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Warum Aborigines einem Dahmenser dankbar sind

Gerhard Ruediger entführte in die Welt der Aborigines.
Gerhard Ruediger entführte in die Welt der Aborigines. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Dahme. Vor wenigen Jahren erst ist Christian Gottlob Teichelmann in Dahme zu einem Begriff geworden. Der Wert seiner Arbeit als Missionar in Südaustralien wird heute hoch geschätzt bei den Ureinwohnern des fünften Kontinents. Er leistete einen Beitrag, dass die Aborigines einige ihrer bereits ausgestorbenen Sprachen und die damit verbundene Kultur wieder aufleben lassen können. Birgit Keilbach / bkh1

"Die Dresdener Missionare würden sich heute wundern, was sie mit ihrer Arbeit bewirken konnten", sagte Gerhard Ruediger Donnerstagabend im Georg-Buchholzer-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Dahme. Dank ihrer Arbeit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Region um Adelaide in Südaustralien gibt es dort heute eine kleine Schule, in der die Kaurna-Sprache wieder vermittelt wird.

Gerhard Ruediger lebt seit 2006 in der australischen Stadt und befasst sich seit 2010 mit dem Wirken von vier Deutschen, die vom Dresdener Missionsseminar zwischen 1838 und 1840 in die Region um das gerade gegründete Adelaide gesandt wurden, um der eingeborenen Bevölkerung den christlichen Glauben nahezubringen. Einer von ihnen war Christian Gottlob Teichelmann. In einem ausführlichen Vortrag vermittelte Ruediger Einblick in die politischen, theologischen und pädagogischen Zusammenhänge dieser Zeit.

Der 1807 in Dahme geborene Tuchmachersohn Teichelmann erlernte zunächst das Tischlerhandwerk. Wohl auf der Walz sei er auf Schriften der Herrnhuter Mission gestoßen und begann in Berlin an der "Johannes-Jänicke-Missionsschule" mit seiner Ausbildung. Die Schüler dort, so der Referent, seien befähigt worden, die Sprache der Einheimischen zu lernen, in ihrer Sprache zu predigen und muttersprachliche Missionsgemeinden zu gründen.

Nach dem Studium seien Teichelmann und Kommilitone Clamor Wilhelm Schürmann an der Dresdener Missionsschule weiter ausgebildet worden. 1836 reisten sie nach Südaustralien. Zwei Jahre später folgten ihnen August Eduard Meyer und Samuel Gottlieb Klose in die Region, wo die britische Kolonisation begann.

Teichelmann und Schürmann seien sofort mit den Aborigines in Kontakt gekommen und befassten sich mit ihrer Sprache. "Wir sammelten als erste einheimische Worte die Bezeichnungen der Körperteile" zitierte Gerhard Ruediger aus Teichelmanns Tagebuch. Am 24. Dezember 1839 gründeten die Missionare eine Schule für die Aborigines in Adelaide, um sie in ihrer Muttersprache zu unterrichten. Ende 1840 hätten sie das erste Wörterbuch in Kaurna-Sprache veröffentlicht. Zwei weitere Sprachen seien gleichfalls in Wörterbüchern festgehalten worden. Ergänzend fertigten die Missionare drei ethnografische Studien an. Denn Aborigines lernten ihre Sprache nur dort, wo sie mit den Füßen auf dem Boden stehen. "Ihre Sprache ist ganz fest mit Spiritualität verbunden", erläuterte der Referent. Jede der damals rund 250 Aborigines-Sprachen spiegele eine bestimmte Lebensart und Landschaft wider. Heute würden nur etwa 15 der Sprachen gesprochen.

Die Schule der Missionare sei nach nur fünf Jahren von den Engländern geschlossen worden. Und acht Jahre, nachdem Teichelmann in Australien ankam, waren die Aborigines nahezu verschwunden, vertrieben von den weißen Einwanderern. Bis 1858 habe sich Teichelmann noch mit der Kaurna-Sprache beschäftigt.

Danach siedelte er sich auf einer Adelaide gegenüber liegenden Insel im heutigen Stansbury an. Er heiratete Margaret Nicolson, hatte mit ihr elf überlebende Kinder und gründete mit ihr die 1. Methodistische Kirche. Teichelmann verstarb im Alter von 80 Jahren. Auf der Suche nach seinen Nachfahren in Stansbury stieß Gerhard Ruediger auf die Farm der Familie Brundell sowie die Ruinen des Hauses von Teichelmann.