| 02:44 Uhr

Vom Umgang mit jungen Straftätern

Junge Menschen können ihre Probleme oft nicht ohne Hilfe von Außen lösen. Daher setzt das Jugendstrafrecht auf erzieherische Mittel.
Junge Menschen können ihre Probleme oft nicht ohne Hilfe von Außen lösen. Daher setzt das Jugendstrafrecht auf erzieherische Mittel. FOTO: Fotolia
Cottbus. Christian Grauer ist seit vielen Jahren Jugendrichter am Cottbuser Amtsgericht. Täglich hat er mit jungen Menschen aus Cottbus oder dem Spree-Neiße-Kreis zu tun. Andrea Hilscher

Sie klauen Fahrräder und brechen in Gartenlauben ein. Sie lösen ihre Konflikte mit Gewalt und haben oft weder Schulabschluss noch Berufsausbildung. Der Auftrag des Jugendrichters ist klar definiert. "Wir sollen erziehen, nicht strafen."

Wie aber funktioniert diese Erziehung am besten? Das am häufigsten eingesetzte Instrument im Jugendstrafrecht sind Arbeitsauflagen. "Aber", so Grauers Erfahrung, "nach zehn, 20 oder 40 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung ist die Lebenssituation des Jugendlichen die gleiche wie zuvor." Es sei unwahrscheinlich, dass ein Straftäter nach einer - sozialpädagogisch nicht begleiteten - Arbeitsmaßnahme anders auf Konfliktsituationen reagiert als vorher. Oder, wie er es jüngst provokant vor dem Jugendhilfeausschuss formulierte: Stumpfsinnig Höfe zu fegen habe nur einen geringen pädagogischen Wert. Die Alternative: "Mit dem Instrument der sozialen Trainingskurse haben wir gute Erfahrungen gemacht." Hier werden Jugendliche über Monate hinweg betreut, lernen und verinnerlichen die Grundregeln des Zusammenlebens. Christian Grauer: "Wir sind sehr froh, dass es durch den unermüdlichen Einsatz des Jugendamtsleiters des Spree-Neiße-Kreises jetzt auch dort ein derartiges Angebot gibt."

Ein Allheilmittel sind allerdings auch diese Kurse nicht. "Die Jugendlichen und jungen Heranwachsenden, mit denen wir es vor Gericht zu tun haben, kommen zunehmend aus völlig desolaten Familien." Soziale Fähigkeiten sind oft kaum ausgeprägt, die Biografie ist von zahlreichen Brüchen geprägt. "Dazu kommt eine bedeutende Zahl von Fällen, bei denen die Täter biologisch gehandicapt sind." Der Richter denkt hierbei an Jugendliche, die schon als Embryos durch übermäßigen Alkoholkonsum der Mütter geschädigt sind. "Wir wissen heute, dass diese Menschen gar nicht in der Lage sind, unseren Regeln adäquat zu folgen."

Leider, so Christian Grauer, habe Brandenburg zwei wichtige Instrumente im Umgang mit dem Phänomen Jugendkriminalität aus der Hand gegeben. "Im Rahmen der Polizeistrukturreform wurden vor einigen Jahren die Jugendkommissariate bei der Polizei aufgelöst. "Damals ist viel Know-how verloren gegangen." Auch den Verzicht auf eine eigene Jugendarrestanstalt hält der Jugendrichter für einen Fehler. "Brandenburgs Jugendliche werden jetzt in Berlin in Arrest genommen. Ohne, dass wir auf die Art der Betreuung dort einen Einfluss haben."