. „Der Eigentümer ist uns bereits entgegengekommen, aber auf Dauer muss eine Lösung her“, sagt Edith Grundey. Sie hofft, dass die Idee umgesetzt werden kann, die Kindereinrichtung als private Investition zu bauen. „Unsere Einwohnerzahl wächst. Das ist nicht überall auf dem Land so. Doch damit das so bleibt, brauchen wir lebenswerte Verhältnisse in unseren Dörfern“, so die Gemeindechefin.

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LR vor Ort 4c FOTO: LR