Von Carmen Berg

Die kleine Emma muss nicht lange überlegen, was ihr an der Kita des Vereins Baumkuchen e.V. besonders gefällt: „Die Ackerstunde.“ Miriam mag den Waldtag. „Wir waren schon auf dem Hochsitz“, schwärmt die Sechsjährige. Der Trägerverein setzt bei seinem Konzept ganz auf Natur – das macht es für Kita-Team und Eltern schwierig, voraussichtlich 2020 für ein Jahr oder länger in ein Ausweichquartier in die Stadt zu ziehen.

Dabei ist der Grund für den Umzug ein erfreulicher. Die Kita soll saniert und mit dem vorgelagerten maroden Dorftreff zu einem Zentrum für Jung und Alt umgebaut werden. Der Verein Baumkuchen, gegründet 2014 von Zuzüglerfamilien aus der Stadt, hat schon viele Ideen, den Dorftreff zu beleben.

Sorgen bereitet die Überbrückungszeit, wie  Erzieherinnen, Eltern und Vereinsmitglieder vor dem Stadtparlament Ende August deutlich machten. Sie fürchten, dass ihr Konzept der Naturkita auf der Strecke bleibt. Eine Besichtigung der Räume an der Schule, die schon von  ASB-Kitas in Dahme und Rosenthal während der Sanierung als Ausweich genutzt wurden, habe die Skepsis nicht ausgeräumt, sagt Erzieherin Natascha Giebichenstein bei einem Gang durch den Heinsdorfer Kita-Garten.

Im zweiten Jahr bestellen die Kinder dort ihren eigenen Acker, begleitet von Fachleuten der Gemüseakademie. Sie zeigen den Jungen und Mädchen, wie man den Boden bearbeitet, bepflanzt und pflegt. An diesem Morgen holen die älteren Kita-Kinder den letzten Palmkohl vom Feld und greifen anschließend zur Hacke. Die Unter-Drei-Jährigen helfen beim Laubsammeln und strahlen, als die Karre voll ist. Die Ackerstunde gehört ebenso zum Kita-Alltag wie der wöchentliche Waldtag oder der Besuch bei den Schafen, Schweinen, Hühnern und Enten in der Nachbarschaft, die  die Kinder auch füttern dürfen. Nach der „Arbeit“ auf dem Acker toben die Steppkes im „Laubbad“ und klettern begeistert durch einen mächtigen ausgehöhlten Baumstamm. Möglickeiten, die die Naturkita Natascha Giebichenstein zufolge in Dahme so nicht finden wird, wo es bei der Schule zwar eine Wiese gibt und einen Spielplatz im nahen Tierpark, doch der nächste Wald beispielsweise für die Kinder viel zu weit sei.

Zudem sei von 22 Baumkuchen-Kindern die Hälfte im Krippenalter. Das sei bei den anderen Kitas nicht so gewesen und in den vergleichsweise großen Schulräumen ohne Schallschutz ein zusätzliches Problem, geben die Kita-Erzieherinnen zu bedenken.

Der Verein schlug deshalb vor, zwei leere Erdgeschoss-Wohnungen im benachbarten Heinsdorfer Wohnblock zusammenzulegen, damit die Kinder in der Bauzeit im Dorf bleiben könnten, und bot bei Arbeiten Hilfe an. Was womöglich einfacher gedacht, als getan ist.

Es geht, bei dieser Wunschvarinate „um Geld und um Zeit“, wie es die zuständige Abteilungsleiterin der Amtsverwaltung, Michelle Schlomach, ausdrückt. Die Wohnungsbau und Verwaltungs GmbH schätzte die Kosten für den Wohnungsumbau auf 60 000 Euro. Um festzustellen, ob eine Kita dort tatsächlich installiert werden kann, müsste die Stadt zunächst eine Umnutzung des Wohnraumes beantragen, wofür laut Bauamtsleiterin Christina Denkel Bauzeichnungen nötig sind. Sprich: Auch das bedeutet Kosten.

In einer ersten Diskussion im August sahen viele Stadtverordnete das kritisch angesichts der hohen Investition in den geplanten Neubau von Kita und Gemeindetreff. Rund 1,05 Millionen Euro sollen laut Bauverwaltung in die Gebäude ohne Außenanlagen fließen, eine Förderung des Vorhabens zu 75 Prozent ist beantragt.

Wie Michelle Schlomach auf RUNDSCHAU-Nachfrage sagt, ist eine Entscheidung noch nicht gefallen. Voraussichtlich Ende des Monats wollen Verwaltung und Wohnungsbaugesellschaft die Wohnungen nochmals unter die Lupe nehmen. Das letzte Wort haben dann die Stadtverordneten in einer ihrer nächsten Zusammenkünfte.