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Viererbande auf den Spuren des Wolfs

Die Viererbande von Merzdorf. Harald Wilken wollte mit seinen Hunden den Wolf aus dem Cottbuser Ortsteil vertreiben.
Die Viererbande von Merzdorf. Harald Wilken wollte mit seinen Hunden den Wolf aus dem Cottbuser Ortsteil vertreiben. FOTO: Sven Hering
Cottbus. Der Wolf hat den Cottbuser Ortsteil Merzdorf offenbar wieder verlassen. Seit drei Wochen ist das Tier nicht mehr im Ort gesehen worden. Experten beobachten die Lage weiterhin aufmerksam. Nabu-Aktivist Harald Wilken rechnet damit, dass Isegrim künftig regelmäßig vorbeischaut. Sven Hering

Als Viererbande war der Merzdorfer Nabu-Aktivist Harald Wilken mit seinen Hunden vor wenigen Tagen im Cottbuser Ortsteil Merzdorf unterwegs. "Wir wollten dem Wolf die Rückkehr in den Ort vermiesen", beschreibt Wilken das Ziel seiner Aktion. Die Hunde hätten überall im Wald ihr Revier markiert und damit den Wolf in Unruhe versetzt. Experten freilich sehen die Aktion eher kritisch. Es sei ja gut, dass sich Harald Wilken mit einbringe, sagt Steffen Butzeck, Wolfsexperte des brandenburgischen Landesumweltamtes. Doch von derartigen Aktionen lasse sich das Tier kaum einschüchtern. "Merzdorf ist so etwas wie ein Auslaufplatz für die Cottbuser Hunde, die hinterlassen deshalb längst überall ihre Spuren", so Butzeck weiter.

Der Experte schreibt es eher dem natürlichen Verhalten von Isegrim zu, bewohnte Gebiete zu meiden, dass er seit mehreren Wochen nicht mehr gesehen worden ist. Abgeschlossen ist das Thema Wolf damit freilich noch nicht. "Es ist ein Fall, den wir in dieser Qualität im Land Brandenburg noch nicht hatten", betont Butzeck. Er beschreibt damit den Umstand, dass sich der Wolf mitten am Tag in den Ort gewagt hat.

André Pfeiffer investiert deshalb noch immer viele Stunden pro Woche in seine ehrenamtliche Tätigkeit als Wolfsbeauftragter des Landes. Spuren des Merzdorfer Tieres hat er dabei auch gefunden. Darunter war eine Losung, wie der Kot bezeichnet wird. Das ist eigentlich ein Glücksfall. Denn über die Kotprobe kann eine DNA-Analyse gemacht werden, die eine sichere Zuordnung der Art ermöglicht. "Doch leider war die Losung schon zu alt", erklärt Pfeiffer. Ein DNA-Nachweis hat sich damit erledigt.

Pfeiffer lobt die Merzdorfer Einwohner für ihren besonnenen Umgang mit dem Thema. Für Panik bestehe kein Grund, sagt er. Der Merzdorfer Ortsvorsteher Werner Regina sieht das ähnlich. "Wir haben die Leute im Ort zeitig informiert und in der Folge auch einige Rückmeldungen erhalten", sagt er. In den letzten Tagen sei es allerdings ruhig geworden. Für Harald Wilken ist das Gastspiel des Wolfes ein Fingerzeig auf künftige längere Besuche. "Ich kann mir gut vorstellen, dass der Wolf in unserer Gegend wieder Normalität wird", sagt er. Andere Tierarten hätten sich schließlich ebenfalls in der Tagebaulandschaft zurückgemeldet.