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Von Seelenreparatur und Giftschrank

Micha Brendel und Karen Ascher vor ihren Arbeiten für die Ausstellung "Kunst im Viereck".
Micha Brendel und Karen Ascher vor ihren Arbeiten für die Ausstellung "Kunst im Viereck". FOTO: Ingvil Schirling
Lübben/Luckau. Wie beeindruckend vielfältig Kunst in Dahme-Spreewald ist, zeigt sich seit Dienstag in Lübben. Die Vertikale-Galerie am Beethovenweg steht ganz im Zeichen der neuen Gemeinschaftsausstellung von 46 Künstlern aus dem Landkreis. Ingvil Schirling

Anlass ist, dass die Landkreisverwaltung seit genau 20 Jahren Kunstausstellungen organisiert. In der Lübbener Flurgalerie an der Reutergasse zeigten über den Jahreswechsel 1994/94 exakt 35 Künstler aus dem gesamten, damals neuen Landkreis ihre aktuellen Arbeiten. Später wurde die Vertikale-Galerie in der Verwaltungsnebenstelle am Lübbener Beethovenweg eingerichtet. Dort präsentieren seit Dienstag 46 Künstler aus Dahme-Spreewald einen Querschnitt durch den aktuellen Stand der Kunst im Landkreis. Darunter sind fünf, die bereits vor 20 Jahren Teil der ersten Ausstellung waren - wie Monika Fuchs, Sybille Grunert und Monika Schubert aus Lübben.

Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) nannte die Hauptthemen der Schau: "Heimatverbundenheit, Toleranz, Offenheit, Sensibilität und Sinn für Schönheit kommen zum Ausdruck." Allen gemeinsam war eine einzige Leitlinie: Es sollte ein vierkantiges Format zugrunde liegen. "Kunst im Viereck" ist daher der Titel.

Dicht an dicht gehängte, einheitlich gerahmte Bilder an der Wand zeigten allein schon die beeindruckende Vielfalt von Kunst im Landkreis Dahme-Spreewald - oft hintersinnig und mit mehrfachen Bedeutungsebenen auf den zweiten, dritten Blick. Eine Reihe von Objekten in Vitrinen und freistehend unterstrichen dies noch. Die Arbeiten von Micha Brendel aus Hohendorf bei Sellendorf und Karen Ascher aus Lübben fanden sich zusammen in einer Vitrine in der "morbiden Ecke", wie Micha Brendel augenzwinkernd sagte. Er hatte einen "Energiekoffer für kleine seelische Reparaturen" mitgebracht.

Brendel spielt auf alchimistische Prinzipien und Apothekertraditionen sowie Barock- und Renaissance-Ästhetik an. Ein konservierter Wiesel- oder Marderschädel findet sich im Koffer, eine getrocknete, goldüberzogene Plazenta sowie Gläser mit getrocknetem Blut und pulverisiertem Knochenmark. Brendel verbindet animistische Heiltraditionen und historisch-ethnologische Versuche, Kräfte sichtbar zu machen, die (noch) unsichtbar sind. Er transportiert magische Vorstellungen in die heutige Zeit und kommt zu einem rätselhaften, mystischen, leicht verstörenden, aber anregenden Ergebnis.

Die Lübbenerin Karen Ascher wiederum hat Nietzsche-Philosophie in Keramik gebrannt. Ihr "Giftschrank" wird von einem Miniatur-Totenschädel gekrönt und basiert auf einem Zitat, das sie an der Seite direkt mitverarbeitet hatte: "Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechender Tropfen von Leichtsinn beigemischt sein, und nun habt ihr wunderlichen Apothekerseelen aus ihm einen übelriechenden Gifttropfen gemacht, durch den das ganze Leben widerlich wird."

"Kunst im Viereck", eine repräsentative Gemeinschaftsausstellung von 46 Künstlern aus Dahme-Spreewald, ist bis 8. Juli in der Vertikale-Galerie der Landkreis-Verwaltung am Beethovenweg 14 in Lübben zu sehen. Öffnungszeiten: Montags bis donnerstags von 7 bis 18, freitags von 7 bis 16 Uhr.