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| 02:46 Uhr

Wahlsdorfs Laden blüht neu auf

Kerstin Keil mit den Kundinnen Christel Schoene und Helga Mühlberg (v.l.). Ein neues Bistro schließt sich an den Laden an.
Kerstin Keil mit den Kundinnen Christel Schoene und Helga Mühlberg (v.l.). Ein neues Bistro schließt sich an den Laden an. FOTO: be
Wahlsdorf. Die Wahlsdorferin Kerstin Keil hat den Laden in ihrem Heimatort vor dem Aus gerettet und um ein Bistro erweitert. Das Haus ist zum lebendigen Zentrum in der Dorfmitte geworden. Für 2016 gibt es weitere Ideen. Carmen Berg

Morgens gegen halb neun ist es voll im Dorfladen von Kerstin Keil. Frische Brötchen, Säfte, Milch und die RUNDSCHAU vom Tage füllen die Einkaufskörbe. Man kennt sich, wünscht einander ein gesundes neues Jahr, fragt nach der Nachbarin, der es gerade nicht so gut geht oder nach den Kindern, die im Urlaub waren. "Es ist gut, dass es den Laden gibt. Hier bekomme ich alles, was ich brauche und erfahre, was im Dorf passiert", sagt der 81-jährige Gerhard Hahn. "Der Laden bedeutet für Wahlsdorf viel, er ist ein Treffpunkt", ergänzt Helga Mühlberg.

Im Vorjahr stand er vor dem Aus, als der Vorbetreiber aus Altersgründen aufgab. Auf der Suche nach einer Lösung sprach Ortsvorsteher Thomas März mit Kerstin Keil. Die gelernte Computerfachfrau, die ursprünglich aus Zeitz kommt, wohnt seit vier Jahren in Wahlsdorf. Zuvor hatte sie in Sachsen-Anhalt schon einige Jahre ein Bistro geführt. "Ich habe lange überlegt und gegrübelt, ob sich ein Geschäft auf dem Lande heute noch rentiert", erzählt die 46-Jährige. Ihr Mann Guido, ein Bauunternehmer, habe sie jedoch ermutigt, sich auf das Wagnis einzulassen. Auch Schwiegermutter Brigitte Querhammel unterstützte, wo sie konnte. Die 77-Jährige war viele Jahre die Chefin im Dorfkonsum an gleicher Stelle. "Für mich war der Laden immer wie ein zweites Zuhause", erinnert sie sich.

Familie und Freunde packten an, gestalteten das Innenleben der Verkaufseinrichtung völlig neu. Nicht nur heller, auch größer ist alles geworden. Denn umgekrempelt hat die neue Betreiberin zugleich das Gesamtkonzept. Aus einem Lager wurde ein Bistro im Ambiente einer Bauernstube mit 20 Plätzen. Dort essen Handwerker in der Frühstückspause ihre Bockwurst, abends treffen sich Rentner auf ein Bierchen und Jugendliche zum Kartenspiel. Manch Wahlsdorfer lässt sich mittags für zu Hause einen Topf mit Kerstin Keils leckeren Suppen füllen, ein Renner in der kalten Jahreszeit. "Die neue Doppelnutzung ist besonders für die vielen älteren Leute schön, die bei Kaffee und Kuchen noch ein wenig sitzen und klönen können", findet Helga Mühlberg.

An der mit hellem Holz dekorierten Bistrowand zeigen Fotos das Landleben in früherer Zeit. Die Heuernte ist darauf zu sehen und die Vesper am Feldrand nach getaner Arbeit. "Die Leute im Dorf sind in der Landwirtschaft verwurzelt, der eine oder andere erkennt sich oder Vorfahren auf den Bildern wieder", erzählt Kerstin Keil. So werde in den Geschichten zu den Bildern Heimat lebendig, freut sie sich.

Ihr Laden mit Bistro hat an sieben Tagen in der Woche geöffnet. In der schönen Jahreszeit will sie auch am Sonnabend und Sonntag ganztags für die Gäste da sein. Bis dahin soll der Eingang barrierefrei umgebaut werden. Davon profitieren neben Kunden mit Handicap die Touristen der Fläming-Skate, die am Geschäft unmittelbar vorbeiführt. Vor dem Haus soll bis zur Freiluft-Saison ein Biergarten eingerichtet werden. Dort wird Kerstin Keil dann neben Kuchen und Imbiss selbst gemachtes Softeis servieren. "Man muss sich für die Gäste immer wieder was einfallen lassen", sagt sie. Die Entscheidung für den Laden habe sie nicht bereut.