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Von Agnes bis Windrad-Wandern

Idyllisch ist die Stadt von oben. Doch unter Dahmes Dächern leben immer weniger Menschen.
Idyllisch ist die Stadt von oben. Doch unter Dahmes Dächern leben immer weniger Menschen. FOTO: Harald Friedrich/hkw1
Dahme. Prognosen zufolge wird das Dahmer Land bis 2030 ein Drittel seiner Einwohner verlieren. Was tun, damit die Stadt auch künftig lebenswert bleibt? In einem Entwicklungskonzept macht die Verwaltung Vorschläge, die am heutigen Donnerstagabend Thema der Stadtverordneten sind. Auch die Bürger sollen sich mit Ideen und Wünschen einbringen. Carmen Berg

Schwindende Bevölkerung, leere Wohnungen und Läden. Der Trend ist nicht neu. Bereits 2007 wurden Vorschläge gegen das "Ausbluten" konzipiert. Einige Vorhaben von damals wie der Ausbau der Dahmer Ortsdurchfahrt hängen bis heute in der Warteschleife. Es sei Zeit für eine Zwischenbilanz und Aktualisierung, so Kathleen Schmidt von der Amtsverwaltung.

"Die Nebenstraßen sind schön, die Hauptstraße, die jeder sieht, ist eine Katastrophe", ärgert sich Jürgen Reder (SPD). Im Frühsommer soll es endlich losgehen mit der Sanierung. "Das ist gut fürs Stadtbild", sagt der Abgeordnete, sieht jedoch die Bauzeit von mehreren Jahren fürs Gewerbe als Problem. Bauamtsleiterin Christina Denkel findet, es werde Zeit, einen Unternehmerstammtisch oder Gewerbeverein auf die Beine zu stellen. "Es wird viele Fragen geben, die nur gemeinsam zu klären sind."

Mehr Zusammenhalt nötig

Das Miteinander in der Stadt zu stärken, sieht das Konzept als entscheidenden Aspekt für die Zukunft an. Ortsvorsteher Manfred Radan (SPD) ist skeptisch, ob das gelingen wird. Der Gewerbestammtisch sei "Wunschdenken seit Anfang der 1990er Jahre." Auch das Zusammenwirken von Stadt und Dörfern stimme oft nicht. "Jeder sieht nur zu, dass sein Ortsteil nicht zu kurz kommt", mahnt er Umdenken an.

Wo jeder dritte Einwohner älter als 60 Jahre ist, werden medizinische Versorgung und Busverbindungen immer stärker zum Faktor für Lebensqualität, geht Kathleen Schmidt auf eine weitere Herausforderung ein. Im April beginne die Testphase für ein Rufbussystem, das als Zubringer für die Busse an der B 102 fungiert, kündigt sie an. Gegen Ärztenotstand soll in der Perspektive das System Agnes helfen. Fachschwestern seien bei den Patienten unterwegs mit elektronischer Rückkopplung zu den Ärzten.

Neue Wege werden im Tourismus vorgeschlagen, der für die Stadt ein Wirtschaftsfaktor sei. Dahme will als Vorreiter bei erneuerbaren Energien den Energietourismus forcieren. Wie bisher entlang der Wassermühlen könnten künftig Touren zu den neuen Energiequellen wie beispielsweise Windparks führen, erklärt Kathleen Schmidt.

Die noch offene Sanierung des Schwimmerbeckens im Dahmer Bad wird aus dem Konzept von 2007 ebenso ins neue übernommen wie die Privatisierung des Erholungsgebietes am Körbaer Teich, sagt sie weiter. Der Kaufinteressent sei abgesprungen, so Christina Denkel. Deshalb habe sich die Stadt bei einer Neuausschreibung auf einen Teil des Gesamtgeländes beschränkt. Der frühere Dauercampingplatz, Sanitäranlagen und Anmeldung sollen für 30 000 Euro zu haben sein. Für diese abgespeckte Form gebe es reges Interesse, sagt sie.

Insgesamt umfasst das Konzept 65 Seiten. Laut Verwaltung werden die Vorschläge nach dem Beschluss durch die Stadtverordneten im Internet veröffentlicht. Jürgen Lanzky (Freie Wähler) begrüßt das. "So kann jeder, der ein Vorhaben plant, erkennen, wie nah er an den Zielen des Konzeptes ist", sagt er.

Fragebogen in Arbeit

Zudem sollen sich die Bürger mit eigenen Ideen und Wünschen einbringen. Dazu würden Fragebögen vorbereitet, informiert Kathleen Schmidt. Jürgen Lanzky sieht im Netz die Chance, dass die Dahmenser mitmachen. "Viele melden sich lieber online als persönlich im Rathaus." Christina Denkel kann sich vorstellen, dass aus einem solchen Ideenaustausch eine Arbeitsgemeinschaft "Stadtentwicklung" entsteht.

Zum Thema:
Ein Beschluss zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept steht auf der Tagesordnung der Dahmer Stadtverordneten bei ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag, 20. März, um 19 Uhr im Rathaussaal. Weiterhin geht es um die Entgeltordnung für dasHeimatmuseum sowie um Maßnahmen für das Haushaltssicherungskonzept für die Jahre 2014 bis 2017. Am Beginn steht eine Einwohnerfragestunde.