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| 18:05 Uhr

Bauernverband hat getagt
Zwischen Frust und Investitionen

Digitalisierung ist in der Landwirtschaft ein wichtiges Thema. Joachim Klindworth vom Milchgut Görlsdorf erläutert währen der erweiterten Vorstandssitzung des Bauernverbandes Südbrandenburg das moderne Milchkarusell.
Digitalisierung ist in der Landwirtschaft ein wichtiges Thema. Joachim Klindworth vom Milchgut Görlsdorf erläutert währen der erweiterten Vorstandssitzung des Bauernverbandes Südbrandenburg das moderne Milchkarusell. FOTO: LR / Anja Brautschek
Görlsdorf. Zur erweiterten Vorstandssitzung des Bauernverbandes Südbrandenburg haben Landwirte der Region ihre Sorgen dem Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger geklagt. Große Herausforderungen sind vor allem die Dürre, der Wolf und die Digitalisierung. Von Anja Brautschek

Harte Zeiten sind es derzeit für Landwirte in der Region. Die anhaltende Dürre macht allen zu schaffen. Bereits jetzt sind ein Großteil der Felder abgeerntet – wesentlich früher als üblich. Doch die Bauern rechnen aufgrund der Trockenheit mit erheblichen Verlusten. „In Brandenburg sind die Auswirkungen extrem unterschiedlich. Landwirte im Havelland haben bis zu 80 Prozent Verluste, andere sind mit dem Jahr bislang sogar recht zufrieden“, beschreibt Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger während der erweiterten Vorstands-
sitzung des Bauernverbandes Südbrandenburg die Situation im Land.

Konkrete Unterstützung konnte er den Bauern jedoch nicht zusagen. Für die entstandenen Schäden aufgrund von Hochwasser und Dauerregen im vergangenen Jahr hat das Land Mittel zur Verfügung gestellt. Einen zweistelligen Millionenbetrag werde an geeignete Betriebe verteilt. Neben Brandenburg habe lediglich Baden-Württemberg so ein Hilfsprogramm auferlegt, betont Vogelsänger. „Ob es das für 2019 ebenfalls gibt, kann ich noch nicht garantieren“, sagt Vogelsänger und verweist auf laufende Haushaltsdebatten. Aus Sicht der Bauern ist es eine unzureichende Unterstützung.

Viele Landwirte erfüllen ohnehin nicht die notwendigen Voraussetzungen dafür. Denn es müssen
30 Prozent Einkommensverlust nachgewiesen werden. „Wer zur Pflanzen- auch eine Tierproduktion betreibt, ist faktisch bereits aus dem Programm gefallen.“ beschreibt Frank Neczkiewicz von der Milcherzeugergemeinschaft die Situation. Aufgrund von mehreren Standbeinen macht die Pflanzenproduktion bei ihm rund ein Drittel aus. Und doch: Bei 30 bis 40 Prozent Ernteverlust rechnet er mit Einbußen von rund einer halben Million. „Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die
30 Prozent auf dem Naturalertrag bezogen werden“, fordert Wolfgang Scherfke vom Landesbauernverband. Auch steuerfreie Risikorücklagen würden die angespannte Situation für Landwirte erleichtern. „Dabei sind wir mit der Aufnahme in den Koalitionsvertrag bereits einen Schritt weiter“, erklärt Scherfke.

Weiterhin Sorgen bereitet den Landwirten der sich ausbreitende Wolf. Viele Richtlinien seien diesbezüglich zu unklar, sagen sie. „Was passiert, wenn der Wolf eine Kuhherde ausspäht und die Tiere ausbrechen? Wie kann ich meine Mitarbeiter davor schützen?“, will Joachim Klindworth wissen. In solchen Fällen greift der Versicherungsschutz der Landwirte. Das Land zahlt nur einen Ausgleich für Risse, finanziert aber auch Vorsorge-Maßnahmen. „Wir müssen Möglichkeiten für das Zusammenleben mit dem Wolf finden“, sagt Vogelsänger. Entscheidend dafür sei die Auslegung des Bundesnaturschutzgesetzes. „Wir haben deshalb eine Anfrage gestellt, was Bewirtschaftungsmaßnahmen beim Wolf konkret bedeutet“, erklärt er.

Doch trotz steigender Herausforderungen ist die Branche weiter im Wandel. Investitionen werden vor allem in Digitalisierung getätigt. Vielerorts sind Ställe und Arbeitsgeräte hochmodern und voller Technik.

Joachim Klindworth stellt zur Vorstandssitzung unter anderem das neue Melkkarusell vor. Bis zu
56 Kühe haben darin Platz und werden vollautomatisch gemolken. Eine Laser-Anlage erkennt schlechte Milch und trennt diese von der guten, erklärt er. Das Milchgut Görlsdorf handelt nach dem Prinzip: Luft – Licht – Bewegung. Ein größerer Abkalbestall sorgt für weniger Stress bei den Tieren. Kleinere Gruppen haben mehr Platz. Das sind Maßnahmen, die das Tierwohl unterstützen. Und automatisierte Arbeitsabläufe benötigen zugleich weniger Mitarbeiter. „Geht jemand zu den Tieren, ist das immer ein Stressfaktor“, erklärt Klindworth. Doch die Anschaffungskosten solcher Technik ist hoch – und mit dem derzeitigen Milchpreis kaum zu finanzieren, sagen die Landwirte. Sie sehen deshalb das Land für weitere Unterstützung in der Pflicht. „Ohne die Landwirtschaft hat der ländliche Raum keine Zukunft“, betont Vogelsänger.