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| 17:14 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour in Schwarzenburg
Von der Strafstelle für Lehrer zum Museum

So sah der Lehrer einst auf seine Schüler im historischen Klassenzimmer von Schwarzenburg. Zur RUNDSCHAU-Sommertour waren die alten Bänke im Schulmuseum mit interessierten Gästen gut gefüllt.
So sah der Lehrer einst auf seine Schüler im historischen Klassenzimmer von Schwarzenburg. Zur RUNDSCHAU-Sommertour waren die alten Bänke im Schulmuseum mit interessierten Gästen gut gefüllt. FOTO: Birgit Keilbach
Schwarzenburg. RUNDSCHAU-Sommertour weckte im Schulmuseum Schwarzenburg Erinnerungen an die Schulzeit. Von Birgit Keilbach

Mitten in den Ferien führte die RUNDSCHAU-Sommertour am Mittwoch in die Schule. Allerdings in eine ganz besondere, die es so im Land Brandenburg nicht noch einmal gibt. Das Schulmuseum in Schwarzenburg ist Teil eines denkmalgeschützten Gebäudeensembles aus Klassenzimmer, Lehrerwohnung und Kirchenraum.

In der historischen Einklassenschule ist noch alles so erhalten, wie es am letzten Schultag im Jahr 1972 ausgesehen hat. Die hölzernen Schulbänke mit dem Tintenfässchen, die alten Lehrbücher in den Schränken mit verglasten Türen, Tierpräparate, Anschauungstafeln, ein riesiger Rechenschieber an der Wand, viele weitere Dinge aus dem Schulalltag früherer Schüler-Generationen. Überwiegend sitzen diese am Mittwoch in den Bänken, einige haben ihre Enkelkinder mitgebracht, um ihnen die eigene Schulzeit nahezubringen.

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Die ehemalige Lehrerin Heidemarie Große erzählt aus der Geschichte der Einklassenschule, die im Jahr 1909 eingeweiht wurde, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahr 1830 zu klein geworden war. Von der ersten bis zur achten Klasse sei der Unterricht vom jeweiligen Lehrer erteilt worden. Einblick in die damaligen Erziehungsmethoden mit dem Rohrstock gibt sie mit einem Blick ins erhalten gebliebene Strafbuch. „Ein Hieb mit Stock wegen Faulheit; zwei Schläge, weil er versuchte, den Lehrer zu betrügen; drei Schläge aufs Gesäß wegen Schulverweigerung“, nennt sie Beispiele. Auf einen Unterschied macht Zuhörer Manfred Nürnberger aufmerksam: „Nur die Jungen wurde aufs Gesäß geschlagen, die Mädchen auf den Rücken.“

Die ehemalige Lehrerin Heidemarie Große blickte unterhaltsam mit Fakten, Zahlen und Anekdoten in die Schwarzenburger Schulgeschichte.
Die ehemalige Lehrerin Heidemarie Große blickte unterhaltsam mit Fakten, Zahlen und Anekdoten in die Schwarzenburger Schulgeschichte. FOTO: Birgit Keilbach

Doch Strafen gab es nicht nur für Schüler. Auch die Schule selbst, abgelegen und mitten im Wald, sei von den Lehrern als Strafstelle betrachtet worden. „Die meisten Lehrer hielten es hier nicht lange aus“, blickt sie zurück. Geändert habe sich das erst 1949, als Helmut Österitz seinen Dienst antrat. Er fand hier die Frau fürs Leben und blieb. Bis zur Schließung 1972 unterrichtete er in der Einklassenschule. Als Lehrerin an der Walddrehnaer Schule habe sie ihn und seinen Kollegen immer beneidet: „Hierher kam kein Schulinspektor. Sie konnten das machen, was sie wollten und für richtig hielten.“

Als die Schulspeisung eingeführt wurde, kochte Käte Österitz für die Schüler in der eigenen Küche. Diese Einrichtung ist in einem Nebengebäude zu betrachten. Ihr Mann Helmut verwirklichte im Ruhestand seinen Traum vom Schulmuseum. Im Jahr 2004 wurde es eingeweiht. Heute wird es vom Heimatverein Schwarzenburg betreut, der auch die frühere Lehrerwohnung in Eigenregie als Ausstellungs- und Versammlungsraum herrichtet. Weitere Einblicke bot den Gästen ein Film über das Schulmuseum.

Bei Monika Drillisch weckte der Besuch im Schulmuseum schöne Erinnerungen an die eigene Schulzeit. „Bei uns in Walddrehna gab es auch solche Schulbänke und Schränke.“ Und vom Rohrstock habe ihr die Mutti erzählt, „dass sie ihre Hände auf den Tisch legen mussten, und der Lehrer hat mit dem Stock draufgeschlagen.“ Für Mathilda und Asta aus Potsdam ist so etwas heute nicht mehr vorstellbar. „Aber in der Schulbank hat es sich gut gesessen, irgendwie bequemer“, beschreibt die siebenjährige Mathilda ihren Eindruck. Oma Sylvia Krüger war neugierig, was aus dem Schulmuseum von Helmut Österitz geworden ist. „Ich habe das Ehepaar gut gekannt, es waren ganz freundliche, zuvorkommende Leute“, sagt die Luckauerin.

„Wir hatten diese Schulbänke in den ersten zwei Schuljahren auch“, blickt Gabi Müller aus Kallstadt an der Weinstraße zurück. Ihr habe es super gefallen, wie die ehemalige Lehrerin „wie lebendig der Verein das hier alles ehrenamtlich gestaltet“, sagte sie.

Die Luckauerin Renate Lungwitz hatte ihre Enkel aus Berlin zum Ausflug in die Schulhistorie mitgenommen. „Die Atmosphäre war schon altmodisch“, stellte der zehnjährige Arkadi fest. Die kleinen Schiefertafeln fand er interessant, und der Rechenstab war für ihn etwas Neues. „Hier war wohl alles familiärer weil sich jeder kannte, die Schüler, die Lehrer und die Eltern. Bei uns kommen alle aus verschiedenen Stadtbezirken, und wir wechseln auch das Klassenzimmer häufig“, beschrieb die 13-jährige Gymnasiastin Jolina den für sie auffälligsten Unterschied.