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| 02:51 Uhr

Von Unterhaltungskanonen und Lesereisen

Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe FOTO: pr
Jürgen von der Lippe kommt in die Region - im Oktober steht das Multitalent einmal in Cottbus und gleich zweimal in Hoyerswerda auf der Bühne. Die RUNDSCHAU hat wenige Minuten vor einem Auftritt in Stade mit dem Unterhaltungsgenie gesprochen.

Herr von der Lippe, Sie stehen in einer dreiviertel Stunde schon auf der Bühne - 45 Minuten vor dem Auftritt haben Sie noch Zeit für ein Interview. Heißt das, dass Sie vor Auftritten keine Rituale pflegen?
Nein, dafür habe ich ja gar keine Zeit. Ich werde ja immer mit Interviews zugeknallt (lacht). Hab ich aber auch sonst nie getan.

Mit welchen Sorgen sind Sie heute Morgen aufgestanden? Haben sich Ihre morgendlichen Sorgen im Laufe der Zeit verändert?
Nö - es kann zwar sein, dass sich die Sorgen ändern, aber allen Sorgen gemeinsam ist, dass es aktuelle sind, die die aktuellen Lebensumstände betreffen. Meine Sorge heute Morgen war: Hoffentlich ist es nicht so heiß, dass ich schon um neun Uhr aus dem Zimmer muss. Ich habe ein Hotelzimmer unterm Dach, das Hotel hat keine Klimaanlage und ich habe den ganzen Tag Sonne. Heute ging es gerade noch so - ich bin um halb elf abgehauen und habe den Tag in der Stadt verbracht. Das sind solche Sorgen. Und ob mir nun irgendwas wehtut, naja, das tut es ja immer. Aber Sorgen sind das sowieso nicht - eine Sorge wäre, wenn man etwas an sich feststellt und sagt: Hoppla, du kannst ja heute Abend nicht auftreten. Das würde ich als Sorge bezeichnen. Davon bin ich schon seit einiger Zeit verschont geblieben - hab ich aber auch schon gehabt.

Auf einer Ihrer aktuellen CDs sind Sie mit Dr. Eckard von Hirschhausen zu hören - wie kam es dazu, dass Sie beide zusammengearbeitet haben?
Er hat mich gefragt - deswegen ist es auch nicht meine aktuelle CD, sondern sein Projekt. Der Erlös geht ja an die Klinikclowns "Humor hilft heilen" - seine Stiftung. Wir sind befreundet und er hat mich schon vor längerer Zeit gefragt, ob ich die Karasek-Nachfolge antreten möchte. Und ich habe gesagt: Selbstverständlich. Dadurch, dass ich aber auch Hörbücher einlese, bringe ich ja andauernd etwas raus - und da gibt es schon wieder etwas Aktuelleres. Ich habe gerade den zweiten Roman von Arto Paasilinna eigelesen - dem finnischen Kultautor. Und ich habe "Die Besteigung des Rum Doodle" eingelesen, dieses Kultbuch aus den 50er-Jahren. Das sind Geschichten, die immer so nebenbei laufen.

Das bringt mich zur nächsten Frage: Sie lesen Hörbücher ein, Sie machen Musik, Sie stehen auf der Bühne, Sie sind Schriftsteller - das sind unheimlich viele Kanäle, auf denen Sie unterwegs sind. Wenn Sie sich einen davon aussuchen müssen, welcher wäre das?
Das ist eine hypothetische Frage, die nicht infrage kommt, weil ich genau das nicht machen würde. Ich würde die Frage "Was betrachtest du als Hauptberuf?" ganz klar mit "Die Bühne" beantworten. Aber ich würde nicht 365 Tage im Jahr auf der Bühne stehen wollen. Dann wäre ganz schnell der Zeitpunkt erreicht, an dem ich sagen würde: Es kotzt mich an, ich kann's nicht mehr. Ich bin ein Mensch, der Abwechslung braucht. Ich muss ein bestimmtes Spektrum bedienen, das sich zwar alles innerhalb der Unterhaltung subsummieren lässt, aber ich brauche wirklich unterschiedliche Projekte, unterschiedliche Phasen und Tätigkeiten. Ich brauche auch mal einen kleinen Zeitraum, in dem ich nicht selber aktiv bin, sondern bei Kollegen in Talkshows oder so zu Gast bin und dort dann einen gewissen Input kriege.

Sie stehen im Oktober dreimal in unserer Region auf der Bühne - einmal in Cottbus in der Stadthalle und zweimal in Hoyerswerda in der Lausitzhalle. Dass die Zuschauer an den drei Abenden viel Lustiges erwarten werden, ist klar. Aber was erwarten Sie von den Zuschauern, die zu Ihrem Auftritt kommen?
Ich hole zum ersten Mal in meiner Bühnenkarriere Leute auf die Bühne, mit denen ich verschiedene Dinge anstelle - mal Sprachspiele, mal geht's um Musik. Ich spiele auf dem Saxofon Musiktitel, die sie erraten sollen. Anschließend spielen sie selber was - nicht auf dem Saxofon, sondern auf etwas Einfacherem. Das Ganze ist ein Riesenspaß und es ist natürlich immer wieder spannend, wen man dazu kriegt, auf die Bühne zu kommen. Und sind das Leute, die sich als Unterhaltungskanonen entpuppen oder eher als ... naja, sagen wir mal "introvertiert". So eine Entscheidung fällt man ja in wenigen Sekunden. Das macht mir Riesenlaune und das gibt dem Programm auch noch einmal einen "Frischekick". Ich bin mit diesem noch sehr jungen Programm außerordentlich glücklich und zufrieden, aber ich habe schon das Stadium erreicht, dass ich nichts mehr umbauen muss.

Wie lange werden Sie noch auf der Bühne stehen?
Ich will in Zukunft auch vermehrt Lesereisen machen, um mir dieses andere Publikum zu behalten. Dann bin ich ja auch an anderen, kleineren Veranstaltungsorten, vielleicht auch mal in Städten, in denen ich bisher noch nie war. Das möchte ich mir erarbeiten, weil es langfristig auf Lesereisen hinauslaufen wird - irgendwann kommt mal der Zeitpunkt, an dem man sagt: Das ist jetzt einfach zu anstrengend, zweieinhalb Stunden auf der Bühne zu stehen - das ist schon ein Kraftakt, psychisch und damit auch physisch.

Mit Jürgen von der Lippe sprach Daniel Schauff

Zum Thema:
Jürgen von der Lippe - eigentlich Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp - wurde 1948 in Bad Salzuflen (Kreis Lippe) geboren. 1976 - nach abgebrochenem Studium - gründete von der Lippe gemeinsam mit Hans Werner Olm die "Gebrüder Blattschuss". Im Fernsehen ist von der Lippe seit 1980 in vielen unterschiedlichen Formaten zu sehen. Außerdem schreibt er Bücher und spricht Hörbücher ein. Auf der Bühne ist von der Lippe am 16. Oktober in der Cottbuser Stadthalle und am 17. und 18. Oktober in der Hoyerswerdaer Lausitzhalle zu sehen.