Von  Anja Brautschek

Viele Autofahrer kennen es: Wenn plötzlich ein Tier die Straße überquert, dann ist der Schreck meist groß. Vor allem jetzt im Winter ist die Gefahr besonders groß. Denn die Böden sind gefroren. In den Morgen- und Abendstunden sind daher die Tiere vermehrt unterwegs zu ihren Futterplätzen. Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, rät daher zu besonderer Achtsamkeit.

„Wir Menschen können das meiste unternehmen, um Unfälle zu vermeiden“, sagt sie. Denn die Tiere können Autos bei normalen Geschwindigkeiten auf Landstraßen nicht wahrnehmen. Also am besten runter vom Gas und langsamer, aber vorausschauend fahren. Auch Frank Kuhnert, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Dahme-Spreewald, rät zu besonderer Vorsicht. „Man sollte nicht nur in Wäldern mit Tieren rechnen. Sie kennen keine Verkehrsschilder und können überall hervorspringen“, gibt er zu bedenken. Er selbst hat erst vor wenigen Tagen eine solche Erfahrung gemacht. Kurz hinter dem Ortsausgang von Lübben rannten mehrere Rehe aus den Büschen über die Straße. Für Autofahrer hat er einen besonderen Tipp parat: Am besten nicht mit Fernlicht fahren. „Man sieht dadurch weiter und fährt automatisch schneller. Mit Abblendlicht ist man langsamer unterwegs“, erklärt er.

Schon geringe Geschwindigkeiten können großen Schaden anrichten. Bei 50 km/h trifft ein 17 Kilogramm schwerer Rehbock mit einer Aufschlagskraft von 425 Kilogramm auf das Auto, rechnet Ines Filohn vor. Bei 70 km/h ist es bereits die doppelte Aufschlagskraft. Bei einem 80 Kilogramm schweren Wildschwein entspricht die Wucht demnach bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern bereits 2000 Kilogramm – in etwa so viel wie ein Nashorn.

In der Region um Luckau ist die Gefahr für Wildunfälle besonders hoch. Statistisch gesehen werden dort am häufigsten Wildunfälle aufgenommen. Auch in Heideblick und Richtung Lieberose kracht es häufig mit Reh, Wildschwein und Co. Die Ursachen liegen laut Filohn an der landwirtschaftlichen Prägung der Region. Es gibt viele Wald- und Nutzflächen. „Dadurch halten sich die Tiere vermehrt dort auf“, erklärt sie.

Sobald ein Reh die Straße quert, sollten Autofahrer am besten abbremsen und anhalten. „In den Wintermonaten sind Rehe in Gruppen zusammengeschlossen. Es folgen daher meist weitere“, erklärt Ines Filohn. Über Hupsignale können folgende Tiere gewarnt und Kollisionen vermieden werden. Auch Abblenden ist sinnvoll. Bei grellem Scheinwerferlicht sind die Tiere meist orientierungslos. Sie rät, das Lenkrad gerade zu halten und nicht auszuweichen. Denn der Zusammenstoß ende meist glimpflicher als eine Kollision mit dem Gegenverkehr oder einem Baum.

War ein Wildunfall nicht zu verhindern, so sollte die Polizei darüber  informiert werden. Diese nimmt die versicherungsrelevanten Daten auf, damit der Schaden über die Kasko-Versicherung reguliert werden kann und informiert den zuständigen Jäger.