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Vier "L" eröffnen den "Kunstraum Spreewald"

Im Takt für den Kunstraum Spreewald: Die Bürgermeister Helmut Wenzel (Lübbenau), Lars Kolan (Lübben), Gerald Lehmann (Luckau) sowie Kulturdezernent Carsten Saß (Dahme-Spreewald, v. l.) bei der Vorstellung der neuen gemeinsamen Marke für Kunst im Spreewald. Wem das Bild irgendwie bekannt vorkommen dürfte: Die Aufstellung spielt auf ein sehr bekanntes Fotomotiv an. Auf dem Titelbild der Langspielplatte "Abbey Road" (1969) nutzen die kreativen Köpfe der Beatles in dieser Formation einen Zebrastreifen auf dem Weg ins Tonstudio.
Im Takt für den Kunstraum Spreewald: Die Bürgermeister Helmut Wenzel (Lübbenau), Lars Kolan (Lübben), Gerald Lehmann (Luckau) sowie Kulturdezernent Carsten Saß (Dahme-Spreewald, v. l.) bei der Vorstellung der neuen gemeinsamen Marke für Kunst im Spreewald. Wem das Bild irgendwie bekannt vorkommen dürfte: Die Aufstellung spielt auf ein sehr bekanntes Fotomotiv an. Auf dem Titelbild der Langspielplatte "Abbey Road" (1969) nutzen die kreativen Köpfe der Beatles in dieser Formation einen Zebrastreifen auf dem Weg ins Tonstudio. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben/Luckau. Gemeinsam mit dem Landkreis Dahme-Spreewald läuten die drei L-Städte seit dieser Woche eine neue Ära in der Zusammenarbeit ein. Die Dachmarke "Kunstraum Spreewald" soll internationale Künstler und Mäzene anlocken, die Einwohner selbst inspirieren und die Vermarktung fördern. Ingvil Schirling

Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) brachte den Sinn der neuen Dachmarke wie folgt auf den Punkt: "Kunst vor Ort für den Bürger, der hier lebt, ist das eine. Das andere ist die Kunst, Touristen hierher zu ziehen." Und es gibt einen Markt von Reisenden, "die ganz gezielt in Regionen fahren, um Kunst zu erleben", begründet er. Die Dachmarke Kunstraum Spreewald soll zeigen, wie attraktiv die Fließlandschaft für sie, für Künstler, für Mäzene und Interessierte ist.

Kolan begrüßte am Dienstagmorgen seine Bürgermeisterkollegen Gerald Lehmann aus Luckau und Helmut Wenzel aus Lübbenau (beide parteilos). Gemeinsam mit Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) und Anika Schäfer als Projektleiterin der Kulturförderung Dahme-Spreewalds sowie Jürgen Othmer von Lübbenaubrücke stellten sie das neue Instrument in Lübben vor. Es soll mehr Aufmerksamkeit für Kunst im Spreewald erzeugen und erfolgreiche Projekte unter einem Dach versammeln.

Helmut Wenzel aus Lübbenau erinnerte daran, dass sich die drei L-Städte schon im Jahr 2000 in Vorbereitung der Luckauer Laga fanden und als Vorreiter verstanden. "Das lebte auch von der guten Chemie zwischen den Hauptverwaltungsbeamten", sagte er. In Sachen Kunst aber suchte Lübbenau in den Jahren danach den eigenen Weg und ging ihn erfolgreich mit der Lübbenaubrücke. Mit dem "Kunstraum Spreewald", dessen Hauptbestandteile zunächst das Kunstfestival Aquamediale, die Luckauer Spektrale und das Lübbenauer Spreewaldatelier sein werden, soll nun "eine bessere Wahrnehmung erzielt werden", so Wenzel, "auch, wenn es darum geht, potente Kunstliebhaber in den Raum zu holen".

Ganz persönlich genieße er den Austausch mit Künstlern, die sich in Lübbenau angesiedelt haben - etwa Bildhauer Eike Rothe oder Karikaturist Reiner Schwalme, der aus Groß Wasserburg kürzlich dorthin zog. "Künstler sind die Seismografen der Gesellschaft, die als erste Themen aufgreifen", so Wenzel. Es sei für ihn ein Gewinn, "ihnen zuzuhören und das aufzunehmen, was in Lübbenau ankommt".

Das sieht Kulturdezernent Saß ähnlich. Der "Kunstraum Spreewald" ziele auch darauf, "Künstlern im Spreewald eine Heimat zu geben und ein Auskommen zu ermöglichen". Mit Kunst und Kultur könne durchaus Wirtschaftskraft im Spreewald generiert werden. "Mit der Initiative zeigen wir aber auch, dass wir das Thema beherrschen - jenseits der Landkreis-Grenzen und ohne, dass wir dafür einheitliche Strukturen brauchen", konnte er sich eine Bemerkung zur aktuellen Diskussion um neue Kreiszuschnitte nicht verkneifen. Schließlich liegt Lübbenau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, während sich Lübben und Luckau in Dahme-Spreewald befinden.

Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann bewies unterdessen, dass der "Kunstraum Spreewald" bereits jetzt sogar die Initiatoren selbst inspiriert. So soll die Spektrale im kommenden Jahr voraussichtlich in Fürstlich Drehna stattfinden. Das Festival mit Künstlern aus Berlin-Brandenburg hat inhaltlich eine eher gesellschaftspolitische Ausrichtung. Der besondere Reiz der gut etablierten Spektrale sei es, so Lehmann, "vor historischer Kulisse dem Modernen Raum zu geben". Das geschah bisher in Luckau und könnte ab kommendem Jahr in Fürstlich Drehna einen neuen Rahmen finden.

Zum Thema:
Die nächsten Schritte für den "Kunstraum Spreewald": Am Kulturzentrum "Brotfabrik" in Berlin soll ein Kahn aufgestellt werden, in dem Interessierte alle möglichen Angebote rund um Kunst im Spreewald finden. Anika Schäfer von der LDS-Kulturförderung will die Initiative "Kunstraum Spreewald" den Tourismusvereinen und Anbietern vorstellen und mit diesen ins Gespräch kommen. Auf einer gemeinsamen Website sollen unter der neuen Dachmarke die Projekte verlinkt werden. Eigenes Personal oder Finanzausstattung für den "Kunstraum Spreewald" ist nicht geplant. Die Idee fußt hauptsächlich auf der Zusammenarbeit. Mit dem Abschluss des Kunstfestivals Aquamediale startet im September das Spreewaldatelier in Lübbenau. Zu dessen Ende wiederum wird die Kunst mit einem "nicht ganz unbekannten Auktionator" versteigert, so Jürgen Othmer von der Lübbenaubrücke. Dafür werden Aquamediale-Künstler Lithografien von ihren Arbeiten herstellen. Der "Kunstraum Spreewald" ist offen für weitere Kulturveranstaltungen. Die Aquamediale besteht als Festival mit internationaler Ausrichtung zu einem Thema, das den Spreewald berührt, seit zehn Jahren und findet in Lübben, Lübbenau und Umgebung statt. Das Spreewaldatelier ist ein offenes Bildhauersymposium und Karikaturisten-Pleinair in Lübbenau. Die Spektrale in Luckau, bald Fürstlich Drehna, beleuchtet den aktuellen Stand der Kunst regionaler Künstler unter einem gesellschaftspolitischen Thema.