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| 17:11 Uhr

Tourismus
Vom Spielplatz zur Biene

Andreas Petschick hofft, dass der große Turm bald stehen und Teil des geplanten Bienenspielplatzes wird. rg
Andreas Petschick hofft, dass der große Turm bald stehen und Teil des geplanten Bienenspielplatzes wird. rg FOTO: LR / Carmen Berg
Schollen. Wie das kleine Schollen Maja und Co. als Entwicklungshelfer nutzen will.

Der 40-Seelen-Ort soll als Bienendorf Touristen locken. Andreas Petschick hatte die Idee, die Gestalt annimmt. Als hauptberuflicher Imker ist er verantwortlich für 123 Bienenvölker, als Ortsvorsteher des Luckauer Ortsteils Karche-Zaacko, zu dem Schollen gehört, bewegt ihn die Zukunft der Menschen im Dörfer-Dreigestirn. „Wir müssen aufpassen, nicht abgehängt zu werden“, sagt er.

Auf den Tourismus kam er durch den Spielplatz. Die Holz-Spielgeräte waren verschlissen, zudem bestand für die Fläche privates Kaufinteresse. Doch ein neuer Spielplatz für damals vier Kinder im Dorf? Angesichts der klammen Stadtkasse schienen die Aussichten schlecht. „Für uns aber war die Investition wichtig, weil der Spielplatz zugleich ein Treffpunkt für die Leute ist. Einen anderen zentralen Punkt gibt es in Schollen nicht“, sagt der Ortsvorsteher. Und: Wenn ihn neben eigenen Kindern kleine Gäste nutzen, sehe die Rechnung schon anders aus.

Noch warten die Geräte darauf, aufgestellt zu werden, der große Turm liegt auf der künftigen Fläche unter freiem Himmel. Im August, so verweist Andreas Petschick auf eine Auskunft aus dem Rathaus, soll der Platz nutzbar sein und dann ein „Bienenspielplatz“ werden. Passend dazu sind die Geräte gelb. Wenn sie erst stehen, sind verschiedene Angebote rund um Maja und Co. für die Jüngsten in der Überlegung, blickt er voraus.

Auf Tourismus setzen viele Orte. „Um sich von Mitbewerbern abzusetzen, braucht man eine gute Geschichte.“ Andreas Petschick hat so eine in einer Veröffentlichung von 1913 ausgegraben. Der Ortsname Schollen kommt demnach nicht vom deutschen Wort „Scholle“, sondern aus der wendischen Vorzeit. Er bezeichnet einen Platz, an dem Bienen sind. „Also hat Luckau ein Bienendorf“, sagt Andreas Petschick. „Daraus lässt sich doch was machen.“ Zumal der Name ein Super-Einstieg in ein brennendes Thema sei. Durch massive Eingriffe in die Natur sind Bienen und andere Nutzinsekten bedroht, sie finden immer weniger Nahrung.

Auf seinem Erlebnishof können Besucher sehen, wie es im Bienenstock zugeht und wie Honig gemacht wird. Verkostung inklusive.

Regelmäßig hat der Imker Kindergruppen zu Gast, beispielsweise aus der Kita im nahen Gießmannsdorf. Luckauer Hortkinder haben eine Fassade am Dorfeingang mit bunten Bienenbildern gestaltet.

Demnächst werden die ersten beiden Busreise-Gruppen erwartet. Zum einen wollen sich Hobby-Imker Tipps vom Profi holen. Zum anderen ist Schollen Teil einer Tour des Spreewaldvereins im Rahmen des Spreewälder Kulinariums. Hier geht es darum, Menschen regionale Produkte näher zu bringen und ihnen auch zu zeigen, wie sie entstehen, erklärt Andreas Petschick.

Der Knackpunkt: Mit jeder Reisegruppe wird sich kurzzeitig die Zahl der Menschen im Mini-Ort verdoppeln. „Entscheidend wird sein, ob die Schollener das wollen“, so der Ortsvorsteher. Im besten Falle könnte dieser oder jener angeregt werden,  das Format zu nutzen und Eigenes zu entwickeln, sagt er und räumt ein: „Ein gutes Konzept muss auch wirtschaftlich sein.“

Rat, wie das geht, erhofft er sich von Luckauer Kommunalpolitikern und Touristikern, „die Erfahrungen haben“. Andreas Petschick lädt ein, sich das Bienendorf und seine Potenziale anzuschauen.

Am bunten Bienenwandbild am Ortseingang haben viele Kinder mitgemalt.
Am bunten Bienenwandbild am Ortseingang haben viele Kinder mitgemalt. FOTO: Carmen Berg