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| 02:46 Uhr

Vision für Luckaus Wasserturm

Luckau. Er ist mit Graffiti besprüht und steht seit vielen Jahren ungenutzt – Luckaus Wasserturm an der Schanze. Schade drum, sagen sich Luckauer und Gäste, denn mit seinen zwölf Metern Höhe gehört der achteckige Backsteinturm aus dem Jahr 1906 zu den markanten Gebäuden der Stadt. Carmen Berg

Geht es nach Maria Pflugradt, könnte daraus ein Jugendtreff werden. In ihrer Masterarbeit an der BTU Cottbus-Senftenberg 2016 hat die Architekturstudentin dafür eine Idee entwickelt, die sie auf Einladung des Heimatvereins Interessierten in der Kulturkirche vorstellt.

Die 27-Jährige, mittlerweile als Architektin in Leipzig tätig, wuchs in Luckau auf und sagt diplomatisch: "Orte für junge Menschen hat die Stadt nicht wirklich viele." Im Wasserturm gibt es Umgänge auf mehreren Etagen, die sich für die verschiedensten Betätigungen anbieten: vom Zeichenkurs mit Künstlern über Billard bis Lesen, erklärt sie. Allerdings müsste für einen Jugendtreff die Fläche erweitert werden. Im alten Turm allein wäre zu wenig Platz. Deshalb hat Maria Pflugradt in ihrem Entwurf einen zweiten als Neubau hinzugefügt. Er steht hinter dem Original, verbunden durch Übergänge.

Der alte Wasserturm hat eine Innenverkleidung aus Stahlbeton. Als Stahlkonstruktion mit viel Glas würde am Neubau dieses Innere als Kontrast nach außen gekehrt.

Im ersten Obergeschoss des Jugendtreffs könnte ein Café Platz finden, eine kleine Küche mit Lagerraum würde im Neubau untergebracht. Von einer Spieleebene darüber könnten Besucher bis hinunter ins Foyer schauen. Dort könnten die jungen Leute beispielsweise eigene Arbeiten ausstellen, die in einem Atelier- und Kunstbereich im zweiten Geschoss entstehen. Ganz oben siedelt Maria Pflugradt eine Lese- und Ruheebene an. Das Highlight ist eine Box mit drei großen Glaswänden. "Hochoben über der Schanze hat man das Gefühl, ein Teil der Natur zu sein", sagt sie.

Dem Publikum in der Kulturkirche gefällt die mutige Vision. "Da wäre ich gern noch mal jung", gesteht eine Zuhörerin und eine andere meint: "Es wäre schon sinnvoll, wenn sich die jungen Leute nicht an den Bushaltestellen rumdrücken."

Was eine Umsetzung kosten würde, bleibt an diesem Abend offen. Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) bremst vorschnelle Euphorie. Die Priorität bei der Sanierung alter Bausubstanz liege vorerst auf dem Stadtkern. Doch es lohne, den Dialog zum Wasserturm fortzuführen, sagt der Bürgermeister. Schließlich habe sich in Luckau mit der Umgestaltung des früheren Gefängnisgeländes schon einmal eine Vision verwirklicht, die jeder anfangs für verrückt hielt. Und auch damals seien die ersten Anstöße von BTU-Studenten gekommen, erinnert er sich.